Hunderte Stromausfälle in Osttirol: „So was kannst du nicht planen“
Ein Jahrhundert-Unwetter hat in Osttirol vielerorts zu massiven Stromausfällen geführt. Für Tinetz-Geschäftsführer Trattler ist das Tiroler Versorgungssystem dennoch krisenfest.
Von Benedikt Mair
Innsbruck — Sintflutartiger Regen, der Wind heult. Angst um Hab und Gut. Und plötzlich ist es dunkel. Hunderte Haushalte, besonders in Osttirol, waren Anfang der Woche von Stromausfällen betroffen. Unwetterschäden hatten Leitungen unterbrochen, Masten unterspült. Inzwischen ist der Status quo wieder hergestellt. Doch vielerorts bleibt die Verunsicherung. Und die Frage: Wie krisenfest ist die Stromversorgung in Tirol?
Eine Nachfrage bei der Tinetz, Tirols größtem Betreiber von Verteilernetzen, ergibt: ziemlich fest. So sagt es zumindest Geschäftsführer Thomas Trattler: „Im internationalen Vergleich ist die Versorgungssicherheit in Tirol sehr, sehr hoch. Heißt: Bis zu den unwetterbedingten Ausfällen in Osttirol waren unsere Kunden im Jahr 2018 durchschnittlich nur zehn Minuten nicht versorgt", zitiert er aus einer internen Statistik.
Grundsätzlich steht es also gut um die Stromversorgung. „Der Grundstein dafür wird schon in der Planung der Trassen und Leitungen gelegt", glaubt Trattler. Geologische Gutachten etwa sorgen vor dem Bau für sicheren Untergrund. Windwurf, Lawinen oder Regen würden aber immer wieder dafür sorgen, dass die sorgfältigen Konzepte über den Haufen geworfen werden, erklärt Trattler. „So ein hundertjähriges Ereignis wie das Unwetter in Osttirol kannst du nicht planen. Unsere Mitarbeiter haben aber Tag und Nacht unermüdlich daran gearbeitet, die Versorgung wiederherzustellen. Aber wie will man darauf vorbereitet sein, dass die Drau ihren Lauf um 20 Meter verlegt?", fragt er sich.
Der Tinetz-Geschäftsführer spricht einen Vorfall bei einem Strommasten in Anras an. Er wurde unterspült, musste mit Stahlseilen gesichert werden. Die Uferböschung wurde vorerst provisorisch mit Planen abgedeckt, damit sich nicht noch mehr Erdreich löst. Einer von insgesamt zwei Masten, die in Osttirol von den Unwettern in diesem Ausmaß beschädigt wurden. „Es sind aber absolute Ausnahmefälle, die Strommasten stehen gut. Niemand muss Angst haben, dass so einer fällt", hält er fest. In Tirol stehen rund 35.000 Strommasten, davon 3000 mit Hochspannung, 20.000 mit mittlerer Spannung und etwa 12.000 Masten mit Niederspannung.In bewohntem Gebiet stehen laut Trattler sowieso kaum noch Strommasten. Die Versorgung werde unterirdisch abgewickelt. „Sollte aber doch jemand mal ein Kabel am Boden liegen sehen, dann darf man unter keinen Umständen dort hingehen. In so einem Fall sind jedenfalls 25 Meter Abstand zu halten", rät er.
Obwohl Stromausfälle durch Unwetter öffentlichkeitswirksamer seien, hätten die meisten Störungen einen anderen Grund, sagt Trattler: „Es kommt immer wieder vor, dass Bäume bei Holzarbeiten in die Leitungen stürzen."
Versicherung für Unwetter gefordert
Wien — Schäden in Millionenhöhe haben die Unwetter in Osttirol und Kärnten Anfang der Woche verursacht. Bund und Länder springen in die Bresche, sicherten finanzielle Hilfe zu. Auch deshalb hat Volksanwalt Peter Fichtenbauer ein weiteres Mal für eine Pflichtversicherung für Hochwasserschäden plädiert — ähnlich der Kfz-Haftpflichtversicherung.
„Man muss kein Klimaexperte sein, um zu sehen, dass Naturkatastrophen immer mehr zunehmen. Die Politik muss endlich darauf reagieren", sagt Fichtenbauer. Die Hilfe aus Katastrophenfonds sei nämlich, abgesehen vom fehlenden Rechtsanspruch, oft nur ein „Tropfen auf den heißen Stein". (TT)