Trinkwasserschutz in Ehrwald wird Nagelprobe für Plattform

Die geplante Aussichtsplattform an den Ehrwalder Seebenwänden würde sich im Kerngebiet des Wasserschongebiets befinden.

© Zirknitzer Thomas

Ehrwald –Die vom TVB Tiroler Zugspitz Arena geplante Aussichtsplattform an den Seebenwänden bei Ehrwald entzweit die Gemüter. Eine Unterstützungsliste gegen das Projekt brachte im Vorjahr bereits 750 „Ehrwalder“ Unterschriften, wie Initiator Thomas Zirknitzer betont, eine Online-Petition im Internet schaffte es auf 901 Unterstützer. Zum Auftakt der naturschutz- und wasserrechtlichen Verhandlung am 11. September in Ehrwald gab es eine Demo von rund 120 Gegnern vor dem Gemeindeamt. Die Verhandlung wurde am Abend abgebrochen, weil es zum einen Einsprüche gab und zum anderen Unterlagen gefehlt hatten. Am vergangenen Mittwoch fand nun das Verfahren an der BH Reutte eine Fortsetzung. Ein Ergebnis gibt es dazu aber noch nicht, wird seitens der Behörde betont.

„Es ging um den naturschutzrechtlichen Teil des Verfahrens“, erklärt BHStv. Konrad Geisler auf Anfrage der TT. Insgesamt, so Geisler nach Rückfrage bei der zuständigen Juristin, würden noch Unterlagen fehlen – insbesondere das hydrogeologische Gutachten für die wasserrechtliche Beurteilung. „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Geisler, es sei vor allem deshalb so kompliziert, weil es sich beim Standort um ein Wasserschongebiet handelt.

„Ja, die Verhandlung hat stattgefunden, es gab Ergänzungen in der Antragstellung – aber an sich nichts Neues. Unsere Erhebungen und Stellungnahmen sind abgegeben – jetzt ist alles im Gange“, sagt der Obmann der Zugspitz Arena, Thomas Schennach. Im Übrigen verweist er auf das laufende Verfahren.

„Wir sind nicht gegen die Plattform an sich“, sagt Gerhard Bader, einer der Wortführer der Gegner, „aber wir sind gegen diesen Standort.“ Er verweist auf das Wasserschongebiet der so genannten Immenquellen, das laut der Verordnung des Landes von 1995 nicht nur die Gemeinde Ehrwald, sondern auch Biberwier, Mieming und Obsteig betrifft. „Und auch die Lermooser haben das Wasser über Biberwier“, so Bader. Er hält fest, dass sich die geplante Plattform nicht nur im weit gefassten Schongebiet, „sondern im Kerngebiet“ befinde.

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Das Gebiet um Seebenalm, Seebenfall und Seebensee ist ein beliebtes Wander- und Ausflugsgebiet. Rund 250.000 Besucher soll es pro Jahr anlocken, die Nominierung für „9 Plätze, 9 Schätze“ im Vorjahr brachte noch einmal einen Schwung an Gästen. Die Plattform wiederum wird als zusätzlicher Magnet für die Erholung suchenden Touristen gesehen. „Der Seebenwald ist schon jetzt arg belastet“, verweist er auf Klopapier und andere Hinterlassenschaften hinter den Büschen. Die Pflanzenkläranlage der Seebenalm stößt nach seiner Darstellung bereits jetzt an ihre Grenzen.

Die Hydrogeologie wird Thomas Figl von der Landesgeologie bewerten. Er wartet noch auf Ergänzungen, betont aber, „ein Auge auf das Wasser“ zu werfen. (pascal)


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