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Forschungsbauernhof in Imst: Getreideanbau, der Wissen schafft

Vor gut zwei Jahren entspross dem Schulterschluss von Land Tirol und Universität Innsbruck der erste und einzige „Forschungsbauernhof“. Die Genbank Tirol fühlt nun dem Wintergetreide auf den Zahn.

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Von Hubert Daum

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Imst –Aus einem Ideenpflänzchen wuchs vor gut zwei Jahren ein ausgewachsenes, in Tirol einzigartiges Projekt: der „Forschungsbauernhof“ in Brennbichl bei Imst. Ein Schulterschluss von Land Tirol und Universität Innsbruck mit dem Zweck, auf 3,2 Hektar Boden Leistungsversuche, Saatgutvermehrung, wissenschaftliche Studien und Experimente durchzuführen. Einen Schwerpunkt der Forschung und Experimente bildet die Verträglichkeit alter Sorten auf die neuen Klimaextreme wie Sommerdürre und Extremniederschlag.

Buchstäblich eine Spielwiese für die Genbank Tirol, neben jener in der Steiermark die einzige in Österreich und eine der umfangreichsten der Welt. Mit rund 1000 Saatgutproben hat die Landesinstitution einen ungeahnten Schatz zur Verfügung: „Wir könnten von den Saatgutkonzernen unabhängig sein“, so Andreas Tschöll von der Genbank, „im Prinzip haben wir in Brennbichl das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben.“ Bereits im ersten Jahr habe man Kartoffeln, Soja, Mais und 162 Getreidesorten zur Vermehrung von alten Landsorten angebaut. Die Erstvermehrung, die erst nach vielen Jahren nennenswerte Mengen abwirft, diene dazu, Vorstufensaatgut von regionalen Spezialitäten aus der Genbank für die Saatgutvermehrung zu produzieren.

Das traumhafte Wetter der letzten zwei Wochen spielte auch Christian Partl in die Karten. Der Leiter der Genbank war nämlich in einer wichtigen Mission in Imst: Anbau von Wintergetreide. „In erster Linie bauen wir heuer Wintergetreide für so genannte Leistungsversuche an. Das heißt, wir wollen wissen, was eine Getreidesorte kann“, erläutert Partl, „die Ergebnisse dienen dazu, Bauern beim Anbau spezifisch zu beraten.“ Man fühle aber auch dem importierten Saatgut auf den Zahn, um nicht ausschließlich auf die Angaben des Herstellers angewiesen zu sein. Die Erhaltung der Sorten ist die zweite Facette der Landeseinrichtung mit „unschätzbarem Wert“. Partl: „Im Laufe der Jahre verliert das Korn die Keimfähigkeit, deshalb muss permanent das alte Saatgut durch neues ersetzt werden.“

Für die Bauern zentral ist die dritte Aufgabe, die im Forschungsbauernhof umgesetzt wird: die Erstvermehrung. Gerade bei den alten Landsorten wie Fisser Imperialgerste oder roter Kolbendinkel, die immer gefragter sind, stellt man den Beginn des Anbaues dar. Die überschaubaren Mengen an Saatgut werden im nächsten Schritt auf größeren Flächen weiter vermehrt, bis die erforderliche Menge für den großflächigen Anbau erreicht wird.

Für die so genannten Leistungsversuche reichen jeweils vier Fächer des Saatgutportionierers pro Parzelle (7 x 1,5 m).
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Ein wichtiger Partner dabei ist das erst vor einem Jahr eröffnete Getreidezentrum der Tiroler Saatbaugenossenschaft in Flaurling. „Neben der Verarbeitung von 600 Tonnen Getreide haben wir auch Flächen, auf denen wir Saatgut vermehren“, weiß Geschäftsführer Reinhard Egger, „die Zusammenarbeit mit der Tiroler Genbank ist sehr gut und intensiv.“

Alles angerichtet also für die Bauern, die sich allerdings mit Getreideanbau eher zurückhalten. „Wünschenswert wäre, dass wesentlich mehr Bauern die eigentliche Vermehrung übernehmen“, ergänzt Andreas Tschöll, dessen Wunsch sich mit dem des Getreidezentrums deckt.

In Brennbichl geht’s aber nicht nur um das Angreifbare, sondern auch um Wissen. „Die Universität Innsbruck hat nun die ersten Felder in diesem Ausmaß für wissenschaftliche Studien, Forschung und Experimente zur Verfügung“, freut sich Michael Traugott vom Institut für Ökologie. Mehrmals im Jahr ist der Forschungsbauernhof Ziel von Studenten, die unvergleichliche Möglichkeiten vorfinden, ihr Gelerntes in die Praxis umzusetzen.

Genbank Tirol

Die Tiroler Genbank ist öffentliches Gut und zählt zu den umfangreichsten Saatgutsammlungen der Welt. Sie feiert 2022 ihr 100-jähriges Bestehen.

Sorten: Ca. 1000 alte Landsorten, davon ca. 700 Getreidesorten und viele Sorten von Erdäpfeln, Mohn, Bohnen, Mais, Buchweizen, Hirse, Krautrüben u. v. m.

Versuchsflächen: In Brennbichl werden zwischen 600 und 800 Parzellen zum Zwecke eines Leistungsversuches, der Sortenerhaltung und der Vermehrung bebaut.

Apropos setzen: In den letzten zwei Wochen „besetzte“ Christian Partl nicht weniger als 224 Parzellen (1 Parzelle = 7 x 1,5 m) mit seinem extra dafür konstruierten Parzellensägerät mit Wintergetreide. Das Ergebnis wird im Frühjahr akribisch untersucht und festgehalten.


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