Medientag an Uni Innsbruck: Flut an Fakten und Fakes
Der Medientag 2018 thematisiert die Herausforderung und die Überforderung durch die mediale Vielfalt.
Von Matthias Christler
Innsbruck –Eine Trump-Pressekonferenz, ein kritischer Journalist, ein Handgemenge, zwei Videos. Das eine soll beweisen, dass CNN-Journalist Jim Acosta eine Mitarbeiterin Trumps unsittlich berührt. Das andere, wie sich der Journalist nach der Berührung entschuldigt. Trump-Fans genauso wie -Kritiker werden in ihren jeweiligen Facebook-Blasen das zu sehen bekommen, was sie in ihrer Meinung bestätigt.
Jeder kann heute so ein Video verbreiten – Unternehmen, Parteien, Einzelpersonen. Mit den Herausforderungen der Vielfalt medialer Formen beschäftigt sich am Dienstag der Medientag der Universität Innsbruck, der in Kooperation mit der Tiroler Tageszeitung und der Austria Presse Agentur veranstaltet wird. Für Theo Hug, Sprecher des Medienforums Innsbruck, seien die anhaltenden Debatten um „Fake News“, „Postdemokratie“, unter Druck geratende öffentlich-rechtliche Medien bis hin zu pauschalen Negativurteilen rechtsgerichteter Parteien über die Medien als „Lügenpresse“ Grund gewesen, das Thema „Medienvielfalt“ zu wählen: „Eine demokratische Öffentlichkeit braucht unabhängige Medien und öffentliche Kommunikationsräume, die mit einer Vielfalt von Orientierungen und Lebensformen einhergehen“, erklärt er.
Der Konsum genauso wie die Verbreitung von Informationen kann auch überfordern. Deshalb sagt Hug: „Wenn wir Demokratie wollen, brauchen wir eine verstärkte Förderung nicht nur von politischer Bildung, sondern auch von Medien- und Informationskompetenzen für alle Altersgruppen und Milieus.“ Im Bildungssystem werde das zu sehr vernachlässigt.
Am Medientag hält unter anderem Falter-Journalistin Nina Horaczek einen Vortrag über „Mediendiversität zwischen Druck und Rechtsruck“. Sie sieht derzeit zwei Tendenzen: „Die eine ist der Versuch von Parteien, den öffentlichen Rundfunk wie in Österreich oder seriöse Sender wie in den USA, also allgemein kritische, unabhängige Medien durch gezielte Attacken zu schwächen. Die zweite Tendenz ist das Entstehen von Propagandamedien, die im Mäntelchen von normalem Journalismus erscheinen. In der Kombination finde ich das durchaus bedenklich“, sagt sie. Von außen betrachtet wirke das auf sie wie eine Strategie: „Ich schwäche die, die kritisch sind, und stärke die, die Propaganda machen.“
Als Beispiel, wie Infos heutzutage verbreitet werden, nennt sie Italiens Innenminister Matteo Salvini, der viel über Facebook kommuniziert. Das habe den Vorteil, so Horaczek, dass er nicht durch den kritischen Journalismus-Filter müsse, sondern die Botschaften direkt an die Wähler senden könne.
Die neuen Möglichkeiten der Kommunikation, mit denen jeder seine Meinung kundtun kann, galten lange als wichtiges Demokratie-Instrument, inzwischen fürchten viele eine Meinungsdiktatur. „Das Internet, die sozialen Medien und die vielen Kanäle – das ist noch sehr neu und wir als Gesellschaft haben noch keinen erwachsenen Umgang mit den Fragestellungen, die sich daraus ergeben, gefunden“, sagt Horaczek. Sie sei aber optimistisch für die Zukunft. Eine Zukunft, in der jeder Fakten von Fake News unterscheiden kann.