Vielfalt fördert Bierkultur in Tirol

Ein loses Netzwerk von heimischen Bierbrauern will die verstärkte Wahrnehmung der Brauereien im Land künftig anschieben.

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Robby Haesebrouck (Tribaun), Josef Moser (Kristallbrauerei), Philipp Geiger (Zillertal Bier), Arno Paul­i (Gasthof Ebner), Marko Nikolic und Christoph Bichler (Bierol), Roland Jura sowie Alex Zeischka (Starkenberger, v.?l.).
© Stegmayr

Innsbruck –Im Februar 2018 riefen Robby Haese­brouck (Tribaun) und Arn­o Pauli (Gasthof Ebner) die „Tiroler Biervielfalt“ ins Leben. Mit diesem losen Netzwerk wollen die Beteiligten eine verstärkte Wahrnehmung der heimischen Brauereien generieren und die damit verbundene Bierkultur anschieben.

Unter dem Dach der „Tiroler Biervielfalt“ haben sich die Brauereien Vilser Bergbräu, Starkenberger, Gasthof Ebner, Tiroler Bier, Theresienbräu, Tribaun, Bierol, Zillertal Bier, Tuxertal Brauerei und die Kristallbrauerei zusammengefunden. Ein Verein ist man rechtlich gesehen nicht. Stattdessen fällt öfter das Wort „Stammtisch“. Bereits zum fünften Mal traf man sich jetzt jedenfalls, dieses Mal in Absam. Man möchte im Kollektiv Strategien entwickeln, um das eigene Agieren sichtbarer zu machen.

Diese ersehnte Bierkultur, so ist man sich einig, braucht zuerst Bewusstsein und Wissen – sowohl von Biertrinkern als auch von Gastronomen. „Das erreichen wir etwa durch Brauereiführungen, bei denen man die Leute aufklärt und ihnen erzählt, wie Bier gemacht wird“, meint dazu Christoph Bichler der Brauerei „Bierol“, die gerade für ihr Bier „Bomboclaat“ den Titel „Bier des Jahres“ im Gault Millau einheimsen konnte.

Arno Pauli, Inhaber des Gasthofs Ebner und sowohl Brenner als auch Brauer, glaubt in diesem Kontext hingegen an die ergänzend­e Wirkung von Bierfesten. Er ist Initiator der „Tiroler Braukost“ in Hall, bei der sich Tiroler Brauereien vorstellen können. „Wir hatten beim letzten Fest 60 Biersorten im Angebot“, berichtet er. An einem Ort wie diesem Bierfest könne man „zeigen, wie viel Verschiedenes es in Tirol bereits gibt“, meint er. Die „Tiroler Biervielfalt“, so wird man sich schnell einig, kann sich in Zukunft jedenfalls prinzipiell vorstellen, diese Idee unter neuem Namen in die Bezirke hinauszutragen.

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Ebenso herrscht Konsens, dass in Tirol bereits beachtlich viele innovativ­e Brauereien vorhanden sind. Nicht an der objektiven Vielfalt, sondern an der Wahrnehmung ebendieser durch die Konsumenten fehle es teilweis­e. „Viele greifen immer noch aus Gewohnheit zur altbekannten Flasche Bier“, sagt Pauli dazu. Mit Brauerei­führungen und Bierfesten allein lässt sich das wahrscheinlich nur schwer ändern. Josef Moser von der Alpbacher „Kristall­brauerei“ schlägt etwas anderes vor. „Man könnte einen alten Sud neu aufbereiten“, meint er. „Ich habe beispielsweise das Kundler Bier nachgebraut und das ganze Dorf stand dahinter“, fügt er hinzu. Im Tiroler Landesarchiv gebe es Unterlagen zu dem alten Sud.

Zum Bewusstsein, dass es in Tirol eine Vielzahl an kleinen und mittelgroßen Brauereien gibt, und zum Bewusstsein, wie Bier überhaupt gebraut wird, kommt damit noch die Identifikationsfrage hinzu. „Nicht einmal alle in Absam sind sich bewusst, dass ich Bier braue“, beklagt Pauli. „Viele wissen nicht einmal, wo Tarrenz liegt und dass Starkenberger aus Tirol kommt“, legt der Starkenberger-Braumeister Alexander Zeischk­a nach.

Philipp Geiger, Marketing-Leiter bei Zillertal Bier, nennt die von der eigenen Brauerei forcierte „Fisser Gerste“ als Mittel zur Stärkung der Identifikation mit den Tiroler Bieren. Eine gemeinsame Homepage oder einen gemeinsamen Sud hat man hintangestellt. Aus dem Stammtisch sollen aber noch Impulse hervorgehen. (mst)


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