Kontroverse Debatte über Öffnung von Pannenstreifen auf A12

Die SPÖ tritt für eine temporäre Freigabe des Pannenstreifens zwischen Zirl und Innsbruck ein, Grüne und NEOS sind ebenso klar dagegen.

Die Pläne von Verkehrsminister Hofer, den Staus zwischen Zirl und Innsbruck mit einer Öffnung des Pannenstreifens als temporärer dritter Spur zu begegnen, lösten in Tirol kontroverse Reaktionen aus.
© TT/Böhm

Innsbruck, Zirl –Die Pläne von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ), den Pannenstreife­n am Autobahnabschnitt Zirl Ost bis Innsbruck West temporär zu öffnen, sorgen nun für zahlreiche höchst unterschiedliche politische Reaktionen. Hofer argumentiert, wie berichtet, dass eine temporäre Pannenstreifenfreigabe die Verkehrsqualität kurzfristig verbessern und die regelmäßigen Staus in den Morgen- und Abendspitzen vermindern könne. Zuvor sollen u. a. noch die Ergebnisse der Asfinag-Teststrecke auf der A4 abgewartet werden. Der Verkehrsminister beziffert die Gesamtkosten für das Vorhaben auf 15,8 Mio. Euro.

Tirols SP-Vizeparteichef LA Georg Dornauer tritt klar für die Öffnung des Pannenstreifens ein. Die von Hofer genannten Kosten seien „im Sinne der Tausenden Pendlerinnen und Pendler zu investieren“, denen der tägliche Stau am Weg zur Arbeit „nicht länger zuzumuten“ sei. Er erwarte sich ein klares Bekenntnis der Landesregierung zum Vorhaben, meint Dornauer.

Die SPÖ sei für den weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs samt Tarifreform, „aber der Individualverkehr wird auch in Zukunft bestehen bleiben. Daher sind auch in diesem Bereich Verbesserungen notwendig“, so Dornauer, der nicht von einer „dritten Autobahnspur“ sprechen will.

Von den Innsbrucker Grünen kommt hingegen eine klare Absage: „Wer die Autobahnkapazität ausbaut, verlagert den Stau in die Stadt, wo wir zu Spitzenzeiten ohnehin schon mit überlasteten Straßen und hoher Belastung der Bevölkerung kämpfen“, sagt Verkehrsstadträtin Uschi Schwarzl. Einen „besseren Verwendungszweck“ für die ca. 16 Mio. Euro sieht sie beim barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe sowie der Park&Ride-Plätze an der S-Bahn westlich und östlich von Innsbruck.

Was die Autobahn betrifft, verweist Schwarzl auf den Wunsch der Stadt nach Einhausung der Autobahn bei Sieglanger und Mentlberg bzw. längerfristig einer Verlegung der Autobahn in den Berg. Eine dritte Spur komme aus Innsbrucker Sicht dagegen nicht in Frage: „Wir haben bereits eine dritte Spur, das ist die S-Bahn mit ihrem Halbstundentakt zwischen Telfs und Innsbruck.“

Nein zur Öffnung sagen auch die Tiroler NEOS: Mit der Freigabe des Pannenstreifens „entstünde ein enormes Sicherheitsrisiko“, erklärt Verkehrssprecher LA Andrea­s Leitgeb, selbst Verkehrspoli­zist: „Lkw, Busse und Pkw würden nämlich nebeneinanderfahren. Die Bildung einer Rettungsgasse wäre dadurch bei einem Unfall auf der Autobahn so gut wie nicht möglich. Größere Einsatzfahrzeuge könnten nicht mehr zum Einsatzort gelangen.“ Zudem löse der Pannenstreifen das Stauproblem nicht: Der Stau entstehe wegen des zu hohen Verkehrsaufkommens in der Stadt und bilde sich bis auf die Autobahn zurück. Das sei an sich schon ein Gefahrenrisiko, „das bei einem geöffneten Pannenstreifen noch größer wäre“, mahnt Leitgeb.

„Bevor der Pannenstreifen mit einem Schnellschuss freigegeben wird, muss zunächst geprüft werden, ob die Einrichtung von Sicherheitsflächen im Bereich Innsbruck West bis Zirl Ost auf der A12 baulich überhaupt möglich ist“, betont der NEOS-Mandatar. Bisher seien nämlich keine durchgehenden Pannenstreifen vorhanden.

Auch die Gemeinderatsliste „Für Innsbruck“ hat sich, wie berichtet, gegen einen „Ausbau der bestehenden Autobahn mitten in den Wohngebieten“ ausgesprochen und einen Verkehrsgipfel mit Bund, Land, Stadt und den umliegenden Gemeinden eingefordert. (TT)


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