Merkel: „Afrika ist nicht Afrika“

Abuja/Berlin (APA/AFP) - Auf ihrer dreitägigen Afrika-Reise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesehen, wie nah Chancen und Schwierigke...

Abuja/Berlin (APA/AFP) - Auf ihrer dreitägigen Afrika-Reise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesehen, wie nah Chancen und Schwierigkeiten auf dem Nachbarkontinent beieinander liegen. Mit Senegal, Ghana und am Freitag zum Abschluss Nigeria besuchte die Kanzlerin drei sehr unterschiedliche Länder, im Mittelpunkt der Gespräche standen die Wirtschaftsbeziehungen sowie die illegale Migration.

Gemeinsam sei den drei Ländern, dass die jungen Menschen dort nach Perspektiven verlangten, bilanzierte Merkel in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. „Ich habe gesehen, dass es eine Jugend gibt, die fordernd ist. Die möchte, dass sie eine Zukunft im eigenen Land hat.“ Die Kanzlerin erfuhr auf der Reise jedoch auch, dass jedes der drei Länder seine eigenen Probleme und Bedürfnisse hat.

„Afrika ist nicht Afrika“, sagte die Kanzlerin in Ghana. Der Kontinent bestehe aus mehr als 50 Ländern mit unterschiedlichen Kulturen und Traditionen. „So wie wir erwarten, dass man zwischen Deutschland und den Niederlanden und Frankreich unterscheiden kann, muss man auch erwarten können, dass wir zwischen Senegal, Ghana und Angola unterscheiden können.“

Im Senegal traf Merkel auf Präsident Macky Sall, der die Flucht junger Menschen Richtung Europa als eine Frage der „Würde“ für Afrika bezeichnete. „Wir wollen gegen illegale Migration kämpfen“, versprach er und forderte den Gast aus Deutschland auf, ihm dabei zu helfen - auch durch Investitionen in seinem Land und Möglichkeiten der legalen Zuwanderung.

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Die Kanzlerin sagte Sall entsprechende Unterstützung zu. Das Land blickt auf ein gutes Wirtschaftswachstum, kommt aber verglichen mit Ghana und Nigeria von einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Wie viel in dem westafrikanischen Küstenstaat noch zu tun ist zeigt ein Vertrag, den die deutsche Wirtschaft während Merkels Besuch in Dakar schloss: Dabei ging es um den Anschluss von 300 Dörfern auf dem Land an die Elektrizität über Solarstrom.

Mit Ghana hat Deutschland eine besondere Beziehung, seit die Bundesregierung im vergangenen Jahr eine „Reformpartnerschaft“ für das Land übernahm. In der Hauptstadt Accra besuchte die Kanzlerin eine Start-up-Messe und sprach mit den jungen Leuten über ihre Ideen. Eine der Jungunternehmerinnen berichtete, dass sie dringend Finanzierung benötigt, gerne auch aus dem Ausland.

Daran hapert es aber, auch von deutscher Seite. Nur etwa achtzig der in Afrika tätigen deutschen Unternehmen sind auch in Ghana vertreten. Merkel versprach Präsident Nana Akufo-Addo, deutsche Privatinvestitionen in seinem Land zu erleichtern.

Nigeria ist mit rund 190 Millionen Einwohnern mit Abstand das bevölkerungsreichste Land des afrikanischen Kontinents. In dem Ölförderland gibt es eine entwickelte Wirtschaft, allerdings machte Nigeria gerade erst die schlimmste Rezession seit mehr als 20 Jahren durch, wozu der Ölpreisverfall und Anschläge auf Pipelines im Nigerdelta beitrugen.

Präsident Muhammadu Buhari hat arge Probleme, die Sicherheit im gesamten Staatsgebiet zu gewährleisten. Im Norden des Landes erringt die zwischenzeitlich zurückgedrängte Islamistengruppe Boko Haram immer wieder die Kontrolle über einzelne Landesteile. In dem Konflikt wurden bisher mehr als 20.000 Menschen getötet und 2,6 Millionen in die Flucht getrieben. Im ersten Halbjahr 2018 waren die Nigerianer hinter Syrern und Irakern die drittgrößte Gruppe der Asylantragsteller.

Merkel warb auf der Reise für eine enge Nachbarschaft zwischen Europa und den afrikanischen Staaten. Die Überzeugung der Kanzlerin ist, dass Europa damit nicht nur den Interessen Afrikas dient: „Ich glaube ganz fest, dass es eine prosperierende Europäische Union nur geben kann, wenn wir mit den Fragen der Migration, mit den Fragen der Partnerschaft mit Afrika klarkommen.“


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