Bayer-Jobabbau auch per Frühpensionen, Konzern soll schneller wachsen

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Leverkusen/St. Louis (APA/dpa/dpa-AFX) - Der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer will für den geplanten massiven Personalabbau Mitarbeiter in den Ruhestand schicken. „Es wird ein Programm 57+ geben, wonach Bayer-Beschäftigte mit 57 Jahren in den Ruhestand gehen können“, sagte Oliver Zühlke, Chef des Bayer-Gesamtbetriebsrats.

Das sei für langjährige Beschäftigte „äußerst attraktiv“. Für Mitarbeiter, die nicht die abschlagsfreie Rente mit 63 nutzen könnten, müsse Bayer Verluste bei der betrieblichen und gesetzlichen Rente ausgleichen, forderte Zühlke in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). „Das wird Bayer einiges kosten“, sagte der Betriebsratsvorsitzende. Ein Bayer-Sprecher sagte auf Anfrage: „Die Gespräche laufen noch.“

Bis März 2019 sollen die Mitarbeiter den Angaben zufolge Klarheit darüber haben, wie viele der weltweit 12.000 zum Abbau vorgesehenen Stellen in Deutschland wegfallen. „Darüber beraten wir noch. Im Pharmabereich, wo man seit langem verhandelt, wird das schnell feststehen. In den anderen Bereichen wohl bis März 2019“, sagte Zühlke, der zugleich stellvertretender Aufsichtsrats-Chef ist. Bayer-Vorstandschef Werner Baumann hatte gesagt, der Stellenabbau werde „einen bedeutenden Anteil an Arbeitsplätzen in Deutschland betreffen, aber nicht die Mehrzahl der 12.000 Stellen“. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen.

Der massive Personalabbau ist Bestandteil eines Programms zur Effizienzsteigerung, mit dem der Konzern seine Wettbewerbsfähigkeit deutlich steigern will. Nach der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto will Bayer sein Wachstum beschleunigen. Der Konzernumsatz soll vor Wechselkursveränderungen im Jahr 2019 um etwa 4 Prozent zulegen und danach bis 2022 um durchschnittlich 4 bis 5 Prozent pro Jahr, wie das Unternehmen am Mittwoch im Zuge eines Kapitalmarkttages in London mitteilte.

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Nach dem jüngsten freien Fall des Aktienkurses will der Konzern auch seine Aktionäre mit der Aussicht auf steigende Gewinnbeteiligungen milde stimmen. Finanzvorstand Wolfgang Nickl stellte am beim Kapitalmarkttag weitere Dividendenerhöhungen sowie mögliche Aktienrückkäufe in Aussicht. Zudem soll die Nettoverschuldung bis 2022 auf etwa 26 bis 28 Milliarden Euro sinken. Das wären bis zu 10 Mrd. Euro weniger, als für 2019 geplant sind. Die Verschuldung des Konzerns ist vor allem wegen der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto stark gestiegen.

Bayer will sein mittelfristiges Schuldenziel sowie die geplanten Ausschüttungen an die Aktionäre durch ein wieder schnelleres Wachstum und eine höhere Rentabilität erreichen. Es soll also ein größerer Anteil des Umsatzes als Gewinn beim Unternehmen hängen bleiben. Im Zuge dessen soll der freie Mittelzufluss (Free Cashflow) sich bis 2022 auf rund 8 Mrd. Euro nahezu verdoppeln.

„Diese Mittel wollen wir ebenso wie die Erlöse aus den angekündigten Portfoliomaßnahmen unter anderem dafür einsetzen, weiter die Dividende zu erhöhen und die Nettofinanzverschuldung zu reduzieren“, sagte Finanzvorstand Wolfgang Nickl. „Darüber hinaus prüfen wir die Option, einen erheblichen Teil der Erlöse für Aktienrückkäufe einzusetzen.“ So will sich Bayer vom Geschäft mit Tiergesundheit sowie in der Sparte für rezeptfreie Medikamente von bestimmten Haut-und Fußpflegeprodukten trennen.

Bei den Anlegern kamen die mittelfristigen Ziele und die Aussicht auf höhere Ausschüttungen gut an. Im bisherigen Jahresverlauf zählen die Papiere allerdings mit einem Minus von mehr als einem Drittel zu den größten Verlierern im deutschen Leitindex. Der Grund sind Aktionärsängste wegen tausender Klagen in den USA, die sich um mutmaßliche Krebsrisiken durch den Unkrautvernichter Glyphosat drehen.

Bereits Ende November hatten die Leverkusener den Verkauf des Geschäfts mit Tiergesundheit sowie der 60-prozentigen Beteiligung am deutschen Chemiestandort-Dienstleister Currenta angekündigt. Zudem stehen im zuletzt trägen Geschäft mit rezeptfreien Medikamente die erst vor wenigen Jahren vom US-Konzern Merck & Co teuer gekauften Bereiche Sonnenschutz mit der Marke Coppertone und Fußpflege mit der Marke Dr. Scholl‘s zur Disposition.

Die Veräußerungen sind Teil eines Programms zur Steigerung der Effizienz. Die Maßnahmen umfassen aber auch den angekündigten herben Personalabbau von rund 12.000 der 118.200 Arbeitsplätze.

~ ISIN DE000BAY0017 WEB http://www.bayer.de/

http://www.monsanto.com/ ~ APA358 2018-12-05/14:06


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