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Hunger und Tod im zerstörten Jemen

Im Jemen tobt seit 2014 ein brutaler Krieg. Zehntausende wurden bereits getötet, Millionen droht der Hungertod. Die TT sprach mit dem Länderdirektor Johan Mooij von der Hilfsorganisation CARE über die Situation vor Ort.

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Ein siebenjähriges Mädchen in einem Krankenhaus in Hodeidah. Es starb an Unterernährung.
© REUTERS

Sanaa –Inmitten des Streits um die US-Unterstützung für Saudi-Arabien im jemenitischen Bürgerkrieg hat Washington gestern den Weg für ein strategisch bedeutsames Waffengeschäft mit Riad im Wert von 15 Milliarden Dollar frei gemacht. Allerdings wächst im Senat der Unwillen über den Jemen-Krieg, der katastrophale Folgen für die Zivilbevölkerung hat. US-Präsident Trump soll zum Ende der Unterstützung Saudi-Arabiens im Jemen-Krieg gezwungen werden. Im Jemen kämpft ein von Saudi-Arabien geführtes Militärbündnis gegen die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen. Ein Krieg, der für eine humanitäre Katastrophe verantwortlich ist.

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Wie stellt sich die humanitäre Situation in der Hauptstadt Sanaa und der hart umkämpften Hafenstadt Hodeidah im Moment dar?

Johan Mooij: Die Situation in Sanaa ist im Moment ruhig. Die Anzahl der Luftangriffe ist in den letzten Wochen zurückgegangen, und der jemenitische Riyal hat an Wert gewonnen, so dass die Menschen das kaufen können, was sie brauchen. Die Situation in Hodeidah ist jedoch immer noch sehr schlecht. Nach einer kurzen Einstellung der Feindseligkeiten gibt es erneut Gewalt. Über eine halbe Million Menschen ist bereits aus dem Gouvernement Hodeidah geflohen und hat alles hinter sich gelassen. Die Leute wurden oft mehrmals vertrieben und es fehlt ihnen an allem: Obdach, Nahrung, Kleidung und Hygieneartikel. Sie leben in furchtbaren Verhältnissen, manche haben nur ein Zimmer oder ein Zelt für eine große Familie, und wenn es kälter wird, wird ihr Leid noch größer.

Die Versorgung großer Teile des Jemen, einschließlich der Anlieferung internationaler Hilfsgüter, erfolgt über Hodeidah. Was für Folgen hätte die Zerstörung dieser Stadt?

Mooij: Die Zerstörung des Hafens von Hodeidah wäre einfach ausgedrückt eine Katastrophe. Über 70 Prozent der Lieferungen – sowohl humanitäre als auch kommerzielle – kommen über diesen Hafen, und es gibt keine Alternative.

Seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2014 wurden bereits etwa 10.000 Menschen getötet. Gibt es wenigstens Hoffnung auf Frieden?

Mooij: Zunächst ist die Zahl von 10.000 eine große Unterschätzung. Die UNO hat schon vor langer Zeit aufgehört zu zählen, daher ist die Zahl der Todesopfer zweifellos viel höher. Im Hinblick auf die Hoffnung auf Frieden unternimmt der UNO-Sonderbeauftragte für den Jemen große Anstrengungen, um die Konfliktparteien für Gespräche zusammenzubringen, die auf die Beendigung der Feindseligkeiten abzielen. Beide Seiten haben Kooperationsbereitschaft gezeigt, und da dies die einzige mögliche Lösung des Krieges ist, müssen wir hoffen, dass die Gespräche erfolgreich sind. Jemen kann einfach keinen weiteren Konflikt ertragen.

Die UNO und Hilfsorganisationen warnen vor einer Hungersnot unglaublichen Ausmaßes. Kann diese noch verhindert werden?

Mooij: Im Jahr 2017 waren 8,4 Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht. Das ist fast die gesamte Bevölkerung Österreichs. Die Vereinten Nationen haben jetzt gewarnt, dass bis zu 14 Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht sind, und das Welternährungsprogramm hat die Anzahl der Menschen, die Nahrungsmittelhilfe erhalten, von 8,4 Millionen auf 12 Millionen Menschen erhöht. Auch wenn es noch keine offizielle Ausrufung einer Hungersnot gibt, ist es eine Tatsache, dass die Menschen hier schon lange hungern. Wenn die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen wie CARE die Bemühungen verstärken, mehr Menschen mit Nahrungsmittelhilfe zu erreichen, können wir eine offizielle Hungersnot abwenden. Aber für die vielen Tausenden, die bereits verhungert sind, ist es zu spät.

Können humanitäre Organisationen vor Ort noch operieren?

Mooij: Ja, es ist noch möglich. Wir schaffen es, monatlich rund eine Million Menschen zu erreichen. Wir haben qualifizierte einheimische Mitarbeiter, die die Gebiete kennen und gute Beziehungen zu den Behörden aufgebaut haben. Verbindungsbeamte stellen sicher, dass wir alle erforderlichen Vereinbarungen haben, um Zugang zu den Gebieten zu erhalten. Dies ermöglicht es uns, in den meisten Teilen des Landes tätig zu sein.

Das Interview führte Christian Jentsch


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