Winternotschlafstelle in Kufstein: Asylwerber wurden abgesiedelt

Die Winternotschlafstelle im Kufsteiner Asylheim soll mit Verzögerung am Montag eröffnen. Dazu werden noch Familien umgesiedelt – nicht alle gehen freiwillig. Die TSD schweigen.

© Hrdina

Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Noch finden Wohnungslose die angekündigte Winternotschlafstelle in der Kufsteiner Carl-Schurff-Straße nicht vor, doch die Adaptierung der Asylheim-Wohnungen schreitet voran. Die Eröffnung der nächtlichen Unterkunft ist nun für kommenden Montag geplant, heißt es aus dem Büro der Soziallandesrätin Gabriele Fischer. Und dafür scheint man beim Betreiber Tiroler Soziale Dienste (TSD) harte Maßnahmen zu ergreifen: Wie berichtet, müssen für die Einrichtung der Winternotschlafstelle einige Familien im Asylheim umziehen. Ihr gewohntes Umfeld verlassen müssen hätte am Montagnachmittag auch eine Frau mit ihren drei Kindern und Ehemann, obwohl sie sich in einem „gesundheitlich labilen Zustand“ befindet.

„Eine Sauerei“, zeigt sich Werner Reimoser verärgert. Der Wahl-Tiroler hatte 2015 die Flüchtlingsunterkunft „Haus der Hoffnung“ gegründet, diese wurde später von den TSD übernommen. Mit dem Fall der besagten Frau ist er wohl vertraut: Schon einmal hätte die Familie die Wohnung im Erdgeschoß verlassen sollen, mehrere Ärzte stellten der Mutter ein medizinisches Gutachten aus und rieten davon ab. „Von fachlicher Seite ist eine Umsiedlung von Frau (...) und ihrer Familie aufgrund des gesundheitlichen Zustandes und der schweren Traumatisierung aus humanitären Gründen nicht vertretbar“, heißt es in einem der Schreiben vom Oktober 2017, das der TT vorliegt.

Die TSD ließen sich im Herbst 2017 schließlich davon überzeugen, die Familie durfte bleiben. Am Montagnachmittag stand nun aber der Räumungsdienst in Form von Sicherheitsmitarbeitern vor ihrer Tür. „Dabei wurde mir unlängst noch von einem TSD-Sprecher zugesichert, dass hier niemand gezwungen wird, zu gehen“, ärgert sich Reimoser.

Nachdem die Mutter mit ihren drei Kindern und der Vater passiven Widerstand geleistet hatten, durften sie laut Reimoser bleiben – vorerst. „Dass die TSD einfach so über Leute drüberfahren, ist schon eigenartig für eine Organisation, die sich um das Wohl der ihnen Anvertrauten kümmern soll.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Bei den TSD zeigt man sich weiterhin schweigsam, ein Mitarbeiter berichtet von einem Kommunikationsverbot nach außen. Im zuständigen Büro der Soziallandesrätin dementiert man einen „Maulkorberlass“ und spricht von dem Versuch einer „abgestimmten Kommunikation“. Der Fall der dreifachen Mutter sei dort bekannt, ebenso wie die medizinischen Gutachten, bestätigt Bürosprecher Konrad Lais auf Nachfrage der TT. „Die Familie zieht vom Erdgeschoß in den zweiten Stock des Nachbargebäudes. Das soziale Netzwerk bleibt erhalten – der Vater arbeitet weiter in der Einrichtung und die Kinder besuchen dieselbe Schule. Räumlich ändert sich kaum etwas, das ist auch medizinisch vertretbar.“

Auch der Kritik einiger Sozialarbeiter, dass das Zusammenleben von Flüchtlingen und Obdachlosen unter einem Dach unweigerlich zu Reibereien führen würde, hält Lais entgegen: „Der Vorteil der Kufsteiner Einrichtung ist, dass wir Notschlafstelle und Flüchtlingsunterbringung räumlich trennen können. Es gibt zwei separate Eingänge, und somit kommt es zu keiner Vermischung.“ Auch in Innsbruck und Lienz hätte man mit diesem Konzept Erfolg gehabt. Derart kleinstrukturierte Sozialeinrichtungen wie in Kufstein würden im Alltag „ohnehin nicht auffallen“, so Lais.

Auf die Frage, ob man Anwohner und die restliche Bevölkerung denn noch von offizieller Seite über die Etablierung der Winternotschlafstelle informieren wolle, heißt es, man werde dies gemeinsam mit der Gemeinde Kufstein tun, sobald alles geklärt sei. BM Martin Krumschnabel warte auf Informationen, habe aber seit einer Woche nichts mehr von Land oder TSD gehört: „Es ist deren Aufgabe, das Ganze publik zu machen.“ Um den Frieden in der Siedlung sorge er sich nicht. „In dem Haus waren schon wesentlich mehr Leute untergebacht. Wir haben positive Erfahrungen gemacht.“


Kommentieren


Schlagworte