BM Ginther bringt Maut für das Hahntennjoch ins Spiel
Die vom Land angedachte Fernpass-Maut sorgt weiter für Reaktionen. Auf Imster Seite ist der Tschirganttunnel das Thema.
Reutte, Imst –Viel Gegnerschaft scheint die angekündigte Fernpass-Maut im Außerfern und entlang der Strecke nicht zu haben. Am Donnerstag meldete sich nun auch Heiner Ginther als Bürgermeister von Elmen und Obmann des Planungsverbandes Lechtal zu Wort: „Eine Bemautung der Fernpassstraße muss gleichzeitig auch eine Bemautung der Hahntennjochstraße bedeuten“, sagt er. Er verweist in diesem Zusammenhang auf „bereits spürbaren Ausweichverkehr im Sommer über das Tannheimer Tal und das Hahntennjoch“. Eine Fernpassmaut würde er aber befürworten: „Weitere Hindernisse mit Dosierung und Bemautung, um damit die Strecke unattraktiver zu machen, sind sicher der bessere Weg als ein weiterer Aus- bau.“
Zu einer etwaigen Hahntennjoch-Bemautung heißt es aus dem Büro des zuständigen LHStv. Josef Geisler: Die Verkehrsplaner sehen eine Gefahr der Verlagerung derzeit nicht gegeben. Im Winter herrsche am Hahntennjoch ohnehin Wintersperre und im Sommer würde der Fernpassverkehr hauptsächlich Richtung Brenner weiterfahren. Man werde diesen Aspekt noch weiter einarbeiten.
Der Biberwierer Bürgermeister und Fernpass-Scheiteltunnel-Gegner Paul Mascher hat nichts gegen eine Maut, „wenn sie weniger Autos bringt. Aber ich befürchte einen Auftakt für Lkw-Transit.“ Er verweist darauf, dass der vom Land anvisierte Fernpass-Scheiteltunnel erst „70, dann 100 und inzwischen 110 Millionen Euro kosten soll – man braucht Einnahmen.“
Einen anderen Aspekt bringt der Außerferner Bezirksrettungskommandant Andreas Inwinkl mit einem offenen Brief ein. Er begrüßt, dass wieder Bewegung in die Verkehrsdiskussion kommt, die aufgrund der Verkehrsbelastung dringend notwendig sei: „Der Ausbau der Fernpassstrecke mit Tschirgant- und Scheiteltunnel, mit dem die Schlüsselstellen umfahren und damit entschärft werden könnten, wäre nicht nur für unsere Fahrerinnen und Fahrer eine enorme Entlastung, sondern auch im Sinne der Gesundheit und Sicherheit unserer Patientinnen und Patienten ein großer Schritt nach vorne.“
Auch die Reuttener ÖVP-Parlamentarierin Liesi Pfurtscheller meldete sich gestern zu Wort. Sie will einen für Dezember angekündigten Besuch von Verkehrsminister Norbert Hofer nutzen, um Druck in Sachen Tschirganttunnel zu machen. Eine Fernpassmaut sei als verkehrsleitende Maßnahme überlegenswert, bei einem Tschirganttunnel nehme sie die Ängste um das Trinkwasserreservoir ernst und verweist auf eine sicher im Vorfeld stattfindende Umweltverträglichkeitsprüfung.
Dieses Umdenken in Sachen Tschirganttunnel beim Bund wird auch von den Bürgermeistern Herbert Kröll (Nassereith), Rudolf Köll (Tarrenz), Hermann Föger (Obsteig) und Stefan Weirather (Imst) in einer gemeinsamen Aussendung begrüßt: „Wenn wir nicht wollen, dass wir gänzlich im Verkehr ersticken, dann müssen wir endlich handeln und mutige Schritte setzen.“
Die Verkehrsbelastung im Oberland bleibe mit und ohne Maut untragbar, meint hingegen EU-Parlamentarierin Karoline Graswander-Hainz (SPÖ): „Wirkliche Entlastung bringt nur ein wirklicher Paradigmenwechsel“, plädiert sie einmal mehr für eine neue Bahnverbindung. (TT, pascal)