Hongkongs Rolle als Tor zu Festland-China im Wandel

Hongkong/Wien (APA) - Hongkong rückt näher an die Volksrepublik China heran, auch durch die Verbesserung der Verkehrsverbindungen. Denn tats...

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Hongkong/Wien (APA) - Hongkong rückt näher an die Volksrepublik China heran, auch durch die Verbesserung der Verkehrsverbindungen. Denn tatsächlich ist die ehemalige britische Kronkolonie schon seit über 20 Jahren ein Teil der kommunistischen Volksrepublik. Seit 1997 gehört Hongkong wieder zu China, nach dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ wurde jedoch in Hongkong die liberale westliche Marktwirtschaft beibehalten.

Die Verkehrsverbindungen zwischen „Festland-China“ und Hongkong werden durch zwei große Projekte deutlich verbessert, die schon in Kürze fertiggestellt werden: Eine Hochgeschwindigkeitsbahn wird die Fahrzeit zwischen Hongkong und Guangzhou wesentlich verkürzen: Für die 120 Kilometer lange Strecke wird man künftig nur mehr 45 Minuten statt wie bisher drei Stunden brauchen. Denn die chinesische Grenzkontrolle findet schon in Hongkong statt, vor dem Einsteigen in den Zug. Dass damit chinesische Sicherheitsorgane in Hongkong tätig sind, war lange umstritten und ist wohl auch ein Zeichen, dass Peking die Zügel strafft. Und von Hongkong nach Macao bis Zuhai am chinesischen Festland wurde eine 40 Kilometer lange Brücken-Tunnel-Konstruktion errichtet, die Ende 2018 eröffnet wird.

Die Volksrepublik China bindet Hongkong in ihrem Wirtschaftskonzept in die Greater Bay Area ein, erläutert der österreichische Handelsdelegierte in Hongkong, Franz Rössler, im Gespräch mit der APA. Im laufenden Fünf-Jahres-Plan ist die Schaffung von Mega-Regionen mit koordinierter Wirtschaftspolitik vorgesehen. In der Greater Bay Area werden Hongkong, Macao und elf weitere Städte in Südchina als Megaregion zusammengefasst, die Städte haben verschiedene wirtschaftliche Schwerpunkte und Stärken, die einander ergänzen sollen. Dadurch soll das „Silicon Valley“ Chinas entstehen. Denn Südchina ist längst nicht mehr die verlängerte Werkbank des Westens mit Niedriglöhnen, sondern eine entwickelte Region mit hochwertigen Produktionen und Dienstleistungen, so der Handelsdelegierte.

Hongkong sei in dem Konzept der Finanzplatz, der auch juristische Dienstleistungen biete. Shenzhen, die angrenzende Stadt in Festlandchina, sei auf Elektronik und Prototypenfertigungen spezialisiert.

Für österreichische Firmen, die mit Asien-Exporten beginnen wollen, könne Hongkong ein typischer Testmarkt sein, meint der Handelsdelegierte, weil ein sehr liberales Einfuhrsystem herrscht: So gibt es praktisch keine Zölle oder sonstige Einuhrsteuern, auch sonstige Auflagen für den Import sind sehr gering. Generell sind die Steuersätze niedrig, und das funktionierende Rechtssystem ist noch immer an das britische Recht angelehnt. Firmengründungen sind einfach durchführbar, Ein- und Ausfuhr von Devisen ist in unbegrenzter Höhe erlaubt, muss aber ab einer bestimmten Höhe deklariert werden. Hingegen gibt es in Festlandchina noch Devisenkontrolle, ab 50.000 Euro müssen Auslandsüberweisungen genehmigt werden. Während der Hongkong-Dollar überall getauscht werden kann, ist der chinesische Renminbi nicht frei konvertibel. Hongkong sei auch der größte Messe- und Konferenzplatz ganz Asiens. „In Hongkongs werden Trends für ganz Asien gesetzt“, sagt Rössler. Gute Flugverbindungen machen die Stadt zu einem Drehkreuz.

Allerdings wird die Konkurrenz für den Wirtschaftsstandort Hongkong immer größer: Auch andere Städte wie Shanghai gewinnen zunehmend als Finanzplatz große Bedeutung. Viele Firmen gehen ohne den „Umweg“ über Hongkong gleich nach Festlandchina. Wenn chinesische Firmen in Österreich investieren wollen, etwa im Rahmen der „belt and road“-Initiative Pekings, wird viel davon über Hongkong abgewickelt.

Von den rund 7,4 Millionen Einwohnern Hongkongs sind eine Million US-Dollar-Millionäre. Daher gibt es einen großen Markt für Luxusgüter und Markenprodukte. Allerdings sind auch die Wohnungs- und Lebenshaltungskosten in der von Hochhäusern dominierten Stadt extrem hoch. Durch den Schiffsverkehr entstehen Umweltprobleme, die Emissionen der riesigen an Hongkong vorbeiziehenden Frachter tragen zur Belastung der Luft mit Schadstoffen bei. Bei der Wasserversorgung gibt es ebenfalls Probleme: 30 Prozent des - importierten - Trinkwassers gehen durch das alte Leitungssystem verloren, für Wassergütemessungen sind bereits Österreicher in Hongkong tätig. Die budgetmäßig gut ausgestattete Stadtverwaltung will mehr für die Verbesserung der Infrastruktur ausgeben. Als eines der dicht besiedeltsten Zentren der Welt mit sehr vielen Hochhäusern kann Hongkong ein Testfeld für einzelne urbane Infrastruktur-Projekte sein.

Chancen für die österreichische Wirtschaft in Hongkong sieht der Handelsdelegierte insbesondere bei Infrastrukturprojekten: Maschinen, Bau-Dienstleistungen, Know-how bei Großprojekten seien in China gefragt. Immer mehr Hongkong-Bürger kommen nach Österreich, die Tourismus-Zahlen steigen jährlich um 20 Prozent. Im Ausbildungsbereich gibt es steigende Studentenzahlen: Voll zahlende Studierende aus Hongkong an österreichischen Privatuniversitäten, Tourismusschulen und in Musikausbildungen belegen das Interesse an Österreich.

~ WEB https://news.wko.at/presse ~ APA047 2018-09-02/09:01


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