Gioachino Rossini: Meister der Töne und Kulinarik

Heute vor 150 Jahren starb in Paris der Belcantospezialist Gioachino Rossini.

Hatte die Musikwelt verrückt gemacht: Gioachino Rossini auf einer Fotografie des Jahres 1867, ein Jahr vor seinem Ableben.
© Imago

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Er ist ungebrochen populär und trotzdem in vielen Bereichen kaum oder sogar unbekannt. Gioachino Antonio Rossini, 1792 in Pesaro geboren, am 13. November 1868 in Paris/Passy gestorben, bereitet den Opernfreunden seit über 200 Jahren Freude. Während zu seiner Zeit seine ernsten Opern „Mosè in Egitto“, „Otello“ und „Semiramide“ die Rossini-Hitliste anführten, sind es gegenwärtig die Buffo-Opern „Il barbiere di Siviglia“, „La Cenerentola“ und „L’italiana in Algeri“, wobei die beiden erstgenannten bei der Uraufführung durchfielen. Seine Opere serie standen dann sehr lange im Hintergrund, erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte zaghaft eine Renaissance ein, angestoßen vom Start der kritischen Gesamtausgabe durch die Fondazione Rossini in Pesaro, die viel Material ans Licht brachte und damit das Rossini-Bild veränderte. Am Tiroler Landestheater stand der heitere Rossini regelmäßig auf dem Programm. Mit dem neuen Festspielhaus setzte bei den Tiroler Festspielen Erl ein Rossini-Schwerpunkt ein.

Gioachino Rossini? Nicht Gioacchino? Getauft wurde das Kind auf den Namen Giovacchino. Dann fehlte das „v“ und Rossini selbst schrieb seinen Namen hauptsächlich als „Gioachino“. Das übernahm nun die Musikwissenschaft, und so setzt er sich allmählich durch.

Mit 16 begann er Opern zu schreiben, mit 37, nach „Guillaume Tell“, hörte er in Paris damit auf. 39 Bühnenwerke lagen dazwischen. Er schrieb rasend schnell, brauchte, wie er Richard Wagner erzählte, für den „Barbiere“ 13 Tage. Er versetzte halb Europa in einen „Rossini-Taumel“ und läutete mit seinen Neurungen und Melodien die Romantik ein. Von den Franzosen schaute er sich die durchkomponierten Rezitative ab, die wiederum lernten von ihm die Koloratur. Seine Ouvertüren sind eigenständige Gustostücke, und Kabinettstücke ersten Ranges die herrlich verrückten, bis in den Nonsens gesteigerten wirren Finalszenen. In Wien hatte ihm Beethoven geraten, sich nur auf Buffo-Opern zu konzentrieren …

Rossini hatte die berühmte Sopranistin Isabella Colbran geheiratet, die zweite, glücklichere Ehe hielt. Er war ein Meister der Selbstironie, Förderer junger Talente, liebenswürdig und voller Humor. Als er in seinen späten Pariser Jahren geistliche Musik, Kantaten, Kammermusik, Chöre und Klaviermusik schrieb, waren darunter kuriose „Alterssünden“. Und natürlich überlebt Rossini auch sein Ruf als Gourmet. Die „Tournedos alla Rossini“ zieren bis heute manche Speisekarte.

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