Mann mit Auto überfahren und getötet: Zehn Monate Haft für Kärntner

Klagenfurt (APA) - Wegen grob fahrlässiger Tötung ist ein 36-jähriger Kärntner am Montag am Landesgericht Klagenfurt zu zehn Monaten Haft ve...

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Klagenfurt (APA) - Wegen grob fahrlässiger Tötung ist ein 36-jähriger Kärntner am Montag am Landesgericht Klagenfurt zu zehn Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte laut Anklage im August 2017 in Bad Kleinkirchheim betrunken einen auf der Fahrbahn liegenden 22-Jährigen überfahren und getötet. Er bekannte sich schuldig, bestritt jedoch, alkoholisiert gewesen zu sein. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Strafantrag wurde ursprünglich beim Bezirksgericht Spittal/Drau eingebracht - damals war der Vorwurf der Alkoholisierung nicht erhoben worden. Nach bereits begonnener Hauptverhandlung wurde er an die Staatsanwaltschaft Klagenfurt übergeben. Diese klagte den Mann wegen grob fahrlässiger Tötung an, denn der Angeklagte soll zum Zeitpunkt des Vorfalls schwer alkoholisiert gewesen sein.

Der 36-Jährige erklärte, er sei zum Zeitpunkt des Unfalls keineswegs betrunken gewesen, die zwei Promille, die bei ihm gemessen wurden, erklärte er damit, dass er daheim, nach dem Unfall, etwa einen halben Liter Schnaps getrunken hätte. Seine Mutter sagte bei ihrer Vernehmung Ende Oktober, sie habe die Schnapsflaschen ausgeschüttet, weil sie so eine Wut gehabt habe. In der ersten sei nur noch wenig drin gewesen, in der anderen mehr. Dazu konnte der Angeklagte nichts sagen, er erinnere sich nicht mehr. Seiner Meinung nach habe er den Schnaps im Schock getrunken. Übrigens werden die beiden leeren Flaschen als Beweismaterial geführt, sie wurden in der Anwaltskanzlei fotografiert.

Bei der Fortsetzung der Verhandlung am Montag waren etwa 15 Zeugen geladen, Richterin Michaela Sanin wollte herausfinden, ob der Unfalllenker sich tatsächlich erst nach dem Vorfall betrunken hatte oder doch schon davor. Nüchtern kann er jedenfalls nicht mehr gewesen sein, als er sich ans Steuer setzte, das geht aus den Zeugenaussagen eindeutig hervor. Schwer belastet wurde der 36-Jährige zudem durch die Aussage eines der damals mit den Erhebungen befassten Polizeibeamten. Dieser erklärte, der Angeklagte habe in der Nacht am Unfallort zu ihm gesagt: „Ich bin zwar betrunken mit dem Auto gefahren, überfahren habe ich ihn aber nicht.“ Von einem „Nachtrunk“ sei da nicht die Rede gewesen, in seiner Wohnung seien auch keine Schnapsflaschen herumgestanden.

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Erst bei einer weiteren Vernehmung am Nachmittag habe der Mann erklärt, nach dem Unfall aus zwei Flaschen, die in der Wohnung gestanden seien, Schnaps getrunken zu haben. Die Mutter wiederum hatte ausgesagt, die Flaschen seien im Kasten gestanden. Der Angeklagte selbst erklärte, er könne sich nicht mehr erinnern.

Für die Richterin war der sogenannte Nachtrunk eine „reine Schutzbehauptung“, es gebe zu viele Widersprüche, die Aussagen des Mannes seien unglaubwürdig. Sie befand ihn daher für schuldig und verhängte zehn Monate unbedingte Haft. Dies sei angesichts der Unbescholtenheit angemessen, wiewohl keine Strafe den Tod eines Menschen wettmachen könne. Staatsanwältin Nicola Trinker berief gegen das Urteil ebenso wie die Verteidigerin des Mannes.


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