Pakistan geht gegen Protest-Partei von Bibis Freispruch vor

Mehr als 3000 Mitglieder und Funktionäre der Tehreek-e Labbaik Pakistan (TLP) seien laut Informationsminister Fawad Chaudhry festgenommen worden. Nachdem Asia Bibi freigesprochen wurde, hatte es zahlreiche Proteste gegeben.

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Asia Bibi war wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. 2018 wurde das Urteil aufgehoben, was für heftige Proteste sorgte.
© British Pakistani Christian Asso

Islamabad – In Pakistan geht die Regierung gegen die Partei eines radikalislamischen Predigers vor, die hinter den Anfeindungen gegen die Christin Asia Bibi steht. Polizei und Sicherheitsdienste hätten mehr als 3000 Mitglieder und Funktionäre der Tehreek-e Labbaik Pakistan (TLP) festgenommen, sagte Informationsminister Fawad Chaudhry am Dienstag.

TLP-Chef Khadim Rizvi und weitere Parteimitglieder seien wegen des Verdachts der Aufwiegelung zum Aufruhr angeklagt worden. Anhänger der TLP hatten im November drei Tage lang mit Protesten und Straßensperren das Land lahmgelegt, nachdem der Oberste Gerichtshof die wegen Gotteslästerung verurteilte Christin Asia Bibi nach acht Jahren in der Todeszelle freigesprochen hatte.

Bibi soll sich abfällig über Mohammed geäußert haben

Der heute 51-jährigen Bibi war vorgeworfen worden, sich bei einem Streit mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben. Bibi war 2009 festgenommen und im Jahr darauf nach einem umstrittenen Blasphemiegesetz in dem vorwiegend muslimischen Land zum Tode verurteilt worden. TLP-Chef Rizvi hatte im Zuge der Proteste die Entlassung der Richter und Bibis Tod gefordert.

Aus Rizvis Partei hieß es, mehrere tausend Aktivisten und Mitglieder seien entweder aus der Partei ausgetreten oder hätten einen Austritt angekündigt, seit die Regierung vergangene Woche begonnen hatte, gegen die Partei vorzugehen. „Unser Hauptquartier wird belagert. Unsere Leute verlassen uns aus Angst, verhaftet zu werden“, sagte der Sprecher der Gruppe, Qari Raza Sialivi, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Islamisten demonstrierten gegen die Freilassung der Christin Asia Bibi.
© AFP/Hassan

Die TLP war in Pakistan mit Protesten rund um das umstrittene Blasphemiegesetz bekannt geworden. Sie konnte bei den Parlamentswahlen im Juli zwar keinen Sitz in der Nationalversammlung gewinnen, allerdings erhielten ihre Kandidaten mehr als zwei Millionen Stimmen. Damit wurde die TLP nach Stimmen die fünftstärkste Partei des Landes und überholte aus dem Stand mehrere säkulare Parteien. (APA/dpa)


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