Van der Bellen warnt: „Wir stehen vor dem globalen Klimakollaps“

Am zweiten Tag der Weltklimakonferenz warnte Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen vor einem „globalen Klimakollaps“. Darüber, dass etwas passieren muss, scheinen sich die Delegierten einig zu sein.

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Bundespräsident Alexander Van der Bellen.
© APA/Bundesheer/Lechner

Kattowitz – Nach ersten Gesprächen am Klimagipfel (COP24) in Katowice in Polen ist Bundespräsident Alexander Van der Bellen weiterhin „gemäßigt zuversichtlich“, dass die Delegierten zu einem positiven Ergebnis kommen. „Es gibt einen Konsens darüber, dass etwas geschehen muss“, sagte der Bundespräsident am Dienstag.

Hauptaufgabe der Konferenz ist es, die 2015 in Paris von den Staaten beschlossene Verpflichtung, die Erderwärmung nach Möglichkeit auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, in konkrete Maßnahmen umzusetzen und in einem Regelbuch festzumachen. Zwar gäbe es hierfür noch unterschiedliche Positionen bei den einzelnen Ländern, doch glaubte Van der Bellen, dass dies trotz „Mühen auf der Ebene“ noch gelingen werde.

„Starkes Zeichen an die Zivilgesellschaft“

Neben seinen Treffen mit Politikern besuchte der Bundespräsident auch das Veranstaltungszentrum „Climate Hub“ von Greenpeace. „Der Besuch des österreichischen Bundespräsidenten ist ein starkes Zeichen an die Zivilgesellschaft“, sagte Annabella Rosemberg, Programmdirektorin von Greenpeace International.

Van der Bellen traf sich dabei auch mit Vertretern der Pazifischen Inselstaaten und einem Team von Greenpeace Russland, das durch die Erderhitzung verursachte Waldbrände bekämpft. „Während die Regierungen untätig sind, stehen diese Menschen mit vollem Engagement für mehr Klimaschutz ein“, unterstrich Rosemberg.

Zudem begrüßte die Programmdirektorin die internationale Initiative von Van der Bellen für mehr Klimaambition, die bereits von 18 weiteren Staats- und Regierungschefs unterstützt wird: „Der Handlungsaufruf von Alexander Van der Bellen ist unmissverständlich: Um das Pariser Klimaziel von höchsten 1,5 Grad Celsius Erderhitzung noch erreichen zu können, müssen alle Staaten ihre Klimaschutzpläne noch vor deren Inkrafttreten 2020 erheblich verbessern“.

Bundespräsident Alexdander Van der Bellen eröffnete den Stand der österreichischen Wirtschaftskammer.
© APA

E-Autos „längst keine Zukunft mehr, sondern Realität“

Außerdem nahm der Bundespräsident an der „Katowice Partnerschaft für E-Mobilität“ teil. Dort betonte Van der Bellen die Wichtigkeit, den Verkehr nach und nach auf E-Mobilität unzustellen – auch in Österreich, wo der Straßenverkehr mit rund einem Drittel der Gesamtemissionen Klimasünder Nummer eins ist. Van der Bellen war überzeugt, dass sich diese Technologien durchsetzen werden. Für große Autohäuser seien Elektrofahrzeuge auch bereits „längst keine Zukunft mehr, sondern Realität“.

Am Vormittag hatte der Bundespräsident den Stand der österreichischen Wirtschaftskammer eröffnet. Österreich zähle bei sauberer Technologie und Energie zu den Spitzenländer der Welt. „Jetzt muss es nur noch angewendet werden“, sagte der Bundespräsident.

Van der Bellen warnte mit den Worten „wir stehen vor dem globalen Klimakollaps“ erneut vor der enormen Gefahr des Klimawandels. Die gute Nachricht sei aber, dass inzwischen die nötige Technologie bereit steht, um die Gefahr einzudämmen. Österreich zähle hierbei zu den führenden Ländern. Der Sektor ist aber nicht nur für das Klima, sondern – mit seinen zehntausenden Arbeitsplätzen – auch für die Wirtschaft von Bedeutung, meinte der Bundespräsident. Auf dem Stand werden Projekte österreichischer Unternehmen präsentiert, die in Sachen Klimaschutztechnologie vorbildlich sind. (APA, TT.com)

Wetterextreme trafen Entwicklungsländer besonders hart

Stürme, Starkregen, Hitze und Dürre haben in den vergangenen 20 Jahren Entwicklungsländer besonders stark getroffen. Unter den zehn Ländern mit den größten Extremwetterschäden waren 2017 acht Entwicklungsländer, wie aus dem am Dienstag auf der UN-Klimakonferenz in Katowice veröffentlichten Klima-Risiko-Index der Organisation Germanwatch hervorgeht.

Puerto Rico, Honduras und Myanmar stehen an der Spitze, gefolgt von Haiti, den Philippinen, Nicaragua, Bangladesch, Pakistan, Vietnam und der Inselstaat Dominica. Deutschland liegt auf Platz 25 – und damit deutlich vor seinen Nachbarn Schweiz (41) und Österreich, das den 51. Platz einnimmt. Mit mehr als 11.500 Todesopfern und mehr als 375 Milliarden US-Dollar (331 Milliarden Euro) Schäden gehörten die Schäden 2017 – unter Berücksichtigung der von Land zu Land teils sehr unterschiedlichen Kaufkraft – nach Angaben von Germanwatch zu den verheerendsten der jüngeren Geschichte.

„Auch reiche Industriestaaten werden vom Klimawandel immer härter getroffen“, erklärte der Germanwatch-Experte David Eckstein. „Dass die Stürme an Intensität bei Windgeschwindigkeiten und Niederschlägen zunehmen, deckt sich mit den Prognosen der Klimawissenschaft.“ Durch die Rekord-Dürre und extreme Hitze in diesem Jahr sei im nächsten Index damit zu rechnen, dass europäische Länder noch mehr in den Fokus geraten.

Puerto Rico und Dominica wurden im Herbst 2017 von Hurrikan Maria verwüstet. Mit fast 3000 Toten traf es Puerto Rico so schwer, dass das Land in der Betrachtung der vergangenen 20 Jahre ganz nach oben rückte. Der Klima-Risiko-Index basiert auf der NatCatSERVICE-Datenbank des Rückversicherers Munich Re und Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF).

In den vergangenen 20 Jahren gab es laut Analyse mehr als 11.500 Extremwetterereignisse. Dabei kamen mehr als 526.000 Menschen ums Leben. Die Sachschäden beliefen sich demnach ausgedrückt in sogenannten Kaufkraftparitäten auf 3,5 Billionen US-Dollar (3,1 Billionen Euro)

Die Verfasser betonen, dass die Daten keine „einfache Aussage“ darüber erlauben, welcher Anteil der Wetterextreme direkt auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Es sei auf diese Weise aber möglich, „ein Bild der Verwundbarkeit der Staaten“ gegenüber diesen Entwicklungen zu zeichnen.


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