Keine Einigung im Streit um orthodoxe Kirche in der Ukraine

Istanbul/Kiew (APA) - Die Patriarchen von Konstantinopel und Moskau haben am Freitag keine Einigung über die Zukunft der orthodoxen Kirche i...

  • Artikel
  • Diskussion

Istanbul/Kiew (APA) - Die Patriarchen von Konstantinopel und Moskau haben am Freitag keine Einigung über die Zukunft der orthodoxen Kirche in der Ukraine erzielt.

Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, halte an seinem Plan fest, die ukrainische Kirche als autokephal (eigenständig) anzuerkennen, sagte der zuständige Metropolit Emmanuel nach dem Patriarchentreffen in Istanbul. Die vom Moskauer Patriarchen Kyrill I. geführte russisch-orthodoxe Kirche lehnt hingegen die Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche ab und wird dabei von einigen weiteren orthodoxen Landeskirchen unterstützt.

Einen Zeitplan für die Verleihung der Autokephalie nannte Emmanuel nicht. Kyrill (Kirill) I. äußerte sich nach dem Treffen vor Journalisten nicht zur Ukraine. „Das war ein gutes Treffen, die Atmosphäre war sehr gut“, sagte er nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur „Interfax“. Es war die erste Begegnung der beiden Kirchenoberhäupter seit mehr als zwei Jahren. An dem Gespräch im Thronsaal des Phanar nahm u.a. auch der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew) teil.

Die ukrainische Regierung wirft der russisch-orthodoxen Kirche vor, ein „politisches Werkzeug“ von Staatspräsident Wladimir Putin zu sein. Die russische Kirche unterstütze „Putins Hybrid-Krieg gegen die Ukraine und betet Tag und Nacht für die russische Regierung und die russische Armee“, protestierte der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko vor einer Woche.

<p>10x Wanderausrüstung zu gewinnen</p>

<p>TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.</p>

Die ukrainische Initiative für die Loslösung der dortigen Kirche von Moskau gilt aktuell als Hauptstreitpunkt zwischen Moskau und Konstantinopel. Poroschenko und das Parlament in Kiew hatten im April an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel appelliert, der orthodoxen Kirche des Landes die Autokephalie zu verleihen.

Im Zuge der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine von der Sowjetunion 1991 hatte sich die orthodoxe Kirche des Landes gespalten. Seither ringen die dem Moskauer Patriarchat unterstehende ukrainisch-orthodoxe Kirche und das 1992 gegründete Kiewer Patriarchat um die Vormachtstellung in der Ukraine. In dem Land wird angesichts des Krieges in der Ostukraine zwischen von Moskau unterstützten Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen der Ruf nach einer von Russland unabhängigen orthodoxen Kirche lauter.

Rund 70 Prozent der Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Bisher erkennen das Ökumenische Patriarchat und die mehr als ein Dutzend orthodoxen Landeskirchen offiziell nur die russisch-orthodoxe Kirche an, die in der Ukraine über die meisten Pfarreien verfügt. In der Orthodoxie bilden die derzeit 14 autokephalen Kirchen gleichberechtigte Glieder einer Glaubens- und Sakramentengemeinschaft. Zu den Vorrechten Konstantinopels gehört unter anderem die Gewährung der Autokephalie; allerdings kein Jurisdiktionsprimat, wie ihn der Papst in Rom für die römisch-katholische Christenheit für sich in Anspruch nimmt.

Die kirchliche Landschaft in der Ex-Sowjetrepublik Ukraine ist sehr zersplittert, es gibt allein vier orthodoxe Kirchen. Die moskautreue Kirche ist die größte von ihnen, in ihrer Hand sind die wichtigsten Heiligtümer wie das Höhlenkloster in Kiew. Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats sieht sich als Nationalkirche, sie hatte sich rund um die Unabhängigkeit 1992 von Moskau abgespalten, wird aber nicht anerkannt.


Kommentieren