Fachkräftemangel - SPÖ: Mit höheren Löhnen wäre Mangel sofort behoben

Singapur/Wien (APA) - Im Gegensatz zur Wirtschaftskammer (WKÖ) sieht die SPÖ in Österreich keinen Fachkräftemangel, sondern in manchen Branc...

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Singapur/Wien (APA) - Im Gegensatz zur Wirtschaftskammer (WKÖ) sieht die SPÖ in Österreich keinen Fachkräftemangel, sondern in manchen Branchen eine mangelhafte Bezahlung. „Mit höherer Bezahlung wäre der Mangel sofort behoben“, so SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher in Reaktion auf eine neue Studie der WKÖ, die österreichweit einen Fachkräftemangel von 162.000 errechnet hat.

Dem WKÖ-Präsidenten Harald Mahrer, der die Studie heute in Singapur vorstellte, seien Österreichs arbeitslose Jugendliche offen völlig egal, kritisiert Lercher in einer Presseaussendung am Freitag. Mahrer und Bundeskanzler Sebastian Kurz (beide ÖVP) seien offenbar alle Mittel recht, um in Österreich einen Billiglohnmarkt zu schaffen und so die Löhne zu drücken. Die Wirtschaft habe zu lange zu wenig getan, um Lehrberufe auch in den Branchen, die jetzt einen Mangel beklagen, attraktiv zu machen.

„Dieser Mangel ist hausgemacht“, so Lercher. Mit höheren Löhnen wäre der Mangel sofort behoben. Mahrer gehe es gar nicht um einen angeblichen Fachkräftemangel, sondern ausschließlich darum, nun billige Arbeitskräfte ins Land zu holen.

„Es gibt genug Lehrstellensuchende in Österreich“, so Lercher. Laut den Aufzeichnungen des Arbeitsmarktservice (S) gebe es 3.078 mehr Lehrstellensuchende als Lehrstellen. Außerdem stünden den 162.000 Fachkräften, die laut Mahrer fehlten, 184.696 arbeitslose Fachkräfte gegenüber.

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„Wenn wir Fachkräfte wollen, dann müssen wir Arbeitslose beschäftigen und ausbilden“, fordert Lercher. Die Regierung müsse Geld in die Hand nehmen, um in Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme zu investieren. „Wir brauchen Perspektiven für die Arbeitslosen in Österreich und keine weitere Verschärfung der Situation am Arbeitsmarkt“, so Lercher.

„Völlig unsinnig“ ist laut Lercher auch der Wunsch Mahrers, die Mangelberufliste auszuweiten und möglichst rasch Lehrlinge aus Drittstaaten nach Österreich zu holen. „Das wird das Lohnniveau in Österreich in diesen Branchen noch weiter nach unten drücken“, warnt Lercher, und es werde dafür sorgen, dass es in Österreich weiter keine Vollbeschäftigung gebe. Außerdem stelle sich die Frage, was mit diesen Arbeitskräften passiere, wenn die Hochkonjunktur vorbei ist.

Laut WKÖ-Abteilungsleiter Martin Gleitsmann ist die von Lercher genannte Lehrstellenlücke auf eine statistische Berechnungsmethode zurückzuführen, bei der nur die „sofort verfügbaren offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden“ berücksichtigt werden. Würde man auch die „nicht sofort verfügbaren“ Lehrstellen in die Berechnung miteinbeziehen, würde sich für Juni 2018 ein Lehrstellenüberhang von 2.520 ergeben.

„Jetzt realisieren endlich auch ÖVP, FPÖ und WKÖ-Chef Harald Mahrer, dass wir ein Problem haben“, schreibt NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn in einer Presseaussendung. Nun müsse man rasch gemeinsam an echten Lösungen arbeiten und die notwendigen Reformen angehen. Die Erweiterung der Rot-Weiß-Rot-Karte für Lehrlinge aus Drittstaaten werde nicht alle Probleme lösen. Bürokratische Hürden müssten gesenkt werden, zugleich brauche es eine Flexibilisierung und Aufwertung der Lehre selbst. Auch die Lehre für Asylwerbende dürfe nicht abgeschafft werden, solange die Dauer von Asylverfahren nicht kürzer als 180 Tage sei und es keine taugliche Nachfolgeregelung gebe.

~ WEB http://www.spoe.at

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www.neos.eu ~ APA401 2018-08-31/14:21


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