Streit um Löhne im Handel: Fronten verhärten sich

Nachdem auch die vierte Verhandlungsrunde zum neuen Kollektivvertrag kein Ergebnis brachte, planen die Gewerkschaften morgen Protestaktionen.

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Der 8. Dezember ist bereits der zweite Einkaufssamstag im Advent. Für den Handel ist das Weihnachtsgeschäft nach wie vor ein wichtiges Zusatzgeschäft.
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Wien –Nachdem am Mittwochabend die vierte Verhandlungsrunde zum Kollektivvertrag im Handel abgebrochen wurde, liegen seit gestern auch die Gespräche für die rund 120.000 Handelsarbeiter zwischen der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida auf Eis. Die Arbeitgeberseite habe sich bei der prozentuellen Erhöhung der Löhne auf ihrem Standpunkt eingemauert, so vida-Verhandler Andreas Gollner. Für die Arbeitnehmerseite ist die angebotene Erhöhung der Löhne um 2,4 Prozent bzw. ein Bruttofixbetrag von 42 Eur­o im Monat zu wenig.

Indessen wird der Ton zwischen Arbeitgebervertretern und Gewerkschaft immer raue­r. So wirft Handels-Chefverhandler Peter Buchmüller der Arbeitnehmerseite vor, dass „die politische Motivation“ hinter dem Verhalten der Gewerkschaft immer klarer werde. „Ganz dumm sind wir ja auch nicht. Man hat gemerkt, dass sie die Verhandlungen unbedingt in die Länge ziehen wollten“, so Buchmüller. Ein Vorwurf, den die Vorsitzende der Gewerkschaft GPA-djp, Barbara Teiber, als „absurd“ zurückweist. Es seien nicht die Verhandler der GPA-djp gewesen, die den Verhandlungstisch verlassen haben, so Teiber. „Herr Buchmüller sollte sich die Abschlüsse der letzten Wochen in anderen Branchen ansehen und soll dann den Angestellten im Handel erklären, warum sie mit ihrem Abschluss fast ein Prozent darunter liegen sollen.“

„Unsere Gewinnmargen sind minimal, das kann man nicht mit der Metallindustrie vergleichen“, sagte Buchmüller. Dort einigten sich die Sozialpartner auf Gehaltserhöhungen zwischen 3,0 bis 4,3 Prozent. Im Durchschnitt betrug das Plus bei den Metallern 3,46 Prozent. Die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen würden eine deutliche Gehaltserhöhung rechtfertigen, finden hingegen die Arbeitnehmervertreter. „Natürlich sehen auch wir strukturelle Probleme in der Branch­e, wie etwa den Trend zum Onlinehandel. Allerdings ist falsch zu glauben, man könne durch niedrige Gehälter diese Probleme lösen“, sagte Gewerkschafts-Chefverhandlerin Anita Palkovich.

Morgen will die Gewerkschaft nun in Einkaufszentren und Einkaufsstraßen Aktionen durchführen. Am Montag wird es auch Betriebsversammlungen geben. Was genau geplant ist, wurde allerdings noch nicht kommuniziert.

Wann sich Gewerkschaft und Arbeitgeber erneut treffen, steht noch nicht fest. Der Termin am Mittwoch war der Letzte, der offiziell vereinbart wurde. Ein neuerliches Gespräch soll aber jedenfalls noch vor Weihnachten stattfinden. (APA, TT)


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