Zum Abschied hoher Verlust - Metro verhagelt Haniel-Bilanz

Duisburg (APA/Reuters) - Der deutsche Handelskonzern Metro hat seinem langjährigen Großaktionär Haniel zum Abschied in die roten Zahlen geri...

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Duisburg (APA/Reuters) - Der deutsche Handelskonzern Metro hat seinem langjährigen Großaktionär Haniel zum Abschied in die roten Zahlen gerissen. Wertberichtigungen auf die Anteile an Metro und der Elektronikhandelsholding Ceconomy brockten der Duisburger Familienholding im ersten Halbjahr einen Verlust nach Steuern von 842 (Vorjahr: plus 71) Mio. Euro ein, wie Haniel am Freitag mitteilte.

Der Kursverfall bei den Aktien der beiden Beteiligungen zwang Haniel, auf den Anteil von 22,5 Prozent an Metro eine Wertberichtigung von 574 Mio. Euro und von knapp 300 Mio. Euro auf die 25 Prozent bei Ceconomy vorzunehmen. Bei Metro hat Haniel-Chef Staphan Gemkow inzwischen die Reißleine gezogen: Ein Anteil von 7,3 Prozent an Metro geht mit Zustimmung des Haniel-Aufsichtsrats an eine vom tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky geführte Gesellschaft. Auf die übrigen 15,2 Prozent aus dem Haniel-Fundus hat er sich den Zugriff gesichert.

Im operativen Geschäft lief es für Haniel besser. Die Holding, deren Reich sich von einem Hersteller von Matratzenbezügen über den Hygiene-Dienstleister CWS-Boco bis hin zum Büroversandhändler Takkt erstreckt, erzielte in den ersten sechs Monaten ein operatives Ergebnis (Ebita) von 157 (135) Mio. Euro. Der Umsatz kletterte um 17 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro. Gemkow hatte in den vergangenen Jahren vor allem Beteiligungen außerhalb der Handelsbranche gekauft, um Haniel auf eine breitere Basis zu stellen. Für weitere Zukäufe verfügen die Duisburger über finanzielle Mittel in einer Höhe von rund 800 Mio. Euro.

Für das Gesamtjahr rechnet Haniel nun weiter mit einem deutlichen Anstieg des operativen Ergebnisses. Nach Steuern erwarte die Holding aber nach den Wertberichtigungen aus dem Halbjahr 2018 einen Verlust. „Die Dividendenfähigkeit ist trotz der nicht zahlungswirksamen Wertkorrekturen unverändert gegeben“, betonte Haniel.

Haniel hatte Metro über mehr als 50 Jahre begleitet, zuletzt als größter Einzelaktionär. Der Handelsriese hatte Haniel aber auch schon in der Vergangenheit nicht eben Freude gemacht. Der Konzern stieg 2012 aus dem deutschen Leitindex Dax ab, Haniel musste damals einen Netto-Verlust von rund 1,9 Mrd. Euro ausweisen. Der Löwenanteil stammte aus Abschreibungen auf die Metro-Beteiligung. Auch aktuell war Gemkow nicht zufrieden: „Die Wertentwicklung ist eine Enttäuschung, das sieht jeder, der auf den Kurszettel schaut“, hatte er gesagt. Metro-Chef Olaf Koch hatte den Handelskonzern im Sommer vor einem Jahr in einen Lebensmittel- sowie einen Elektronikhändler aufgespalten. Nach der Abspaltung Mitte Juli 2017 notierten Metro-Aktien noch bei über 20 Euro, nach einem Jahrestief von rund zehn Euro ein Jahr später lagen sie am Freitag bei 13,53 Euro.


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