Tausende zogen durch das Haus der Musik
Publikumsansturm bei einem rauschenden Wochenende mit Schauspiel, Konzerten, klingenden Kostproben und dem Eröffnungsfest des Tiroler Landestheaters.
Von Ursula Strohal
Innsbruck – Kurz durchatmen nach dem offiziellen Festakt Samstagvormittag zur Eröffnung des Hauses der Musik Innsbruck, dann öffneten sich Türen und Tore für das Publikum. Zumindest zum Saisoneröffnungsfest des Tiroler Landestheaters, denn der Ansturm der Erlebnisbegierigen auf den neuen Kulturtempel gleich nebenan war so gewaltig, dass jeweils nur Gruppen eingelassen und auf einem Parcour durchs Haus geleitet werden konnten.
Während die Künstler des Theaters den Schleier des Spielplans lüfteten und Mutige ins Labyrinth des Grauens eintauchten, begaben sich am Samstag rund 5000 Menschen im Haus der Musik ins Labyrinth aus Laufmetern, Sälen, Licht und Klang. Denn überall war durch Gesang, Instrumentalmusik und Tanz zu vernehmen, wer die fünf Stockwerke besiedelt hat: das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck (TSOI), für das dieses Quartier ja ursprünglich angedacht ist, das Landestheater, das schon an diesem Eröffnungswochenende mit viel Schauspiel demonstrierte, wie intensiv man die Bühnen und Säle bespielen wird – ein Haustitel gebührte auch den neuen Kammerspielen –, die Festwochen der Alten Musik, Meister- und Kammerkonzerte, Musikwissenschaft der Universität, Mozarteum, Konservatorium, Blasmusikverband, Sängerbund und Volksmusikverein. Dazu kommt die öffentliche Gemeinschaftsbibliothek. Überall strömten Menschen durch, erlebten die Transparenz des Baus und bewunderten die Ausblicke auf die Stadt. Der Andrang war so groß, dass am Sonntag ab 6 Uhr Früh Führungen angesetzt und die Einlasskontingente erhöht wurden (weitere Führungstermine unter www.haus-der-musik-innsbruck.at).
Einzigartig ist das Saalerlebnis. Die Ausführenden agieren vor der Fensterwand (großer und kleiner Saal sind aber variabel bespielbar), bei offenen Jalousien wie eingebettet in saftiges Grün, der Wind bewegt sacht Äste und Blätter, dahinter die Hofburg. Holzlamellen wärmen und tragen den Klang, das Eröffnungskonzert des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck zeigte die Vorzüge der akustischen Ausstattung. Sie unterstützt die Musiker bei einer transparenten Instrumentierung, nicht aber, wenn es dichter und lauter wird. Tags darauf beim Landesblasorchester klappte es vorzüglich, denn hinter den Wandlamellen warten freizulegende, dämpfende Vorgänge. Die Bühne wird übrigens künftig zu erhöhen sein.
Das TSOI gab nach einer virtuosen Fanfare von Robert Zorn mit Eröffnungsmusiken – Ouvertüren – zu „Barbier von Sevilla“, „Genoveva“, „Mignon“ und „Don Giovanni“ sowie der „Carmen“-Suite Einblicke in den Spielplan. Spektakulär dabei waren die Auftritte der beiden künftigen Chefdirigenten des Landestheaters, Lukas Beikircher und Kerem Hasan. Weiters dirigierten Hansjörg Sofka, Seokwon Hong und Tommaso Turchetta. Der hochbegabte 14-jährige Marton Bubeg faszinierte mit Jacques Iberts höchst anspruchsvollem Concertino für Saxophon.
Eine schier unglaubliche Talentekonzentration war Sonntagmittag beim Auftritt des Landesblasorchesters Tirol unter der fabelhaften Dirigentin Andreja Solar zu erleben. Die vorwiegend jungen Musikanten bewältigten in professioneller Qualität und grandioser Musikalität ein besonders anspruchsvolles Programm. Nach einer Fanfare von Buxtehude Rimski-Korsakows „Sheherazade“, arrangiert für Bläserorchester und mit dem berückenden Ton von Martin Yavryans Geigensolo, zwei Sätze aus James Barnes Third Symphony sowie mitreißend Unterhaltendes etwa von Avsenik und Strauß, alles gewohnt souverän moderiert von Peter Kostner: Blasmusikverband, Mozarteum und Konservatorium in beispielhafter Kooperation.