Österreichs Gefängnispopulation laut Europarat-Bericht stabil

Straßburg/Wien/Europa-weit (APA) - In Albanien, Georgien, Litauen, Mazedonien, Montenegro und der Türkei ist die Anzahl der Gefängnisinsasse...

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Straßburg/Wien/Europa-weit (APA) - In Albanien, Georgien, Litauen, Mazedonien, Montenegro und der Türkei ist die Anzahl der Gefängnisinsassen binnen zehn Jahren bis 2015 im europäischen Vergleich am stärksten gestiegen. Zu den Ländern mit den niedrigsten Anteilen an Häftlingen zählten laut Daten des Europarats Deutschland und die Niederlande. Österreichs Rate nahm um drei Prozentpunkte ab und blieb damit recht stabil.

Der Europarat veröffentlichte am Dienstag zwei Berichte zur Situation in den europäischen Haftanstalten, erstellt von der Universität von Lausanne. Analysiert wurden die Entwicklung der Gefängnispopulationen insgesamt sowie der Anteil der Ausländer in Haft und auf Bewährung in den 47 Mitgliedstaaten, einschließlich der 28 EU-Länder, im nicht ganz aktuellen Zeitrahmen von 2005 bis 2015.

Besonders hohe Anstiege bei der Zahl der Inhaftierten gab es beispielsweise in der Türkei (75,8 auf 220,4 pro 100.000 Einwohner) und Albanien (109,3 auf 207,2), Georgien (200,6 auf 274,6) und Mazedonien (104,8 auf 168,9). Deutschland (95,7 auf 77,4) und die Niederlande (94 auf 53) gesellten sich hingegen zu den Ländern mit den niedrigsten Raten auf 100.000 Einwohner. Estland (327,4 auf 210,3) und Lettland (313,4 auf 223,4) reduzierten ihre immer noch großen Gefängnispopulationen deutlich.

Österreich landete bei der Anzahl der Gefängnisinsassen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung mit einer Rate von 103,9 pro 100.000 Einwohner im Mittelfeld, wobei die Belegung der einzelnen Haftanstalten als vergleichsweise hoch eingestuft wurde. Hoch seien auch die Anteile noch nicht verurteilter Inhaftierter sowie die Suizidrate. Die Ausgaben von durchschnittlich 113 Euro pro Häftling pro Tag lagen im Mittel.

Unter den Europaratsstaaten weise Österreich zudem eine hohe Anzahl weiblicher Sträflinge auf, im EU-Vergleich sei deren Zahl aber im Mittelfeld angesiedelt. 2015 waren demnach 5,9 Prozent der Häftlinge hierzulande weiblich, ein Plus von 17 Prozentpunkten seit 2005.

Im gleichen Zeitraum stieg laut Europarat der Anteil ausländischer Insassen deutlich: 2005 habe diese Gruppe 45 Prozent der Häftlinge gestellt, zehn Jahre später machte ihr Anteil 53 Prozent aus - und lag somit, so die Studie, im Vergleich der EU- und EFTA-Länder „hoch“.

Der Gesamtanteil ausländischer Straftäter hinter europäischen Gittern und auf Bewährung blieb im Untersuchungszeitraum stabil bei zwölf Prozent. Besonders niedrig lag er in Osteuropa (unter fünf Prozent), während die Zahlen in den meisten Staaten der Europäischen Union und der Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) höher lagen und auch anstiegen.

Insgesamt war die Anzahl ausländischer Straftäter auf Bewährung im Jahr 2015 weit niedriger als jene von inhaftierten Ausländern. Die Daten würden zeigen, dass Alternativen zur Haft nicht notwendigerweise auch als Alternative verwendet werden, „sondern als zusätzliche Maßnahme zur Inhaftierung“, sagte Studienautor Marcelo Aebi.

~ WEB http://hub.coe.int/ ~ APA254 2018-12-04/12:37


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