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Harte Ausbildung, weniger Kandidaten: Luft für Bergführer wird dünner

Immer mehr Menschen wollen sich am Berg führen lassen. Gut für Bergführer, doch der Verband ist in Sorge, weil starke Jahrgänge wegbrechen und zu wenige Junge die Ausbildung schaffen.

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© Span

Von Matthias Christler

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Innsbruck –Bergführer bewegen sich oft wortwörtlich auf einem schmalen Grat und manchmal auch sprichwörtlich. Sie sollen Sicherheit ausstrahlen und gleichzeitig Entertainer sein. Sie wollen Abenteuer bieten, aber ihre Kunden nicht in Gefahr bringen. Sie bieten ihre Dienste an einem höchst attraktiven Freiluft-Arbeitsplatz an, die Ausbildung dafür ist jedoch alles andere als ein Kinderspiel. Bergführer gilt für viele noch als Traumjob und gerade bei einem Traumwetter wie derzeit gibt es viel zu tun. Möglicherweise bald zu viel für die Zahl an Bergführern.

Der österreichische Berg- und Skiführerverband ist in Sorge, ob man in Zukunft die Nachfrage noch erfüllen kann. In der Schweiz schrillen schon die Alarmglocken. In Tirol hofft man noch, das Nachwuchsproblem in den Griff zu bekommen. „Bergführen boomt, dann ist das ganze Freeriden dazugekommen. Natürlich profitieren wir von dem Trend, dass sich die Leut­e sicher führen lassen wollen. Aber aus den starken Jahrgängen sind jetzt viele Bergführer in den 60ern, die gehen jetzt der Reihe nach in Pension“, sagt der Stubaier Robert Span, Vorsitzender des österreichischen Verbands.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: In Tirol sind derzeit ca. 800 staatlich geprüfte Berg- und Skiführer registriert. Span schätzt, dass die Hälfte aktiv ist – Tendenz gleichbleibend. Nicht die Zahl der Bergbegeisterten ist das Problem.

Etwa 100 Österreicher versuchen sich Jahr für Jahr an der Eignungsprüfung in den Kriterien Skifahren und -touren, Eisklettern, Sportklettern und Felsklettern. Danach bleiben nur noch 40 bis 50 übrig, die sich an die harte Ausbildung wagen. Der aktuelle Zyklus dauert von Sommer 2018 bis Sommer 2021 und beinhaltet insgesamt ca. 100 Ausbildungstage. Span verteidigt sowohl die Aufnahme- als auch die Ausbildungskriterien, deren „Latte international gleich hoch“ angelegt sei: „Der Bergführer ist der alpine Zehnkämpfer, er muss in keiner Disziplin absolute Spitze sein, aber die Kombination macht es so schwer“, sagt er.

Manche Interessenten hätten ein, zwei starke Disziplinen, etwa das Skifahren, dafür würden sich beim Klettern schwer tun. Oder umgekehrt: „Heutzutage beobachten wir, dass sich viele Quereinsteiger, die nicht über das Wandern und den Alpinismus kommen, für den Beruf interessieren. Die sind in der Kletterhalle groß geworden, klettern den achten Schwierigkeitsgrad, aber wissen nicht, was sie mit einer Spalte oben am Berg anfangen sollen. Denen fehlt dieses Fachwissen komplett.“

Aus diesen Gründen bleiben derzeit pro Jahr nur 20 bis 25 Österreicher übrig, die die Ausbildung abschließen; darunter sind höchstens 15 Tiroler. „Ein bisserl zu wenig“, fasst Span zusammen.

Bei den Bergführern wird die Luft immer dünner. Die strengen Aufnahmekriterien sind einer der Gründe. Daran rütteln will man aber nicht, weil es schließlich um die Sicher­heit am Berg geht. Mit Vorbereitungskursen will der Verband die Teilnehmer besser auf die Ausbildung vorbereiten.

Dass man sich heutzutage noch für den Beruf interessiert, ist nicht mehr so selbstverständlich. Früher, so Span, sei klar gewesen, dass der Sohn vom Hüttenwirt die Ausbildung macht und dass der Skilehrer nebenbei auch Bergführer ist. Ein wenig Imagepflege tut deshalb gut. Dabei hilft z. B. eine TV-Doku, wie sie derzeit bei Servus­TV auf Sendung ist (auch online abrufbar).

Demgegenüber stehen Berichte über Unglücke, nach denen sich Bergführer vor Gericht rechtfertigen müssen. Vor wenigen Tagen akzeptierte ein 45-jähriger Bergführer aus Deutschland eine bedingte Haftstrafe von acht Monaten wegen fahrlässiger Tötung. Bei einem Lawinenunglück im Aostatal waren im März 2017 drei Menschen – darunter Teilnehmer der vom Bergführer organisierten Tour – ums Leben gekommen.

Auch beim Unglück in Schmirn aus dem Vorjahr mit vier Todesopfern war der Bergführer einer Schweizer Gruppe in die Kritik geraten. Für Span sind solche Ereignisse allerdings nicht ausschlaggebend für die Nachwuchssorgen. „Jeder Beruf hat seine Vor- und Nachteile. Und der Umstand, dass man Verantwortung trägt, hält, glaube ich, niemanden davon ab.“ Die Vorteile überwiegen seiner Ansicht nach: „Es gibt schließlich nichts Besseres, wenn man als Beruf genau das tun kann, was man privat auch gerne tut. Bergführer zu sein, ist eine Berufung“, wirbt er für seine Zunft.


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