Kritik an Empfang

Erdogan in Berlin: Auch Merkel bleibt Staatsbankett fern

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.
© APA/AFP/JOHN MACDOUGALL

Anders als in vergangenen Jahren wird der türkische Präsident in Berlin mit militärischen Ehren und einem Staatsbankett empfangen. Das Bankett wird jedoch von beinahe der gesamten Opposition boykottiert. Nur Erdogan-Kritiker Cem Özdemir möchte mit seiner Teilnahme ein Zeichen setzen. Und nun sagte auch die deutsche Kanzlerin ab.

Berlin – Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt nicht an dem Staatsbankett für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Schloss Bellevue teil. Das bestätigte das Bundespresseamt am Montag, zuvor hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ darüber berichtet. Das Bankett findet am Freitagabend auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier statt.

Mehrere Oppositionspolitiker sagten ihre Teilnahme an der Veranstaltung aus Protest gegen die Politik des türkischen Präsidenten ab. Erdogan wird vom 27. bis 29. September Deutschland besuchen.

Erdogan-Kritiker Özdemir will teilnehmen

Anders als andere Oppositionspolitiker nimmt hingegen der frühere deutsche Grünen-Chef Cem Özdemir seine Einladung zum Bankett an. Zwar stehe außer Frage, dass Erdogan ein solches Staatsbankett nicht verdient habe, sagte er dem Tagesspiegel (Montag).

Mit seiner Teilnahme erhoffe er sich aber, ein Signal sowohl in die Türkei als auch in die deutsch-türkische Gemeinschaft zu senden, das klarmache: „Die Opposition in Deutschland gehört zur Politik dieses Landes dazu, wir sind ein fester und notwendiger Bestandteil unserer Demokratie.“ Er fügte an, auch ein noch so mächtiger Präsident könne diesen Regeln nicht entgehen. „Er muss mich, der für die Kritik an seiner autoritären Politik steht, sehen und aushalten.“

Özdemir warnte vor einer Charmeoffensive Erdogans, die wirtschaftliches Kalkül sei. „Die Kanzlerin (Angela Merkel, Anm.) muss Erdogan deutlich machen, dass der deutsche Rechtsstaat sein despotisches Verhalten nicht toleriert und nicht akzeptieren wird, dass Erdogan Konflikte nach Deutschland holt und hierzulande ein Spitzel- und Denunziantensystem aufbaut.“

Chefs von FPD, Grünen, Linke und AfD sagten ab

Zuvor hatte unter anderem FDP-Chef Christian Lindner mitgeteilt, er schlage die Einladung ins Berliner Schloss Bellevue aus, weil er „nicht Teil von Erdogan-Propaganda“ sein wolle. Auch die Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck sowie die Grünen-Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter haben abgesagt. Ebenfalls nicht beim Bankett von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dabei sein wollen der außenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Bijan Djir-Sarai, Linken-Fraktionsvize Sevim Dagdelen sowie von der AfD die Fraktionschefs Alexander Gauland und Alice Weidel, Co-Parteichef Jörg Meuthen und Fraktionsgeschäftsführer Bernd Baumann.

Erdogan kommt vom 27. bis 29. September zu seinem ersten Staatsbesuch nach Deutschland. Dazu gehören anders als bei früheren Arbeitsbesuchen ein Empfang mit militärischen Ehren und ein Staatsbankett. (TT.com/APA/dpa)

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