Mexikos neuer Staatschef öffnet Präsidentenresidenz für die Bürger

Mexiko-Stadt (APA/AFP) - Der neue mexikanische Staatschef Andres Manuel Lopez Obrador hat dem Präsidentenprunk den Kampf angesagt. Erst seit...

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Mexiko-Stadt (APA/AFP) - Der neue mexikanische Staatschef Andres Manuel Lopez Obrador hat dem Präsidentenprunk den Kampf angesagt. Erst seit wenigen Tagen im Amt leitete er bereits den Verkauf des Präsidentenflugzeugs in die Wege. Doch damit nicht genug: Er kürzte auch sein eigenes Gehalt um 60 Prozent und öffnete das luxuriöse Präsidentenanwesen für die Öffentlichkeit.

85.000 Menschen strömten allein in den ersten beiden Tagen seiner Amtszeit in den Palast. Lopez Obrador ist ein erklärter Gegner des politischen Establishments seines Landes. Er ist seit Jahrzehnten der erste linksgerichtete Präsident Mexikos, das seit 1929 von nur zwei Parteien regiert wurde: der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) und der konservativen Partei der Nationalen Aktion (PAN). Der am 1. Dezember vereidigte Lopez Obrador will nun ganz neue Wege gehen und verspricht eine „tiefgreifende und radikale Veränderung“ des Landes.

Damit begann der neue Präsident Mexikos erst einmal bei sich selbst: Er verzichtet auf unnötigen Luxus und ließ am Sonntag (Ortszeit) bereits den Verkauf des Präsidentenflugzeugs verkünden. Neben der Kürzung seines Gehalts um 60 Prozent verzichtet er auch auf besondere Sicherheitsmaßnahmen sowie den Einzug in die prächtige Präsidentenresidenz Los Pinos. Er entschied sich vielmehr, weiterhin in seinem bescheidenen Haus zu wohnen - und das Staatsanwesen vorerst offiziell zu einem Kulturzentrum zu machen.

Mit der Öffnung der prachtvollen Residenz Los Pinos für die Bevölkerung will der 65-Jährige ein starkes Signal aussenden: Mexiko sei 89 Jahre lang von einer „Mafia der Macht“ regiert worden, die die Ressourcen des Landes gestohlen und die einfache Bevölkerung mit hohen Steuern ausgebeutet habe. Davon könnten sich nun alle Mexikaner mit eigenen Augen überzeugen.

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An jeder Ecke der Residenz wird der mexikanischen Bevölkerung vor Augen geführt, wie großspurig ihre Präsidenten bisher gelebt hatten. „Hier wird die riesige Kluft zwischen mexikanischen Staatsoberhäuptern und dem Rest der Bevölkerung besonders deutlich, sowie der pompöse Lebensstil, den die Politiker des Landes geführt hatten“, sagte der Politikanalytiker Hernan Gomez bei der Besichtigung des Anwesens.

Nun schlängeln sich Menschenmassen durch die Gärten und Räume der Residenz - Szenen, die Erinnerungen an den Sturz von Machthabern wie Muammar al-Gaddafi, Saddam Hussein oder Viktor Janukowitsch wecken. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass Lopez Obrador seinen Vorgänger Enrique Pena Nieto durch eine demokratische Wahl abgelöst hat.

Der Weg der Besucher führt durch prunkvolle Räume, in denen noch bis vor wenigen Tagen ihr Ex-Präsident in großem Luxus lebte. Neben Büroräumen gibt es unter anderem ein großzügiges Ankleidezimmer von rund 30 Quadratmetern, ein Esszimmer mit einem Tisch für 28 Personen und ein eigenes Kino im Untergeschoss mit 35 Sitzen.Das Gelände von Los Pinos ist vierzehn Mal so groß wie das Weiße Haus in Washington.

Offiziell ist die Präsidentenresidenz nun ein Kulturzentrum. Von „Kultur“ war bisher aber bis auf ein paar vereinzelte Musiker nicht viel zu sehen. Das Kulturministerium hatte schlichtweg keine Zeit, das Gebäude umzugestalten.


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