„Eve‘s Hollywood“ von Eve Babitz: Wiederentdeckung einer Kultautorin

Wien (APA) - Eve Babitz ist eine illustre Frau: Sie hatte Affären mit Stars, war Partygirl, gestaltete ikonische Platten-Cover und schrieb e...

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Wien (APA) - Eve Babitz ist eine illustre Frau: Sie hatte Affären mit Stars, war Partygirl, gestaltete ikonische Platten-Cover und schrieb einzigartige Geschichten, in denen Fiktion und Autobiografie nahtlos zusammenfließen. 2015 wurde ihr erstes Buch „Eve‘s Hollywood“ in den USA neu herausgebracht. Nun liegt die deutsche Übersetzung vor. Die Kultautorin verdient auch hierzulande eine (Wieder-)Entdeckung.

„Abgesehen von Tod und Umzug, barg das Aufwachsen in Hollywood noch eine weitere Gefahr: dass einer deiner Schulfreunde ‚entdeckt‘ wurde“, schreibt Babitz in „Eve‘s Hollywood“ mit der für sie typischen Mischung aus Ironie und Sarkasmus. Die Leute mit Hirn gingen nach New York „und die mit dem Aussehen nach Westen“, heißt es an anderer Stelle des erstmals 1974 erschienen Romans. Eigentlich handelt es sich um eine lose verknüpfte Sammlung von chronologischen Essays, in denen Babitz über das Los Angeles der 50er-, 60er- und 70er-Jahre erzählt.

Der Leser begegnet rebellischen Jugendlichen, die sich am Strand trafen („toughe Kids mit Messern, Rasierklingen, Reifeneisen und tiefergelegten Autos“), illustren Figuren wie LSD-Papst Timothy Leary („was er im Geheimen tat, war, die Sportseiten lesen und Scotch trinken“) und Franz Zappa im Affenfellmantel („darunter rosa-gelb gestreifte Hosen und neongelbes-orangenes Basketball-Shirt“) und natürlich der Autorin selbst: „Ich sah aus wie Brigitte Bardot und war (Igor) Strawinskys Patentochter.“ Der russische Komponist war ein Freund der Familie, sein Patenkind schon früh auf der Suche nach dem „echten Leben“.

Berühmt wurde Babitz spätestens 1963, als sie mit Marcel Duchamp nackt Schach spielte. Dem Pop-Art-Künstler Ed Ruscha diente sie als Muse, mit Harrison Ford und Steve Martin verband sie mehr als nur Freundschaft, Jim Morrison soll einen Song über sie komponiert haben. Doch „Eve‘s Hollywood“ dokumentiert, dass Babitz mehr war als eine Vorläuferin der It-Girls: Ihre Lebensbetrachtungen und Erinnerungen an vergangene Kulturen, Teenager-Ängste und -Träume, Lebensgefühle, Moden und Helden sind unkonventionell formuliert wie konstruiert, amüsant und eine Fundgrube.

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Babitz ist eine scharfe Beobachterin. Über Keith Richards und Gram Parsons schreibt sie etwa: „Sie reduzierten einander, als würden sich Picasso und Strawinsky eine Wohnung teilen. Sie waren wunderschön, aber man durfte nicht zu lange hinsehen.“ Die Autorin entführt in eine Welt im Umbruch, sie schafft es, den Drogentod von Janis Joplin mit einer Hymne auf mexikanisches Essen zu verbinden, und sie spart nicht mit Erkenntnissen: „Ich habe festgestellt, dass sich alles, wonach das Herz sich sehnt, früher oder später in eine Sünde verwandelt (...) und wenn du Glück hast, kriegst du gerade so die Hälfte. Das ist der Weg des Lebens, also begehre lieber etwas Enormes.“

Nach einem Feuerunfall 1997 beschloss die heute 75-Jährige, das Schreiben einzustellen. Die Asche ihrer Zigarette hatte ihr Gewand in Brand gesetzt, die Hälfte ihres Körpers erlitt Verbrennungen dritten Grades. Ihr wunderbares Zeitpanorama „Eve‘s Hollywood“ kann man nun erstmals auf Deutsch lesen: Tino Hanekamp hat Babitz‘ Stil und Sprache adäquat übersetzt.

(S E R V I C E - Eve Babitz: „Eve‘s Hollywood“, aus dem Englischen von Tino Hanekamp, Heyne Verlag, 384 Seiten, 22,70 Euro)


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