Innenpolitik

Kogler zu grünen Wahlerfolgen: „Weltrettung kann auch lustig sein“

Grünen-Chef Werner Kogler.
© Neubauer

Die Grünen haben in Bayern und Hessen sehr gut abgeschnitten. Was die hiesige Ökopartei davon lernen kann, sagen Kogler und Felipe.

Von Serdar Sahin

Wien –Über ein Jahr ist es her, dass die Grünen aus dem Nationalrat geflogen sind. Gerade einmal 3,8 Prozent der Stimmen konnten sie damals mobilisieren. Auch bei den Landtagswahlen heuer in Niederösterreich, Tirol, Kärnten und Salzburg hat die Ökopartei deutlich verloren. Anders sieht es bei den deutschen Grünen aus. Bei den Urnengängen in Bayern und Hessen wurden Rekordergebnisse erzielt – in beiden Bundesländern belegten die Grünen Platz zwei. Warum schneiden deutsche Grüne gut ab, österreichische schlecht?

Auf Bundesebene mag es auf den ersten Blick eine einfache Erklärung geben. Der langjährige Grüne Peter Pilz ist ja bei der Nationalratswahl mit einer eigenen Liste angetreten und hat die Wählerschaft dadurch geteilt. Trotzdem kommen beide – also Grüne und Liste Pilz – zusammen auf nur 8,2 Prozent. Es gibt also weitere Ursachen für den schwachen Zustand.

Was können die österreichischen Grünen von den deutschen lernen? „Die Wahlergebnisse in Hessen und auch in Bayern sind sicherlich im Lichte der deutschen Bundespolitik zu sehen. Hier einen direkten Vergleich mit Österreich zu ziehen, ist nur bedingt möglich, weil die Großwetterlage aktuell noch eine andere ist“, befindet Ingrid Felipe, grüne Landeshauptmann-Stellvertreterin.

„Was wir auf Bundesebene sicherlich für unseren Neustart mitnehmen können, ist zum einen, mit thematischem Selbstvertrauen aufzutreten, weil wir als Grüne die Zukunftsfragen schlechthin beackern. Und zum anderen, dass wir immer dann erfolgreich sind, wenn wir nah bei den Menschen sind und auch dementsprechend kommunizieren“, sagt Felipe.

Ähnlich sieht das Werner Kogler, Chef der Bundes-Grünen. „Man kann sehr viel lernen, obwohl die Situation in Deutschland eine andere ist.“ Das habe mit der Schwäche der Koalition aus CDU/CSU und SPD zu tun. „Die Grünen sind dort eine sehr positive Projektionsfläche für eine Alternative. Das ist bei uns nicht der Fall.“ Die Kollegen in Deutschland seien zudem „sehr fröhlich und forsch an die Sache“ herangegangen. „Weltrettung kann auch lustig sein.“ So habe er die Wahlkämpfe erlebt, sagt Kogler. Hinzu komme, dass sich die Themen in Deutschland verschoben hätten. Wichtig sei dort „an der Menschlichkeit orientierte Migrationspolitik. Das hilft den Grünen natürlich.“ Gleichzeitig wären Umweltfragen sehr wichtig. „Die Klimakrise lässt sich nicht mehr als zehntes Thema von hinten betrachten.“