Vergessene Online-Welten: Das wurde aus StudiVZ, ICQ und Co.

Facebook und Instagram kennt und nutzt heutzutage so gut wie jeder. Aber was wurde eigentlich aus den alten Netzwerken wie StudiVZ, Uboot.com und ICQ? Ein Überblick über die vergessenen Internet-Dienste.

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StudiVZ war vor langer Zeit die Online-Community für Studenten in Österreich und Deutschland.
© Ennemoser-Arican

Von Tjara-Marie Boine

Innsbruck — Heutzutage bieten Apps auf dem Smartphone alles was man braucht. Man ist durch WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram und Co. so gut wie immer und überall zu erreichen. Zum Musikhören werden Spotify oder Apple Music genutzt und Informationen werden in Sekundenschnelle mit Google gefunden. Aber was war eigentlich in der Zeit vor dem Smartphone? Wir haben uns auf die Suche nach den vergessenen Internet-Diensten gemacht.

AltaVista

AltaVista gehörte in der Zeit vor Google zu den bekanntesten Suchmaschinen. Als sie 1995 gegründet wurde, war sie ein Pionier. Schon zu Beginn konnten 20 Millionen Websites durchsucht werden, eine beachtliche Zahl zur damaligen Zeit. Drei Jahre später, im Jahr 1998, begann dann der Abstieg der Suchmaschine, als die Betreiber versuchten, sie mit einem neuen Konzept zu betreiben — sie sollte ein Portal werden, das neben der Suche auch Einkaufsangebote oder Nachrichten im Programm haben sollte. Nach mehreren Verkäufen landete AltaVista 2003 bei Yahoo. Zehn Jahre später wurde die Website eingestellt.

So sah Altavista im Jahr 1996 aus.
© Screenshot/Internet Archive

ICQ

ICQ entstand als ein Produkt israelischer Programmierer. Der Dienst ging 1996 online und gilt als der erste Instant-Messaging-Dienst überhaupt. ICQ ist die Abkürzung für „I seek you" (zu Deutsch: „Ich suche dich") und war Vorbild für viele andere Messaging-Dienste. Er wurde schnell bekannt und viel genutzt, da es vorher keine vergleichbaren Dienste gab und er zudem kostenlos war. Jeder Nutzer erhielt eine persönliche Nummer, mit der man Freunde finden und hinzufügen konnte. 1998 kaufte das Medienunternehmen AOL den Dienst für 407 Millionen US-Dollar. Danach explodierte ICQ förmlich, zur Jahrtausendwende hatte der Dienst weltweit mehr als 100 Millionen Nutzer. 2010 waren es nur noch elf Millionen. ICQ ist immer noch nutzbar, sowohl auf dem Computer, als auch als App.

Jamba

Der Crazy Frog, das tanzende lila Nilpferd, Sweetie und der Hase Schnuffel — die Liste der Klingeltöne bei Jamba war lang. Zu jedem dieser Töne gab es das passende Video, das im Musikfernsehen in Dauerschleife lief. Alleine im Jahr 2003 gaben die Menschen in Deutschland 183 Millionen Euro für Klingeltöne und Co. aus. Man könnte meinen, in Zeiten von Millionen kostenlos verfügbaren Apps wären Seiten, die Spiele und Klingeltöne verkaufen, überflüssig, aber: Jamba und seine Sparabos gibt es immer noch.

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MSN

Der Microsoft-Dienst MSN war wohl der größte Konkurrent von ICQ und erschien bereits 1999. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges hatte der Messaging-Dienst um die 300 Millionen Nutzer weltweit. Vor allem bei Jugendlichen war der Dienst sehr populär. Sechs Jahre nach der Gründung wurde er in Windows Life Messenger umbenannt und im April 2013 komplett eingestellt.

