Kufsteiner Transitlager wird abgebaut, Stadt kaufte Areal

Für das Flüchtlings-Versorgungsquartier gebe es keinen Bedarf mehr, heißt es vom Bund. Die Stadtwerke Kufstein sind neuer Grundstückseigentümer.

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Von Jasmine Hrdina

Kufstein, Innsbruck –Es sollte eine eiserne Reserve für den Fall sein, dass Tirol noch einmal mit einem Flüchtlingszustrom wie in den Jahren 2015/16 konfrontiert würde. Nun aber steht fest: Das Transitlager in Kufstein wird aufgelassen. Über die Nachnutzung des Areals entscheidet der neue Grundstückseigentümer: Das sind seit knapp zwei Wochen die Stadtwerke Kufstein.

Noch vor einem Jahr hielt man an dem Hilfslager an der tirolerisch-bayrischen Grenze fest. Der damalige Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) meldete Bedarf aufgrund des „anhaltenden Zustroms von Menschen aus Afrika und Asien nach Europa sowie der fragilen Lage in der Türkei“. Etwas mehr als ein Jahr später heißt es nun von Seiten des Pächters – dem Land Tirol –, man würde den Vertrag für das 12.000 Quadratmeter große Grundstück nördlich des Kufsteiner Bahnhofs im Jahr 2020 auslaufen lassen. Der Bund als Entscheidungsträger hätte „keine Notwendigkeit erkannt“. Für die mit 700.000 Euro bezifferten Holzhallen, in denen bis zu 300 Menschen Platz finden, gebe es Überlegungen für eine Weiterverwendung in Innsbruck. In Diskussion stehe demnach, die Hallen als Betriebswerkstätte des Landes oder als Katastrophenlager in der Trientlgasse/Valiergasse zu nutzen, heißt es aus dem Landhaus.

Seit April 2016 sind die Türen der beiden Häuser fest verschlossen, die monatlichen Mietkosten von 7730 Euro flossen weiter an den Grundstückseigentümer. Seit 1. Oktober sind das nun die Stadtwerke Kufstein. Die städtische Gesellschaft hat ein insgesamt 15.600 Quadratmeter großes Areal für 3,1 Millionen Euro gekauft, wie BM Martin Krumschnabel auf Nachfrage der TT bestätigt. Was nach Ende des Pachtvertrags mit dem Grundstück passiert, sei noch offen, so der Stadtchef. „Wir bzw. die Stadtwerke haben dieses Grundstück als strategische Reserve angekauft.“ Bei Bedarf hätte man somit eine Möglichkeit für Grundtäusche, auch wolle man prüfen lassen, ob sich der Standort für die Neuansiedelung des Bauhofs eigne.

Konfrontiert mit den Plänen des Landes zeigte sich Krumschnabel jedenfalls überrascht, das Land sei damit noch nicht an die Gemeinde herangetreten. „Kufstein war von der Lage her prädestiniert, um die Menschen nach Deutschland weiterzubringen.“ Ob das Grundstück im Falle einer erneuten „Flüchtlingswelle“ noch verfügbar wäre, sei fraglich, so Krumschnabel, der sich damit aber „nicht als Standort bewerben will“. Die Entscheidungen zum Thema Migration würden ohnehin auf anderen Ebenen getroffen.

Die Zahlen flüchtender Menschen, die Österreich erreichen, gehen weiterhin zurück. An den Grenzkontrollen will aber neben den bayrischen Nachbarn und einigen EU-Ländern auch Österreich weiterhin festhalten. Ein Antrag zur Verlängerung – am 11. November würden die Grenzkontrollen in Österreich auslaufen – wurde bereits bei der EU-Kommission eingebracht.

95.000 Flüchtende passierten vom September 2015 bis April 2016 die Grenze bei Kufstein. Auf ihrem Weg Richtung Norden wurden sie neben den Transitlagern in Innsbruck auch in Erl und Kufstein versorgt. An Spitzentagen machten in der Festungsstadt bis zu 1700 Menschen Halt. 2,6 Millionen Euro (inklusive Betriebskosten, Security, Instandhaltung etc.) wendete das Land Tirol in Summe für den Standort Kufstein auf – dieser Betrag wurde vom Bund zur Gänze refundiert.


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