Ein kleiner Kaiser in Slim-Fit-Hosen

Berlin (APA/dpa) - „Er ist wieder da“ hieß vor einigen Jahren der Sensationsbestseller von Timur Vermes, in dem er Adolf Hitler im heutigen ...

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Berlin (APA/dpa) - „Er ist wieder da“ hieß vor einigen Jahren der Sensationsbestseller von Timur Vermes, in dem er Adolf Hitler im heutigen Berlin wiederauferstehen ließ. Die Satire lebte nicht zuletzt von der Konfrontation des monströsen Weltbildes des Diktators mit der deutschen Realität des 21. Jahrhunderts und natürlich vom täuschend echten Auftritt des „Führers“ mit schnarrendem Tonfall und NS-Jargon.

Vielleicht war Vermes ja Ideengeber für Romain Puertolas? und sein Buch „Der kleine Kaiser ist zurück“. Bei ihm heißt der Wiedergänger Napoleon Bonaparte.

Der Kaiser der Franzosen ist zwar offiziell vor 200 Jahren auf der Atlantikinsel St. Helena verschieden, doch bei Puertolas taucht er tiefgefroren wieder auf: Norwegische Fischer ziehen den Leichnam seiner Majestät samt den seines Lieblingspferdes aus dem eiskalten Polarwasser. Das erste Wort, das der Exkaiser lernt, ist „Coca Cola“. Es wird sein Lieblingsgetränk.

Und damit ist die Richtung schon vorgegeben. Zwischen Cola light, Slim-Fit-Hosen und schnittigen Ferraris versucht sich Napoleon, in der modernen Welt zurechtzufinden, was ihm als Mann von überragender Intelligenz schnell gelingt. Manches bleibt für ihn aber befremdlich. Ganz besonders wurmt ihn, dass die Sprache seines Lieblingsfeindes, das Englische, zur dominierenden Weltsprache geworden ist. Und wie kann es sein, dass der „Rheinbund“ heute von einer Frau beherrscht wird? „Man konnte keine dreißig Sekunden weg sein.“

Doch der wiederaufgetaute Kaiser ist nicht zu seinem Vergnügen zurückgekommen. Als Mann der Tat sieht er sich politisch in der Pflicht. Sein geliebtes Frankreich wird gerade von einer Welle von Attentaten des IS erschüttert. Den gegenwärtigen ersten Mann im Staat, Francois Hollande, erkennt er als sympathisches, aber allzu „schlichtes Gemüt“, der leider den Anforderungen der Zeit nicht gewachsen ist. Hierfür braucht es eben einen Napoleon.

Und so nimmt der Kaiser den Kampf mit den Islamisten auf. In Windeseile stellt der kleine Korse eine neue Grande Armee auf, die mit fünf Cancan-Tänzerinnen, einem Straßenfeger und dem Iman von Paris höchst eigenwillig zusammengesetzt ist. Doch dafür sind die Mittel, die diese Kämpfer des christlichen Abendlandes verwenden, auch von ganz spezieller Art. Man sieht schon, es handelt sich um eine schrille Satire, wie man sie von einem Autor der zuvor als Zauberkünstler Furore machte, erwarten kann.

Schon in seinem ersten Roman „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte“ zeigte sich Puertolas als Meister irrsinniger Geschichten. Dass in dem neuen Buch Napoleon mit der historischen Vorlage kaum etwas zu tun hat - weder spricht er so, noch denkt er so (denn seit wann war Napoleon für Frauenemanzipation?) - geschenkt. In punkto Authentizität schlägt ihn Vermur um Längen. Wenn man will, kann man in dem Buch eine Persiflage auf die Terrrorhysterie in Frankreich oder den noch immer lebendigen Kaisermythos sehen. Allzu viel sollte man aber besser nicht hinein interpretieren. Das Buch ist eine äußerst schräge Satire, die keinem Klamauk, keinem Gag aus dem Weg geht. Nicht mehr und nicht weniger.

(S E R V I C E - Romain Puertolas: „Der kleine Kaiser ist zurück“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 320 Seiten, 16,40 Euro)


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