„Gespräche mit Astronauten“ in Graz: Neurosengarten der Au-Pair-Mamas

Graz (APA) - Das vor acht Jahren in Mannheim uraufgeführte Stück „Gespräche mit Astronauten“ der deutschen Autorin Felicia Zeller ist erstma...

Graz (APA) - Das vor acht Jahren in Mannheim uraufgeführte Stück „Gespräche mit Astronauten“ der deutschen Autorin Felicia Zeller ist erstmals auch in Österreich über die Bühne gefegt. Unter der Regie von Suna Gürler legten Studierende der Kunstuniversität Graz am Freitag am Grazer Schauspielhaus eine beachtliche Ensembleleistung vor.

„Gespräche mit Astronauten“ handelt von den Leiden vierer osteuropäischer Au-Pair-Mädchen in Deutschland - im Stück treffend als „Knautschland“ karikiert. Für die geplagten Karrieremütter sind die Mädchen nichts anderes als billige Vollzeit-Halbsklavinnen, an denen sie ihre Neurosen und ihre unterdrückten Machtgelüste ungehemmt auslassen können.

Von der Form her eine eineinhalbstündige Wordrap-Lawine ist das Stück jedoch kein klassisches Jugend-Sozialdrama, sondern eine Art Collage aus einer Vielzahl von lose verknüpften Episoden. Das aus je vier männlichen und weiblichen Schauspielstudierenden der Kunstuni bestehende Ensemble ist über die volle Länge des Stücks vor allem physisch ständig gefordert.

Das liegt an der temporeichen Inszenierung von Suna Gürler und der knallharten Choreografie. Die ursprünglich acht Hauptrollen, ebenso wie die männlichen Randfiguren sind in einem bunten Geschlechtermischmasch besetzt. Die extrem dicht gesetzten Dialoge beruhen auf sorgfältigen Recherchen der Autorin und bestechen durch ihre offensichtliche Authentizität.

Der an sich furiose Sprachtornado, den Zeller über das Publikum rasen lässt, sorgt einerseits für atemberaubende Kurzweil. Auf die gesamte Stückdauer angewandt führt das trotz einiger weniger, vermutlich von der Regie gesetzter, Verschnaufstopps fast zwangsläufig doch zu einer gewissen Langatmigkeit.

Ein wenig exotisch bemerkbar macht sich außerdem die Beschreibung spezifisch deutscher Gesellschaftsmuster, die sich durch kleine Anpassungen - die Namen der Stadtcafes sind in der Grazer Inszenierung lokalkoloriert - nicht wirklich abgeschwächen lässt. Sehr stimmig das minimale, aber effektive Bühnenbild von Moira Gillieron.

(S E R V I C E - „Gespräche mit Astronauten“ von Felicia Zeller. In Kooperation mit dem Institut für Schauspiel der Kunstuniversität Graz. Regie: Suna Gürler; Bühne und Kostüm: Moira Guilleron, Dramaturgie: Martin Baasch. Mit Alida Bohnen, Berna Celebi, Sandra Katharina Eilks, Thilo Langer, Max Ranft, Annou Reiners, Lukas Schmidt und Viet Anh Alexander Tran. Weitere Termine: 16. und 31. Oktober, 16. und 24. November, jeweils um 20:00 Uhr im Haus zwei des Grazer Schauspielhauses. Infos und Karten: www.schauspielhaus-graz.com )


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