„Natura e caos“: Dystopische Idyllen des dritten Millenniums
Im Fotoforum loten seit gestern vier italienische Fotografen das Verhältnis von Natur und Chaos aus.
Innsbruck –Es ist fast immer eine Natur, in der der Mensch bewusst eingreift. Nie die unberührte, sondern die konstruierte Landschaft, die die Fotos der gestern eröffneten Schau „Natura e caos“ repräsentieren. Für diese sehr persönlichen Interpretationen von der Natur heute hat sich das Fotoforum Innsbruck Annamaria Belloni, selbst Fotografin, als Kuratorin eingeladen. Die Kulturschaffende aus Piacenza lud dafür wiederum vier italienische Fotografenkollegen ein, die sich auch aufgrund der Verschiedenheit ihrer Themen ein weites Spektrum an Herangehensweisen entwerfen.
Auffällig sind die kontrastreichen Arbeiten von Stefano Parrini: In der Reihe „Land Market“ karrt der Fotograf einen Einkaufswagen in die freie Natur für jene tragisch-ironischen und teilweise überinszenierten Motive, die den Eingriff des Menschen in die Natur wohl am kritischsten beäugen.
Um den Kapitalismus schert sich die gegenüberliegende Serie an kleineren Formaten von Sofia Media nicht. In „Piante Serrate“ zeigt sie die Natur im Inneren, versperrt hinter Glas. Die hochwertigen Prints suggerieren dabei eine fast haptische Qualität, referieren an vielen Stellen an klassische Landschaftsmalerei auf Leinwand.
Im zweiten Raum, beim Turiner Pierluigi Fresia, wird die Natur in Form von ruhigen, melancholisch anmutenden Landschaftsaufnahmen repräsentiert, bei denen mittig gesetzte Schriftzüge den Anfang oder das Ende einer Geschichte formulieren. Eine Referenz an das Kino ist hier unabstreitbar. Aber von Chaos wenig zu sehen. Ganz anders die Arbeiten von Margherita Del Piano, welche Blüten und Gräser an einem bestimmten Ort zeigt. Die eingefrorene, konservierte Natur ist Chaos und Ordnung zugleich. Ein natürliches Chaos haben alle Fotografien wohl allesamt inne, auch wenn manche Idyllen schon ins Dystopische kippen. (bunt)
Kommentare