Dornauer ist reumütig, übt aber weiter Kritik an VP

Der geschäftsführende SPÖ-Chef Georg Dornauer gelobt Besserung nach seiner umstrittenen Aussage. Der Parteivorstand vertraut ihm.

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Mit 14 zu drei Stimmen hat der SPÖ-Vorstand am Montagabend dem designierten Parteichef Georg Dornauer das Vertrauen ausgesprochen.
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Innsbruck – Zwei Wochen nach seiner Kür zum geschäftsführenden Parteichef musste Georg Dornauer bereits gestern die Vertrauensfrage stellen. Schließlich wurde ihm eine vom ÖVP-Pressesprecher Sebastian Kolland getwitterte Aussage aus dem Landtag zum Verhängnis. Die im Tiroler Hohen Haus bereits umgehend und zweimal erfolgte Klarstellung bzw. Entschuldigung zu seinem Sager („Ich will mir die Landesrätin nicht in der Horizontalen vorstellen“) hat Kolland offenbar bewusst verschwiegen. Obwohl sie der Landtag mit Applaus quittierte und ÖVP-Klubchef Jakob Wolf sogar meinte, er habe gar nichts missverstanden. Außerdem wurde der amputierte Mitschnitt erst sechs Tage nach der Sitzung, aber gezielt zwei Tage nach Dornauers Wahl zum SP-Chef vom ÖVP-Pressemann ins Netz gestellt. Zuerst auf Twitter, dann am nächsten Tag auf Facebook.

Diese „bewusste Diffamierung“ kritisierte Dornauer auch gestern, wenngleich er von einer Klage gegen Kolland Abstand nimmt. Vielmehr will Dornauer mit allen Parteien über die Einsetzung eines Ethikrats sprechen.

In der Sache selbst respektierte er, dass seine missverständliche Aussage, die aus seiner Sicht flapsig, aber keinesfalls sexistisch gemeint gewesen sei und sich ausschließlich auf die krankheitsbedingte Bettlägrigkeit von LR Gabriele Fischer (Grüne) bezogen habe, auch als Sexismus empfunden werden kann. Bei Fischer werde er sich noch einmal persönlich entschuldigen, in der SPÖ wird es entsprechende Sensibilisierungsmaßnahmen und Bewusstseinsbildung geben. „Die neue SPÖ Tirol wird sich des strukturellen Sexismusproblems in unserer Gesellschaft weiterhin mit Akribie annehmen“, sagte Dornauer.

Im Parteivorstand gab es in der Vertrauensfrage bei 17 Stimmberechtigten vier Gegenstimmen. Eine davon von Frauenchefin Selma Yildirim. Über einen anderen Parteivorsitzenden macht sie sich derzeit keine Gedanken. „Es geht um Glaubwürdigkeit, das haben wir auch so besprochen.“ Das Vertrauen könne Dornauer bis zum Parteitag am 2. März aber zurückgewinnen.

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Mit SP-Bundesfrauenchefin Gabriele Heinisch-Hosek, die ihn wie die ÖVP zum Rücktritt aufgefordert hat, wird Dornauer ein Gespräch führen. Schließlich ist es ihm ein großes Anliegen, das Vertrauen wiederherzustellen. Wie auch seine Reputation. (pn)

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