Quadratisch, pragmatisch, Vollblut

Einen kleinen Offroader zum vertretbaren Preis anzubieten, ist eine automobile Kunst: Suzuki beherrscht sie weiterhin wie kein anderer – das beweist die neueste Generation des kantigen Jimny.

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Ab 17.990 Euro bietet Suzuki den neuen Jimny an – die ersten Vorführwagen sind bereits Richtung Händler unterwegs.
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Von Markus Höscheler

Frankfurt –Der Zeitgeist ruft nach coupéförmigen Sport Utility Vehicles und Cross­overs – aber Suzuki hört nicht hin. Der japanische Hersteller weigert sich ganz offensichtlich, leicht bekömmliche Dutzendware mit hoher Sitzposition anzubieten. Er setzt im Falle des Jimny auf kleine Dimensionen, robuste Technik, bunte Optik und akzeptable Tarife. Dem Design­team war es nach einigen internen Diskussionen verwehrt, in Weichzeichnerei zu verfallen; Es sollte die Optik des bisherigen Erfolgsmodells fortsetzen. Das heißt: kastenartiges Aussehen im Stil einer Mercedes-G-Klasse oder eines Land Rover Defender, allerdings in Miniaturform. Der Dreitürer kommt auf eine Länge von nur 3,65 Metern, das hinten befestigte Ersatzrad berücksichtigt. Bescheiden tritt der Jimny auch bei der Berücksichtigung anderer Dimensionen auf: Sein Eigengewicht beträgt 1,1 Tonnen, mehr als vier Sitzplätze offeriert er nicht, das Ladeabteil fasst netto 85 Liter, brutto sind es 830 Liter.

Unbescheiden wird der Jimny dann, wenn es um seine fahrerischen Talente geht: Sein Wendekreis von 9,8 Metern macht ihn off- wie onroad recht offen für Richtungswechsel. Noch mehr gilt dies für Niveauveränderungen: Dank zuschaltbarem Allrad und aktivierbarer Untersetzung sowie einer Bodenfreiheit von mindestens 210 Millimetern behauptet sich der Jimny auf Abwegen. Starke Steigungen, unter Wasser gesetzte Forstwege, schlammige Abschnitte – sie alle bewältigt der kleine Hartgesottene mit Bravour, auch dank des installierten 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziners mit 102 PS. Das bestätigen unsere ersten Fahreindrücke, die wir in einem Privatforst in Hessen sammeln durften. Einzig gewöhnungsbedürftig war die etwas hakelige Fünfgang-Handschaltung (alternativ gibt es eine Vierstufenautomatik).

Mag das maximale Drehmoment von 130 Newtonmetern (ab 4000 Touren) zunächst Sorgen bereiten, zeigt die Untersetzung, dass die ausgewählte Technik bestens mit den Herausforderungen im Gelände umgehen kann. Die Lenkung agiert dabei leichtgängig, das Fahrwerk federt vieles, aber nicht alles ab: Leiterrahmen und Starrachsen sind Garanten für Stabilität, nicht für den größten Komfort. Gleichwohl schlägt sich der Jimny auf der Autobahn wacker, wenngleich hohe Drehzahlen im fünften Gang und somit das Ausreizen der Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h die Trommelfelle der Insassen über Gebühr belasten.

Dem befürchteten Ohrenleiden sind jedoch die Reize für den Sehsinn gegenüberzustellen: Der kantige Auftritt, gepaart mit dem Fünf-Lamellen-Kühlergrill, den ausladenden Radhäusern, dem Unterfahrschutz und der steil aufragenden Windschutzscheibe macht den neuen Jimny zu einem unwiderstehlichen Blickfang. Unterstützend wirkt hierbei die Farbenpalette, die das poppige „Kinetic Yellow“ und das forsttaugliche „Jungle Green“ umfasst. Handgriffe auf der Beifahrerseite erinnern an die zahlreichen Jimny-Vorgänger, ansonsten schlagen sich zahlreiche Innovationen im Innenraum nieder: Brauchbar sind etwa ein Multifunktionslenkrad, das 4,2-Zoll-LCD-Multinfo-Display und die kratzresistente Armaturentafel. Großzügig fällt der Sieben-Zoll-Touchscreen für die 3D-Navigation aus, Bluetooth und USB sind Annäherungen an die sonst kritisch beäugten Anforderungen des Zeitgeists. Eine Klimaautomatik und LED-Scheinwerfer belegen zudem die Bereitschaft Suzukis, das Komfort- und Sicherheitsniveau im Jimny zu erhöhen.

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Dieses Entgegenkommen gilt nicht für die Freunde von Dieselaggregaten: Erstens bleibt der Jimny beim Ottomotor, zweitens gibt es in naher Zukunft allenfalls eine Öffnung für alternative Antriebe (Hybrid, Plug-in-Hybrid oder gar Elektro). Der einzig angebotene Benziner benötigt am Prüfstand 6,8 Liter Treibstoff je 100 Kilometer (CO2-Ausstoß: 181 g/km nach WLTP). Nebenbei zeigt Suzuki dem Selbstzünder in allen Baureihen die Rote Karte, also auch im Vitara und im SX4 S-Cross. Offiziell startet der Verkauf des Jimny im Oktober, beginnend mit einem Preis von 17.990 Euro. Die Pure-Ausstattung enthält eine manuelle Klimaanlage, ein CD-Radio und 15-Zoll-Stahlfelgen sowie Berganfahrhilfe und Bergabfahrhilfe. Elektrische Fensterheber, Sitzheizung vorne und im Verhältnis von 50:50 umklappbare Rücksitzlehnen gibt es mit Clear ab 19.990 Euro. Und Flash darf ab 21.490 Euro mit Klimaautomatik, LED-Scheinwerfern sowie 15-Zoll-Alufelgen glänzen.


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