Abschied von der „Queen“: Gottesdienst für Aretha Franklin in Detroit

Detroit (APA/dpa) - Feministin, Bürgerrechtlerin und eine gewaltige Stimme, die sie um die Welt führte: Beim Gottesdienst für Aretha Frankli...

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Detroit (APA/dpa) - Feministin, Bürgerrechtlerin und eine gewaltige Stimme, die sie um die Welt führte: Beim Gottesdienst für Aretha Franklin wird die verstorbene Musikerin als überlebensgroße Figur gefeiert. Auf der Bühne vermischen sich Soul, Glaube und das schwarze Herz von Detroit.

All der Respekt, all die Liebe sind bis weit auf die Straße vor der Kirche zu sehen. Mehr als 100 Fahrer rosafarbener Cadillacs haben ihre Autos vor dem Greater Grace Temple in Detroit aufgereiht - eine von so vielen Gesten des Gedenkens an die verstorbene Aretha Franklin, die davon sang, in dem pinken Wagen auf dem „Freeway of Love“ zu fahren. Tausende strömen zum Gottesdienst in den gewaltigen Saal. Sie nehmen Abschied von einer Sängerin, die in der einstigen Autometropole als Königin gefeiert wird.

„Dies wird ein langer Gottesdienst“, sagt Pfarrer Charles Ellis voraus. Es ist tatsächlich ein sattes Programm, das am Freitag in den zunächst angesetzten fünf Stunden kaum zu schaffen ist: Auftritte von Stevie Wonder, Ariana Grande, Faith Hill, Chaka Khan und 15 weiteren Künstlern und Gruppen. Dazu Reden vom früheren Präsidenten Bill Clinton, Ex-Justizminister Eric Holder, Bürgerrechtler Jesse Jackson und Pfarrer Al Sharpton sowie von Familienangehörigen, Freunden und Weggefährten Franklins. TV-Sender übertragen live, ein Radiosender hat sich für ein einwöchiges Sonderprogramm umbenannt in den „Aretha Franklin Tribute Channel“.

Als „unsere königliche Hoheit“, „unsere Königin“, „eine wahre Königin“ wird Franklin in Reden bezeichnet. Für diesen letzten Tribut haben die Bestatter ihr ein goldfarben glitzerndes Pailletten-Kleid angelegt, dazu goldfarbene Schuhe des Designers Christian Louboutin. Es ist ihr inzwischen drittes Outfit in den fünf Tagen, in denen Detroit von der Musikerin Abschied nimmt.

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„Sie hat einen guten Kampf gekämpft. Nun ist es Zeit, die Königin zu krönen“, sagt Sharpton. Sänger Smokey Robinson, der sie schon als kleiner Junge singen hörte, ist sicher: „Im Engelschor wirst Du eine führende Stimme sein.“ Ihr Sarg aus polierter Bronze mit goldenen Verschlägen ist das gleiche Modell, in dem Michael Jackson bestattet wurde. Vorgefahren wurde sie im selben Leichenwagen (ein LaSalle von 1940), der auch ihren verstorbenen Vater und Bürgerrechtlerin Rosa Parks an dessen letzte Ruhestätten brachte.

Franklin bleibt bei diesem Gottesdienst als überlebensgroße Figur in Erinnerung, die nicht nur Soulmusik prägte, sondern auch den Kampf der Frauen- und Bürgerrechtsbewegung vorantrieb. „Durch ihre eigene Stimme hob sie die von Millionen empor“, fasst der frühere Präsident Barack Obama zusammen, von dem ein Brief vorgelesen wird. Franklins Gesang führte sie um die Welt, doch ihre Wurzeln in der Kirche und im schwarzen Detroit, wo sie schon als kleines Mädchen in der Gemeinde ihres Vaters sang, vergaß sie nie.

Auch dort, in der New Bethel Baptist Church, hatten die Menschen am Donnerstag Schlange gestanden, um Franklin ein letztes Mal zu sehen. Es scheint, als atme die einstige Autostadt Aretha dieser Tage nahezu: Ein Park soll nach ihr benannt werden, vergangenen Sommer wurde bereits eine Straße „Aretha Franklin Way“ getauft. „Ich will sie jedes Mal sehen, wenn ich herkomme“, hatte sie seinerzeit gesagt. „Ich will sie entlangtanzen.“

Nicht nur Familienangehörige Franklins wischen sich in diesen Stunden Tränen aus dem Gesicht. Aber an passender Stelle gelingt es Pfarrer Ellis, die Trauernden im Saal - rund 4.000 Menschen haben hier Platz - zum Tanzen und Klatschen zu bewegen. „Wir sind hier, um diese Familie emporzuheben“, sagt er in Richtung der Hinterbliebenen, als Band und Chor ihren kraftvollen Gospel aufleben lassen. „Wir sind hier, um auf diese Gesichter inmitten des Todes ein Lächeln zu setzen.“

Gegen Ende bleibt, wie in den Köpfen so vieler Fans, vor allem Franklins Musik hängen. Die 25 Jahre alte Ariana Grande hat die Single „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman“ mit einem starken Auftritt in die nächste Generation transportiert. Und Bill Clinton, der sich und Ehefrau Hillary als frühe „Aretha-Groupies“ bezeichnet, zückt zum Ende seiner Rede nur noch sein Handy. Er hält das Mikrofon an den Lautsprecher, lässt darauf Franklins Hit „Think“ spielen und sagt: „Dies ist der Schlüssel zur Freiheit.“


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