Firmenkäufe erreichen neuen Höchstwert

Unternehmensberater Michael Rohrmair über steigende Firmenübernahmen, die häufigsten Fehler und auf den Markt drängende Chinesen.

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Von Hugo Müllner

2017 flossen bei 345 Unternehmenskäufen 14,7 Mrd. Euro – ein Plus von 37 Prozent im Vergleich 2016. Welche Gründe hat aus Ihrer Sicht der M&A-Boom?

Michael Rohrmair: Der Hauptgrund liegt in den Firmentransaktionen, also Firmen unter sich. Allerdings kann ein einziger großer Deal das Gesamtvolumen stark beeinflussen. Grundsätzlich haben Firmen genug Geld, um andere Firmen zu kaufen – diese B2B-Geschäfte nehmen stark zu, auch global. Der häufigste Grund für den Kauf von Firmen oder Firmenanteilen ist Expansion. Oft wird es als der effizientere Weg angesehen, im Ausland bereits bestehende Unternehmen aus derselben Branche zu kaufen, als „selbst Hand anzulegen“ und den Kundenstamm von Beginn an aufzubauen. Zudem wird häufig nicht nur nach einem Investor gesucht, der Geld zur Verfügung stellt, sondern spezifische Kompetenzen bzw. Know-how mitbringt.

„Die Firmen haben genug Geld, um andere Firmen zu kaufen. Diese B2B-Geschäfte nehmen stark zu.“ Michael Rohrmair (Beacon Invest)
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Was sind die häufigsten Fehler, die gemacht werden?

Rohrmair: Hinter einer gelungenen Unternehmenstransaktion stecken viel mehr psychologische Aspekte, als man vermuten mag. Dabei sind neutrale Vermittler bzw. Begleiter eine immense Hilfe. Ein weiteres Problem ist, dass es bei der Unternehmensbewertung unrealistische Vorstellungen auf der Verkäuferseite gibt. Aber auch eine lückenhafte Vorbereitung der Unterlagen kann eine mögliche Zusammenarbeit verhindern.

Welche Branchen sind am häufigsten nachgefragt?

Rohrmair: Das ist unterschiedlich, der Trend geht aber in Richtung Industriesektor. Was relativ schwierig ist, ist reiner Handel, weil beispielsweise die Margen oft klein sind – da schlägt zumeist ausschließlich die Konkurrenz bei einem Verkauf zu. Etwa zehn Prozent aller Unternehmen, die bei uns auf Investorensuche sind, sind Start-ups. Diese sind in erster Linie nicht unsere Zielgruppe – auch weil die Investoren aus unserem Investorenkreis etablierte Unternehmen präferieren. Mittlerweile lässt sich eindeutig beobachten, dass Investoren wieder mehr zu etablierten Unternehmen zurückkehren.

Die Chinesen drängen auf den europäischen Markt, auch nach Österreich?

Rohrmair: In Hinblick auf das Transaktionsvolumen ganz klar. In unserem Fall: Wir haben viel Kontakt mit chinesischen Investoren. Dabei geht es weniger um KMUs, sondern um sehr große Transaktionen. Der Fokus liegt auf Technologiezukäufen. Ebenfalls relevant sind Industrie und Energie.

Wird der Boom im M&A-Bereich anhalten?

Rohrmair: Ja, definitiv. Vor allem das Geschäft zwischen Österreich und Deutschland intensiviert sich. Dabei halten sich Transaktionen Österreich – Österreich und Österreich – Deutschland ziemlich die Waage. Generell wird auf europäischer Ebene alles viel internationaler. Es passiert immer seltener, dass österreichische Unternehmen nur am österreichischen Markt agieren.

In Österreich sind in den nächsten Jahren mangels Nachfolge Tausende Betriebe „auf dem Markt“.

Rohrmair: Die Nachfolgeproblematik betrifft immer mehr Unternehmen – insbesondere kleine Unternehmen. Unsere Zielgruppe sind Unternehmen, bei denen ein Transaktionswert ab drei Millionen Euro realistisch ist.


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