Demenz-Beratung in Uderns: Zillertal setzt auf Mehr an Menschlichkeit

Beim Start der Demenz-Beratung in Uderns wurden gesellschaftliche Aufgaben der Zukunft skizziert: Es braucht mehr Empathie.

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Johannes Dines, Georg Schärmer, Kathrin Kaltenhauser, Silvia Prosser und Klaus Rainer informierten zum Thema Demenz in der neuen Beratungsstelle für Angehörige im Caritas-Zentrum in Uderns.
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Von Angela Dähling

Uderns –„In 30 Jahren wird ein Viertel der Österreicher das Thema Demenz im Kopf haben – sei es als Betroffener oder Angehöriger.“ Die Wort­e des Innsbrucker Caritas-Direktors Georg Schärmer können Angst machen. Denn Demenz wird vor allem von Angst begleitet. Angst vor dem eigenen Kontrollverlust und davor, auf andere angewiesen zu sein. Und Angst, dass sich ein geliebter Mensch in seinem Wesen durch die Krankheit total verändert.

In diesem Sinne wurde in Uderns gestern eine „Entängstigungsstelle“ (Zitat Schärme­r) eröffnet: die neue Beratungsstelle für pflegend­e Angehörige vom Netzwerk für ein demenzfreundliches Zillertal. Mit Rat und Tat, mit Kursen und Stammtischen stehen Leiterin Silvia Prosser und ihr Team Betroffenen zur Verfügung. Anhörige sollen erfahren, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind.

„Dementiell erkrankte Menschen gehören zu unserer Gesellschaft, welche sich für andere einsetzen sollte“, betonte der Salzburger Caritas-Direktor Johannes Dines. Beide Caritas-Stellen unterstützen die neue Beratungsstelle im Uderner Caritaszentrum mit einem Drittel der Gesamtkosten. Ein weiteres Drittel der Kosten von je 12.500 Euro übernehmen das Land Tirol und der Planungsverband Zillertal. LA Katrin Kaltenhauser weist darauf hin, dass die Vorarbeiten für die neue Beratungsstelle seit drei Jahren laufen. Maßgeblich daran beteiligt waren u. a. die Schwendauer VBM Theresia Rauch und Barbara Kainzer-Abendstein (Leiterin Caritas-Zentrum Uderns). Auch vier Sozial- und Gesundsheitsprengel im Tal, die Tiroler Hospiz, das BHK Schwaz, die Lebenshilfe und die Zillertaler Altenheime im Tal zählen zu den Netzwerkpartnern.

Pflegeheimleiter Klaus Rainer aus Zell machte deutlich: „Der demenz­erkrankte Mensch ist ein Gefühlsmensch. Es nutzt nichts, ihm mit dem Verstand zu kommen und zu argumentieren. Man muss empathisch erkennen, welches Bedürfnis hinter seinen Worten und Taten steckt.“ Es seien lang hintangestellte Schuldgefühle und verdrängte Konflikte, die bei Demenzkranken als Vorwürfe wieder hochkommen. „Alles, was nicht aufgearbeitet wurde, muss dann aufgearbeitet werden. Daran zerbrechen manch­e Familien“, machte Rainer deutlich.

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Diese Wesensveränderung der Demenzkranken – hin zum Wesentlichen – sei ein Lehrstuhl für unsere Gesellschaft, ergänzte Schärmer. „Weg von der Leistung und Tüchtigkeit hin zu Empathie und Solidarität.“ Trotz exzellenter Heime und Sozialsprengel gehe es ohne Nachbarschaftshilfe und pflegende Angehörige nicht. Wenn 10 % der pflegenden Angehörigen wegfielen, stünden 2000 Menschen auf der Straße, so Schärmer. „Wir hätten weder die Kubaturen noch das Personal.“ Um so wichtiger sei es, die pflegenden Angehörigen zu unterstützen und zu entlasten. Ins Dunkel der Überlastung werde mit der Beratungstelle ein Licht der Freude gebracht. Hansjörg Jäger sprach als Zillertaler Planungsverbandsobmann von einem freudigen Tag für die Talschaft. „Es ist nicht nur unsere Aufgabe, Straßen und Lifte zu bauen. Die Daseinsvorsorge sehen wir als große Herausforderung und Schwerpunktthema an.“

Geöffnet hat die Beratungsstelle montags von 14 bis 18 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 9 bis 13 Uhr.


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