46 Tote im Sommer: Tirol bei Alpinunfällen trauriger Spitzenreiter
Seit Mai sind in den Tiroler Bergen 46 Menschen gestorben. Die Bergrettung verzeichnete im Sommer zehn Prozent mehr Einsätze als im Vorjahr.
Innsbruck – Bei den tödlichen Alpinunfällen bleibt Tirol trauriger Spitzenreiter. In den Bergen sind von 1. Mai bis 23. September insgesamt 46 Menschen gestorben. Im Sommer des Vorjahres waren es 43 Menschen. Die Bergrettung verzeichnete also zehn Prozent mehr Einsätze. „Wenn es so weiter geht, wird es relativ schwierig zu bewältigen“, meinte Peter Veider, Geschäftsführer der Bergrettung Tirol. Er mahnte einmal mehr passende Ausrüstung am Berg ein und plädierte dabei speziell an die Trailrunner, die oftmals nur mit leichter Bekleidung und Laufschuhen in großen Höhen unterwegs sind. „Ein Wetterumschwung ist aber schnell passiert“, so Veider.
Deutlich unter dem Zehnjahresmittel
Österreichweit sind in der heurigen Sommersaison (1. Mai bis 23. September) mit 116 Toten die wenigsten Alpintoten der vergangenen zehn Jahre zu verzeichnen gewesen. „Less bad news are good news“, kommentierte Karl Gabl, Präsident des Kuratoriums für Alpine Sicherheit, den „anhaltenden Trend zu weniger Bergtoten“ am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.
Das Zehnjahresmittel in der Sommersaison liege bei 136 Toten, auch da sei man heuer deutlich darunter, so Gabl. Und dies, obwohl im heurigen Sommer aufgrund des schönen und trockenen Wetters sehr viele Menschen auf den Bergen unterwegs gewesen seien. „Wir hatten einen so starken Sommer wie noch nie“, merkte Norbert Zobl, Leiter der Tiroler Alpinpolizei, an. Lediglich in der Steiermark sei mit 24 Alpintoten ein „riesen Zuwachs“ von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (13 Alpintote) zu verzeichnen gewesen, sagte Gabl, der sich diesen Anstieg jedoch auch nicht erklären konnte.
Die meisten der Verunfallten, dazu zählen Tote und Verletzte, stammen, wie auch schon in den Vorjahren, aus Österreich und Deutschland. 44 Prozent der Verunfallten waren Österreicher und 39 Prozent Deutsche. Knapp die Hälfte aller 1995 Verunfallten verletzten sich beim Wandern. 59 Prozent der Alpintoten starben beim Bergwandern. Die Hauptunfallursachen sind Stürze, Stolpern und Ausrutschen, gefolgt von Herz-Kreislaufversagen.
Mehr Verunfallte beim Mountainbiken
Der Trend zu mehr Verunfallten beim Mountainbiken hielt auch im Sommer 2018 an. Mit 510 Verunfallten liege man deutlich über dem Zehnjahresmittel von 359. Fast die Hälfte aller Mountainbikeunfälle passiere jedoch in Bike-Parks und auf Trails. „Das zeigt, dass eine richtige Ausbildung ganz entscheidend ist. Man muss sich Gedanken machen, ob die gewählte Strecke auch zum eigenen Können passt“, betonte Zobl. Der E-Bike Anteil bei den Unfällen sei mit vier Prozent relativ gering.
Die Anzahl an Unfällen auf Gletschern sei, trotz deren Abschmelzen, relativ stabil. „Es schwankt zwischen zehn und 20 pro Jahr. Es gibt aber keinen Trend zur Zunahme“, sagte Gabl. Gletschertouren würden durch das Abschmelzen aber zunehmend komplexer werden. „Es ist mehr und mehr eine Herausforderung, die richtige Taktik zu wählen. Man muss sich sehr gut überlegen, wo man hingeht und ob man mit oder ohne Seil unterwegs ist“, erklärte Zobl. Auch der Steinschlag stelle eine zunehmende Gefahr dar. (TT.com, APA)