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Neuer Wald: Fichte raus, Tanne rein

Die Fichte ist ein „Flachwurzler“, der im Zuge des Klimawandels verdurstet. Im Bezirk Landeck werden gesunde Wälder mit Tannen und Laubbäumen aufgebaut. Forstinspektion startet bezirksweites Großprojekt.

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Die Tanne ist rar, zwei Drittel aller Bäume im Bezirk Landeck sind Fichten.
© Wenzel

Von Helmut Wenzel

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Landeck, Zams, Fließ –Ein Waldspaziergang macht stutzig: Braune Nadeln rieseln von dürren Ästen herab. Im niederschlagsarmen Oberinntal bzw. Obergricht sind immer mehr ausgetrocknete und damit abgestorbene Fichten zu finden. Experten bestätigen derartige Beobachtungen, etwa Peter Hauser und Harald Maynollo von der Bezirksforstinspektion Landeck sowie Pepi Hammerl, Obmann der Agrargemeinschaft Zams.

„Die Fichte leidet unter Trockenstress und verdurstet wie im jüngsten Sommer“, weiß Hauser. Weil sie ein so genannter Flachwurzler ist, erweise sie sich in Zeiten des Klimawandels als wenig resistent. Die Tanne hingegen ist laut Hauser ein „Tiefwurzler, der auch in trockenen Zeiten noch zu Wasser kommt“.

Nach dem Tannenzapfen-Abstreifen werden keimfähige Samen im Landesforstgarten eingepflanzt, um die Wälder mit einer halben Million Jungbäumen bestücken zu können.
© Geiger

Rund 80 Prozent aller Wälder im Tourismusbezirk haben eine Schutzfunktion für Siedlungsräume. Und zwei Drittel aller Bäume sind Fichten. Das restliche Drittel besteht u. a. aus Laubhölzern, Tannen, Zirben und Kiefern.

Vor diesem Hintergrund starten Bezirksforstinspektion (BFI) und Tiroler Waldpflegeverein ein langfristiges Mega­projekt. Mit im Boot ist die Initiative „KLAR! Kaunergrat“ (Klimawandelanpassungsregion) mit Koordinatorin Ulrike Totschnig.

Hauser bringt das Projektziel auf den Punkt: „Die Fichte muss ausgetauscht werden. Die Tanne, aber auch Laubhölzer wie zum Beispiel die Eiche können trockene Zeite­n besser überstehen.“

Pepi Hammerl, Peter Hauser und Harald Maynollo (v. l.) erläutern das Großprojekt.
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Der flächendeckende Austausch bzw. die Waldverjüngung beginnt auf rund 100 im ganzen Bezirk ausgewiesenen Referenzflächen in mittelhohen Lagen, jeweils 500 bis 1500 Quadratmeter groß. Die Waldstücke werden eingezäunt und mit Jungtannen bepflanzt. Zäune sind nötig, um den Jungwald vor Wildverbiss zu schützen. „Wenn wir das nicht tun, sind die kleinen Bäume in kürzester Zeit weggefressen“, sagen die Forstexperten. Zudem habe die Tanne den Vorteil, dass sie 25 Prozent mehr Holzmasse als die Fichte hat.

Bis zu einer halben Million Jungtannen sollen bezirksweit eingesetzt werden. Diese kommen aus den Tiroler Landesforstgärten in Stams und Nikolsdorf. Erster Schritt des „Zuchtprogramms“ war kürzlich die Ernte von 750 Kilo Tannenzapfen aus einem Wald bei Niedergallmigg (Gemeinde Fließ). Aus den Tannenzapfen konnte genügend keimfähiges Saatgut abgestreift werden.

Eine Referenzfläche für Weißtannen hat die Zammer Agrargemeinschaft mit Obmann Hammerl bereits vor 17 Jahren eingerichtet. Er resümiert: „Damals war Klimawandel kaum ein Thema. Inzwischen haben wir gesehen, dass sich ein Tannenwald in halbschattigem Gelände gut entwickelt, wenn er nicht dem Wildverbiss ausgesetzt ist.“

Die Initiative „KLAR! Kaunergrat“ ist ebenfalls von der Notwendigkeit des „außergewöhnlichen Zukunftsprojekts“ überzeugt, wie Totschnig hervorhob: „Es geht um unseren Wald, der klimafit gemacht werden muss. Sterbende Fichtenwälder bescheren uns außerdem noch größere Borkenkäferprobleme.“

Das Projekt ist eine Initiative im Rahmen der Tiroler Klimastrategie aus dem Jahr 2014. Wobei im Bezirk Land­eck der Waldbestand und die Bodenbeschaffenheit bereits untersucht wurden. „An dieser Zukunftsstrategie führt kein Weg vorbei“, hoben die Forstexperten hervor, die sich über Beschäftigungsmangel in den nächsten Jahrzehnten nicht beklagen können.

Zudem hoffe man auf Verständnis bei den Waldbesitzern „für die Notwendigkeit dieses Aktionsplanes“.


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