Europäische Pressestimmen zu Ausschreitungen in Frankreich

Paris (APA/dpa/AFP) - Die gewaltsamen Ausschreitungen bei den Protesten der „Gelbwesten“ in Frankreich waren am Montag Inhalt zahlreicher in...

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Paris (APA/dpa/AFP) - Die gewaltsamen Ausschreitungen bei den Protesten der „Gelbwesten“ in Frankreich waren am Montag Inhalt zahlreicher internationaler Pressekommentare:

„Times“ (London):

„Wie Emmanuel Macron durch diese Krise kommt, wird erhebliche Folgen für Frankreich und Europa haben. Er hat kaum eine andere Wahl als standfest zu bleiben. Die Erhöhung der Steuern auf Benzin und Diesel ist nötig, damit Frankreich den CO2-Ausstoß reduzieren kann, der in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Angesichts der Proteste nachzugeben, würde in jedem Fall seine Glaubwürdigkeit untergraben und es unmöglich machen, den Rest seiner Reformagenda durchzusetzen. Frankreich kann sich die Fortsetzung eines Kreislaufes, der seine Politik in den vergangenen Jahren dominiert hat, nicht mehr leisten. Doch obwohl Macron recht damit hat, dass die „gelben Westen“ von Rechts- und Linksextremisten gekapert wurden, wird ihm zugleich klar sein, dass sie sich einer breiten Zustimmung erfreuen. Die Herausforderung für ihn besteht darin, solche Sorgen anzuerkennen und zugleich die Unterstützung der Öffentlichkeit zurückzugewinnen.“

„Le Figaro“ (Paris):

„Nach diesem nationalen Desaster kann die Priorität der Prioritäten natürlich nur die Wiederherstellung der republikanischen Ordnung sein. (...) Es muss unterdessen vor allem verhindert werden, dass sich diese bürgerkriegsähnlichen Szenen an diesem Samstag wiederholen. (...)

Jeder weiß es, die Offenkundigkeit fällt ins Auge: (Staatschef) Emmanuel Macron muss dringend die Steuererhöhungen - das Wort ist nicht so wichtig - verschieben, aussetzen (oder) rückgängig machen. (Sie) haben das Pulver entzündet. (...) Man muss jetzt schnell vorankommen: Je mehr Zeit vergeht, desto höher ist der Preis, der für die Wiederherstellung der Ruhe zu zahlen ist.“

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„De Standaard“ (Brüssel):

„Oppositionspolitiker stehen bereit, die Demonstranten mit den gelben Westen zu umarmen und vor ihren Wahlkarren zu spannen. In sechs Monaten finden die Europawahlen statt. Oft genug hat sich der französische Präsident besorgt über den Aufschwung des Populismus und die Popularität von Marine Le Pen geäußert.

Politiker der extremen Rechten haben von Beginn an mit den „Gelbwesten“ sympathisiert und gesagt, dass sie die allgemeine Unzufriedenheit verstehen. Wenn Macron nicht handelt, könnten sich die seit Wochen andauernden landesweiten Proteste und die anarchistischen Szenen rund um den Arc de Triomphe durchaus zu Le Pens Vorteil auswirken, ohne dass sie selbst etwas tun muss.“

„Liberation“ (Paris):

„Angesichts einer Regierung, die sich nicht bewegt, lassen sich die ‚Gelbwesten‘ zur Illegalität hinreißen. Es herrscht ein Flächenbrand. Die Polizei, die Zeichen von Verdruss zeigt, schafft es nicht, ihn zu löschen. (Präsident) Emmanuel Macron hat die Wahl zwischen zwei Rollen: Feuerwehrmann oder Pyromane. Fest entschlossen, ‚Kurs zu halten‘, beteuert er, dass er zuhört. Aber er hört schon seit zwei Woche zu und versteht doch nichts. Er wirbelt nur Luft auf, die die Flammen weiter anfacht. Seine Amtszeit ist an einem Wendepunkt. Alles konzentriert sich auf eine Frage: Kann Frankreich die Herausforderungen des Jahrhunderts stemmen, ohne das Volk zu beteiligen?“

„Adevarul“ (Bukarest):

„Was in Frankreich geschieht, begünstigt zumindest jetzt sicherlich die populistischen und extremistischen Parteien - die rechten wie auch die linken -, die jetzt freie Bahn zum Sieg sehen. (...) Eine große Niederlage für Macron und sein europäisches Projekt würde auch eine katastrophale Veränderung des politischen Gleichgewichts in Brüssel bedeuten, das vom Populismus super-nationalistischer, fremdenfeindlicher und isolationistischer Forderungen dominiert werden könnte.“


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