RA Dr. Adolph Platzgummer

Wer erbt was, wenn kein Testament vorhanden ist?

Die gesetzliche Erbfolge reicht bis in die vierte Linie, sollte der Erblasser keine Kinder und auch sonst keine näheren Verwandten mehr gehabt haben.
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Die gesetzliche Erbfolge kommt insbesondere dann zum Zug, wenn der Verstorbene kein oder kein gültiges Testament errichtet hat.

Stirbt ein Mensch, so bilden seine Rechte und Verbindlichkeiten die Verlassenschaft. Das Recht, diese zu erwerben, heißt Erbrecht und kann sich auf einen Erbvertrag, den letzten Willen des Verstorbenen (Testament) oder auf das Gesetz (gesetzliche Erbfolge) gründen.

Hat der Verstorbene kein oder kein gültiges Testament errichtet, kommt es in der Regel zur gesetzlichen Erbfolge. Danach sind die nächsten Verwandten des Erblassers und sein Ehegatte als Erben vorgesehen. Hatte der Verstorbene Kinder, so sind in der ersten Linie diese und deren Nachkommen erbberechtigt — gibt es mehrere Kinder, stehen ihnen die gleichen Erbanteile zu. Starb der Erblasser kinderlos, käme die zweite Linie zum Zug, wozu die Eltern des Verstorbenen und deren Nachkommen, also seine Geschwister, zählen. Mangelt es auch daran, gäbe es noch eine dritte und eine vierte Linie. Weiters hat auch der Ehegatte ein gesetzliches Erbrecht, und zwar neben den Kindern zu einem Drittel, neben anderen Linien zu zwei Drittel und mehr.

Pflichtteilsberechtigt sind die Nachkommen und der Ehegatte des Verstorbenen. Dabei handelt es sich um einen Anteil am Wert des Nachlassvermögens, der den Berechtigten nach dem Gesetz zwingend zukommt. Als Pflichtteil gebührt immerhin die Hälfte dessen, was aufgrund der gesetzlichen Erbfolge zustünde.

Der Pflichtteil ist in der Regel in Geld zu leisten und kann erst ein Jahr nach dem Tod des Erblassers gefordert werden. Mittels Testament könnten vorsorglich eine Stundung oder Teilzahlungen verfügt werden, um vorhersehbare Engpässe bei der Entrichtung zu vermeiden. Unter engen Voraussetzungen kann der Anspruch auch gerichtlich gestundet werden.

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