Internationale Pressestimmen zu „Gelbwesten“-Protesten in Frankreich

Paris (APA/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Sonntag die „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich:...

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Paris (APA/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Sonntag die „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich:

„The Observer“ (London):

„Die Franzosen sind unzufrieden mit ihrem Schicksal. Was ist daran neu? Frankreich hat eine Tradition lautstarker öffentlicher Proteste, die 50 Jahre zurück reicht bis zu den Studentenunruhen 1968 in Paris - und noch weiter bis zur Revolution von 1789. Das ist normal. Warum also sollte man die gegenwärtige Protestwelle gegen Steuererhöhungen und gegen die Regierung anders betrachten?

Die Gründe dafür sind ebenso vielfältig wie dringend, denn dieses Phänomen ist nicht auf Frankreich begrenzt. Die ‚Gelben Westen‘, wie die Demonstranten genannt werden, repräsentieren die Mehrheit des Volkes - vor allem die Arbeiterschaft und die untere Mittelschicht. Sie fühlen sich in vielen Ländern Europas betrogen von der politischen Elite und durch ein Wirtschaftssystem, das ihre Bedürfnisse ignoriert. Das existenzielle Problem, das sich daraus für alle Demokratien ergibt, ist offensichtlich.“

„Neue Zürcher Zeitung am Sonntag“:

„Emmanuel Macron ist blitzgescheit, und er zeigt das auch immer wieder gern. Die Wut in der französischen Bevölkerung gegen seine Erhöhung der Treibstoffsteuern hat er jedoch nicht kommen sehen. Ausgerechnet er, der junge Staatspräsident, der Frankreich an den verkrusteten Parteien und Gewerkschaften vorbei gemeinsam mit den gewöhnlichen Bürgern von Grund auf erneuern wollte. Dafür haben sie ihn gewählt. In Wahrheit regiert Macron fernab vom Volk allein mit seinen Beratern im Elysée-Palast. Der Klimaschutz in Ehren, aber in Frankreich gibt es auch anderen, weniger umstrittenen Reformbedarf als eine Verbesserung der Abgasbilanz des Landes. Beim aufgeblähten Staatsapparat, bei der Schuldenlast oder der Wettbewerbsfähigkeit zum Beispiel. (...)

So wie Macron vorgeht, wird er nicht mehr viele Reformen durchbringen. Er setzt die Erneuerung, die Frankreich bitter nötig hat, leichtfertig aufs Spiel.“


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