Fußball:Erfolgscoach und Polarisierer - Max Merkel wäre 100 Jahre alt

Wien (APA) - Nach seinem Tod am 28. November 2006 gab es Beileidsbekundungen von der DFB-Spitze bis nach Madrid und Sevilla. Max Merkel war ...

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Wien (APA) - Nach seinem Tod am 28. November 2006 gab es Beileidsbekundungen von der DFB-Spitze bis nach Madrid und Sevilla. Max Merkel war eine der schillerndsten Fußball-Persönlichkeiten, die Österreich je hervorgebracht hat - wegen seiner Erfolge als Trainer, aber auch wegen seiner spitzzüngigen Kommentare. Am Freitag hätte der gebürtige Wiener seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Als Spieler feierte Merkel bei Rapid große Erfolge. Mit den Hütteldorfern wurde der Verteidiger viermal Meister (1948, 1951, 1952, 1954) und einmal Zentropa-Cup-Sieger (1951). Auf Nationalteam-Ebene spielte er nach dem Anschluss einmal für Deutschland (1939) und im Karriere-Finish einmal für Österreich (1952).

Einen Namen machte sich Merkel danach durch seine Trainer-Tätigkeit, die ihn zunächst zu HBS Craeyenhout und dann zur niederländischen Nationalmannschaft führte. 1957 wurde er mit Rapid Meister, nächste Station war Borussia Dortmund (1958 bis 1961). Die großen Triumphe begannen mit seinem Amtsantritt bei 1860 München 1961: Merkel wurde mit den „Löwen“ 1964 Pokalsieger, 1966 Meister und führte sie 1965 ins Finale des Cups der Cupsieger.

Mit Jahresbeginn 1967 übernahm er den damals abstiegsgefährdeten 1. FC Nürnberg und feierte mit den Franken eineinhalb Jahre später den Meistertitel. Bald ging es wieder bergab und Merkel verließ im März 1969 den damaligen Tabellenletzten, der wenig später als bis dato einziger regierender deutscher Champion abstieg.

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Merkels Reputation tat dies keinen Abbruch - der streitbare Coach ging im selben Jahr zum FC Sevilla und 1971 zu Atletico Madrid. Mit dem spanischen Hauptstadt-Club gewann er 1972 den Cup und 1973 die Meisterschaft. Es folgten kurze und relativ erfolglose Engagements bei Schalke und Augsburg und anschließend von 1977 bis 1978 eine von Kontroversen gekennzeichnete Tätigkeit als ÖFB-Sportdirektor. In diese Zeit fiel seine Aussage, wonach beim ÖFB nur die Mittagspause funktioniere.

Merkels markige Sprüche und ruppige Art hatten schon davor immer wieder für Missfallen unter seinen Spielern gesorgt, was wohl auch ein wichtiger Grund dafür war, dass es nichts mit einem Job beim FC Bayern wurde. Der damalige Präsident Wilhelm Neudecker verpflichtete den Wiener 1979 als neuen Trainer, woraufhin Paul Breitner und Sepp Maier eine Spielerrevolte anzettelten. Merkel bekam schließlich seinen Zweijahresvertrag ausbezahlt, obwohl er kein einziges Training geleitet hatte.

Seine Aktivitäten als Coach ließ Merkel Anfang der 1980er-Jahre beim Karlsruher SC und FC Zürich ausklingen. Parallel dazu erarbeitete er sich einen Ruf als gefürchteter „Bild“-Kolumnist. Abgesehen von fußballerischen Unzulänglichkeiten thematisierte Merkel gerne die Vorlieben von Spielern, Trainern und Funktionären für die Damenwelt oder Alkohol, ohne dabei allerdings den moralisierenden Zeigefinger zu schwingen.

Den Stab über lebenslustige und trinkfreudige Kicker wollte der Wiener nicht brechen, allein schon aufgrund von persönlichen Erfahrungen: „Im Trainingslager habe ich die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Anti-Alkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 6:1. Da habe ich gesagt: Sauft‘s weiter“, erzählte Merkel über die Meistersaison mit Nürnberg.


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