Bezirkshauptmannschaften: „Freundlich und hilfsbereit“

Die ersten 150 Jahre Tiroler Bezirkshauptmannschaften wurden am Samstag gefeiert. Viele Bürger warfen einen Blick hinter die Kulissen.

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Bei der BH Reutte war der Notarzthubschrauber der ARA der eindeutige Star.
© Tschol

Innsbruck – Der junge Mann lugt kaum unter dem schweren Helm hervor und die schusssichere Weste drückt ihm die Schultern ganz schön nach unten. Aber er lächelt – nicht gequält, sondern stolz – am Eingang der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land. Am gestrigen Samstag wurde in allen Tiroler Bezirkshauptmannschaften gefeiert – und zwar ihr 150-jähriges Bestehen. Mitglieder der Landesregierung und des Landtages waren in ihre Heimatbezirke ausgeschwärmt, um den Bürgern diese Behörden zu erklären. Drinnen führten BH-Mitarbeiter durch die Räumlichkeiten, draußen gab es Blaulichtorganisationen, Musik, Verpflegung.

„Es hat sich schon sehr gewandelt in Richtung Bürgerservice“, meint ein junger Vater aus Zirl anerkennend. Den Tag der offenen Tür haben er und seine Frau gleich für einen Pass-Antrag genutzt. „Der Slogan mit ,nah am Menschen’ passt.“ Die junge Familie hat auch gleich einen Rundgang mitgemacht – „es ist schon eine breite Palette hier“.

Bezirkshauptmann Herbert Hauser (Innsbruck-Land) stand für Fragen zur Verfügung.
© Paschinger

Auch ein Großvater aus Mutters hat den Regentag für einen Besuch der BH mit den zwei Enkeln genutzt. Die Augen der Kinder leuchten, waren sie vorhin ja auf der Drehleiter der Feuerwehr und durften eine Polizei-Ausrüstung anprobieren.

In Schwaz dirigierte Alt-BH Karl Mark den eigens auf die BH komponierten Marsch.
© Scherer

„Freundlich, offen, familiär“, schwärmt eine Innsbruckerin über den Servicebereich im Parterre. Einer ihrer Söhne interessiert sich für eine Lehrstelle im Verwaltungsbereich: „Abteilung Sicherheit“, betont er nach der Führung.

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Die Behörde zeigte sich landauf, landab von ihrer Schokoladenseite. Die an den Schaltern und in Büros angebotenen Süßigkeiten gab es allerdings nur gestern. (pascal)

Rund 600 Zuständigkeiten der Tiroler BHs

„Als Bezirkshauptmannschaft sind wir keine eigene Verwaltungsebene, wie manche glauben“, erklärt der Bezirkshauptmann von Innsbruck-Land, Herbert Hauser. Die BH „ist eine vorgeschobene, dezentrale Landesdienststelle“. Prinzipiell „soll die Gemeinde erste Anlaufstelle sein“, die BH komme den Menschen dann vor Ort weiter entgegen.

Die BH Innsbruck-Land ist für gut 178.000 Einwohner verantwortlich. Vom Reisepass über den Führerschein, „dann auch die Bauarbeiterurlaubskasse, die Hunde, die Gewerbeaufsicht bis hin zum Wirtschafts- und Berufsrecht – unsere Themen umfassen gut 600 Zuständigkeiten“. Allein in der Innsbrucker Gilmstraße stehen dafür 243 Mitarbeiter zur Verfügung, „105 davon in Teilzeit“, wie der Bezirkshauptmann stolz hinzufügt. 0,1 Prozent der Wohnbevölkerung treten täglich mit dem Amt persönlich in Kontakt. „Das sind 180 bis 200 Personen. Die meisten Anliegen, so rund 150, können in der Servicezone im Parterre von 20 Mitarbeitern erledigt werden.“ 30 bis 40 Ratsuchende verteilen sich auf das restliche Haus, „rund zehn Prozent kommen zu mir“, sagt Hauser.

Die große Herausforderung sieht der Bezirkshauptmann „im Schritthalten mit den Kommunikationstechnologien“. Diesen stehe man natürlich sehr offen gegenüber, „aber in manchen Fällen ist die persönliche Kommunikation oft besser“.

Die Bezirkshauptmannschaften haben in den 150 Jahren Regime und Kriege überstanden – „wahrscheinlich, weil man nie etwas Besseres gefunden hat“. (pascal)


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