Nestroy-Preise 2 - Klagenfurter „Iwanow“ gewinnt Bundesländer-Sparte

Wien (APA) - Den im Rahmen der Nestroy-Gala vergebenen ORF III-Publikumspreis gewann der Regisseur, Schau- und Puppenspieler Nikolaus Habjan...

Wien (APA) - Den im Rahmen der Nestroy-Gala vergebenen ORF III-Publikumspreis gewann der Regisseur, Schau- und Puppenspieler Nikolaus Habjan bereits zum zweiten Mal. Der erkrankte Preisträger musste sich bei der Übergabe der Auszeichnung durch seine Schwester vertreten lassen.

Zur besten Off-Produktion wurde Sara Ostertags Inszenierung des Stückes „Muttersprache Mameloschn“ von Sasha Marianna Salzmann gekürt, in dem es um die unterschiedlichen Lebensentwürfe von drei Frauen aus drei Generationen geht. Das Kollektiv makemake produktionen brachte das Stück in Koproduktion mit dem Wiener Kosmos Theater heraus, dessen Gründerin und frühere Leiterin Barbara Klein mit dem völlig überraschten Team ebenso auf die Bühne stürmte wie die neue Leiterin Veronika Steinböck. Viel Applaus gab es für die jubelnden Preisträgerinnen und ihre Ansage: „Kunst muss frei bleiben!“

Den Spezialpreis gab es für das Theater/Filmprojekt „Die Kinder der Toten“. Das Nature Theater of Oklahoma inszenierte beim steirischen herbst den Roman von Elfriede Jelinek als Super-8-verfilmtes Mitmach-Dorf-Event für Jung und Alt. Die Regisseurin Kelly Copper bedankte sich in charmantem Deutsch an der Seite ihres Regiepartners Pavol Liska u.a. bei Autorin Elfriede Jelinek und der Bevölkerung von Neuberg an der Mürz.

Die Nachwuchs-Nestroys gingen an Lara Sienczak vom Theater der Jugend (für ihre Darstellung der Sophie Scholl in „Die Weiße Rose“ von Petra Wüllenweber) und an Peter Fasching vom Volkstheater Wien (für seine Rollen in „Die Zehn Gebote“ nach den Filmen von Krzysztof Kieslowski). Fasching schloss seine Dankesworte mit einem kulturpolitischen Statement: „Im übrigen bin ich der Meinung, das Volkstheater muss ein Ensembletheater bleiben.“

Autorenpreisträger Ferdinand Schmalz war nicht überrascht. Die Auszeichnung für sein am Burgtheater uraufgeführtes Stück „jedermann (stirbt)“ war bereits festgestanden. Er hatte einen kurzen Text mitgebracht, den er geschrieben hatte, als zum Nationalfeiertag vor dem Burgtheater die Panzer aufgefahren waren, während im Haus sein Stück gespielt wurde. Es werde wieder an Festungen gebaut, vermeintlich zu unserer Sicherheit, „obwohl man meinen könnte, dass diejenigen, die heute unsere Sicherheit gefährden, in den Ministerien sitzen“. Er schloss mit einem Verweis auf die wieder wöchentlich stattfindenden Protest-Demos: „Nächste Woche ist wieder Donnerstag!“

Die slowenische Regisseurin Mateja Koleznik wurde zwei Tage nach ihrer Schnitzler-Premiere am Theater in der Josefstadt für ihre Klagenfurter „Iwanow“-Inszenierung mit dem Nestroy für die beste Bundesländer-Aufführung ausgezeichnet, konnte den Preis allerdings nicht selbst entgegennehmen, da sie bereits an ihrem nächsten Projekt arbeitet. „Mateja ist eine Meisterin der Reduktion. Sie hat sich selbst so reduziert, dass sie heute nicht hier ist“, sagte Schauspieler Markus Hering, der gemeinsam mit dem Intendanten des Stadttheaters Klagenfurt und der Intendantin der koproduzierenden Bühnen Bozen die Trophäe entgegennahm.

Bisherige Höhepunkte des Galaabend-Programmes waren eine Otto Schenk-Parodie von Viktor Gernot vor der Verleihung der Nachwuchs-Preise und der von sechs Schauspielerinnen gemeinsam gesungene Song „You don‘t own me“ als Solidaritäts-Lied für jene, die im Zug der #metoo-Debatte, „den Mut hatten, aufzustehen“, wie es Moderatorin Happel formulierte.


Kommentieren