MySpace

Vor nicht einmal zehn Jahren war das soziale Netzwerk MySpace eine der meist genutzten Websites in den USA. Gegründet wurde die Plattform bereits 2003 von Tom Anderson und Chris DeWolfe. Anderson war gut in der Musikszene vernetzt und versuchte Musiker und Bands dazu zu bewegen, sich einen Account zu machen. Das Prinzip funktionierte gut, zwischenzeitlich hatte die Seite bis zu 230.000 neue Mitglieder pro Tag. Fünf Jahre nach der Gründung zählte man 76 Millionen Nutzer weltweit. Das Ende kam dann jedoch schnell: Mit der Gründung von Facebook wurde die Plattform immer weniger genutzt. Die MySpace-Seite gibt es heute immer noch, es dient aber weniger als klassisches soziales Netzwerk als früher.

So sieht die Myspace-Website heute aus.
© Screenshot/Myspace.com

Napster

Ab 1999 machte Napster das Musik-Filesharing völlig ungeachtet der Rechtslage zu einem weltweiten Phänomen und etablierte das Audioformat MP3. Der Dienst kostete die Musikindustrie immensen Umsatz, weshalb sich diese juristisch mit aller Kraft wehrte. Kurz vor seinem Ende im Februar 2001 hatte der Dienst weltweit 80 Millionen Nutzer. Nach der Insolvenz wurde der Markenname mehrfach weiterverkauft, mittlerweile ist Napster ein kostenpflichtiger Musikstreaming-Dienst.

Sms.at

Was heute WhatsApp ist, war früher sms.at. Mit dem Dienst ließen sich Gratis-SMS versenden. Auf dem Gipfel des Erfolgs der 2000er-Jahre nutzten mehr als zwei Millionen Österreicher monatlich den Online-Dienst. Die Seite ist bis heute nicht vom Bildschirm verschwunden. Nach eigenen Angaben zählt sms.at heute noch 100.000 Nutzer pro Monat.

Facebook und Co. reduzierten die Nutzerbasis von sms.at zwar stetig, die Seite gibt es jedoch immer noch.
© Screenshot/sms.at

StudiVZ.net

Bevor Facebook populär wurde, traf man sich mit seinen Freunden auf StudiVZ (kurz für Studiverzeichnis). Gegründet wurde die Seite im November 2005 in Deutschland und war eigentlich als eine Online-Community für Studenten gedacht. Die Plattform entwickelte sich jedoch weit über ihre Zielgruppe hinaus. Deshalb wurden bald zwei Ableger gestartet: SchülerVZ und MeinVZ. Lange Zeit feierten die VZ-Betreiber großen Erfolg. Zu Spitzenzeiten brachten es die drei Seiten auf rund 17 Millionen aktive Nutzer. Man konnte seine Freunde finden, Gruppen beitreten, Fotos hochladen, Nachrichten verschicken und „gruscheln" — eine Mischung aus grüßen und kuscheln. Als dann Facebook 2008 auf dem deutschen Markt startete, begann der rasante Abstieg der VZ-Seiten. Die einst so belebte Plattform gibt es zwar immer noch, laut Betreibern sind aber nur noch um die 600.000 Mitglieder registriert.

Das Design von StudiVZ erinnerte teilweise stark an das von Facebook.
© Screenshot/Studivz.net

Tirolchat.at

Der Tirolchat war eine Online-Community, bei der die Nutzer einen virtuellen Charakter erhielten und in einer virtuellen Gemeinde lebten. Die Plattform wurde 2015 von den Betreibern eingestellt. Wenn man die Seite heute besucht, wird man mit einem Hinweis auf die Facebook-Fanseite weitergeleitet. Die hat immerhin noch 299 Likes.

Tirolchat war jahrelang die Community für Jugendliche aus ganz Tirol.
© Screenshot/Tirolchat.com

Uboot.com

Von 1999 bis 2013 bestand die Online-Community Uboot.com. Nach ihrer Gründung zählte die Website nach eigenen Angaben bis zu sechs Millionen registrierte Nutzer in Österreich, Deutschland, Großbritannien und der Schweiz. Sie gehörte zeitweise zu den am schnellsten wachsenden Jugend-Communities. Auf der Website fanden sich auf der eigenen Profilseite unter anderem ein Gästebuch, eine Freundesliste, Foto- und Videoalben und Chatmöglichkeiten. Im Jahr 2011 begannen die Nutzerzahlen zu sinken, zwei Jahre später wurde die Website dann eingestellt.


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