BA-Prognose: Lohnerhöhungen und Konsum stützen heimische Wirtschaft

Wien (APA) - Die Ökonomen der Bank Austria (BA) haben ihre Konjunktureinschätzung für 2019 und 2020 präsentiert. Insgesamt werde sich die Wi...

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Wien (APA) - Die Ökonomen der Bank Austria (BA) haben ihre Konjunktureinschätzung für 2019 und 2020 präsentiert. Insgesamt werde sich die Wirtschaftsentwicklung global weiter abschwächen, in Europa komme aber keine Rezession, sondern in den USA. Gute Nachrichten gibt es für Österreich: Die heimische Wirtschaft entwickle sich - gestützt durch höhere Löhne und Konsum - besser als Deutschland und der Euroraum.

Österreich begegnet der globalen Abschwächung mit solider Binnennachfrage und übertrifft die Euroraum-Dynamik: Nach fast 2 Prozent im Jahr 2019 erreicht das Wirtschaftswachstum 2020 dann 1,5 Prozent, erläuterte BA-Chefökonom Stefan Bruckbauer die Prognose. Geringer soll das Wachstum im Euroraum ausfallen, nämlich 1,7 Prozent 2019 und 1,1 Prozent 2020.

Die Phase niedriger Zinsen werde in Europa voraussichtlich noch längere Zeit bestehen bleiben. Für die Sparer werden also die Zinsen unten bleiben. Das Ende der EZB-Nullzinspolitik soll erst Anfang 2020 kommen. Erwartet wird nur eine Anhebung des Leitzinssatzes auf 0,25 Prozent.

Die USA stehen nach dem längsten Konjunkturaufschwung der Geschichte vor einer „milden Rezession“ in 2020 - ausgerechnet im Wahljahr für die Präsidentschaft. Die US-Wirtschaft werde schon 2019 an Schwung verlieren und voraussichtlich sogar in eine - milde und kurze - Rezession zur Jahresmitte 2020 abrutschen, erwartet Bruckbauer. Dazu tragen ausufernde fiskalische Impulse - wie das höchste Budgetdefizit aller Industrieländer - bei, aber auch die schwächere Investitionsdynamik aufgrund des niedrigeren Ölpreises sowie der Außenhandel angesichts eines stärkeren US-Dollars. Im Jahresschnitt 2020 soll demnach das Wachstum in den USA auf nur 0,7 Prozent zurückgehen, nach 2,4 Prozent 2019.

Dadurch könnte das Wachstum der Weltwirtschaft von 3,4 Prozent 2019 auf nur noch 2,7 Prozent 2020 deutlich sinken. Der Euroraum wird dem globalen Abschwung dank einer robusten Inlandsnachfrage vorerst noch standhalten können. Die nachlassende Unterstützung durch die lockere Geldpolitik und der Rückgang im globalen Handel können durch niedrigere Ölpreise und den günstigeren Kurs des Euros teilweise aufgefangen werden. 2019 soll sich der Euroraum also trotz leichter Wachstumsabschwächung noch gut entwickeln. „Erst 2020 wird die globale Abschwächung auf die europäische Wirtschaft spürbar durchschlagen und nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent im Euroraum zulassen“, erwartet Bruckbauer.

In Österreich schaut die Prognose besser aus: Heuer stieg das Wachstum auf 2,7 Prozent - dank der Exporte, der kräftigen Investitionstätigkeit und der höchsten Konsumdynamik seit einem Jahrzehnt. Dies führte zum höchsten BIP-Anstieg seit der Erholung im Jahr 2011 unmittelbar nach der Finanzkrise, erläuterte Bank Austria- Ökonom Walter Pudschedl. Seit dem Frühjahr 2018 habe sich die Dynamik jedoch verlangsamt, auch wegen der Verunsicherung durch die protektionistische US-Handelspolitik, die die Exportstimmung trübte. Nur der private Konsum habe, gestützt auf hohe Beschäftigungszuwächse und reale Lohnsteigerungen, anhaltend Stärke gezeigt.

Die Inlandsnachfrage werde wieder die treibende Kraft der österreichischen Wirtschaft sein, während der Optimismus unter den Unternehmern - ausgenommen am Bau - bereits abgenommen habe. 2019 wird die österreichische Wirtschaftsleistung erstmals die Marke von 400 Milliarden Euro überschreiten. Im globalen Ranking dürfte Österreich damit auf Rang 27 vorrücken und den Iran, der mit knapp 80 Millionen Einwohnern fast die zehnfache Bevölkerung aufweist, hinter sich lassen.

Während der private Konsum, gestützt durch Beschäftigungszuwächse und Lohnerhöhungen, 2019 und 2020 die heimische Wirtschaft stützt, wird sich der Budgetkurs schwächend auf die Konjunktur auswirken: Da sich 2019 die Einnahmen stärker erhöhen sollten als die Ausgaben werde der erwartete Budgetüberschuss der Konjunktur etwas an Wachstum kosten. 2020 erwarten die Ökonomen dann einen neutralen Effekt des Budgets auf die Konjunktur, jedenfalls keine ernsthafte Dämpfung.

Der Inflationsdruck bleibt in Österreich überschaubar, zudem dürfte der Ölpreis die Teuerung entlasten. „Nach einer Teuerung von jeweils 2,0 Prozent im Jahr 2018 und 2019 gehen wir für 2020 von einem Rückgang der Teuerung auf durchschnittlich 1,8 Prozent aus. Damit wird die Teuerung das zwölfte Jahr in Folge über dem Vergleichswert im Euroraum liegen“, so Pudschedl.

Risiken für die Prognose liegen in den Auswirkungen des Brexit, im Handelskonflikt zwischen den USA und China, und in einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft nach einer zu starken Kreditausweitung. In Europa könnten politische Spannungen im Vorfeld der Europawahlen in unterschiedlichen Ländern das Wirtschaftsklima zusätzlich belasten.

~ WEB http://www.bankaustria.at ~ APA315 2018-12-06/14:00


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