Liebe und Krieg: Shakespeares „Troilus und Cressida“ in Mödling

Mödling (APA) - Mit William Shakespeares fürwahr düsterer Tragödie „Troilus und Cressida“ zeigt das Theater zum Fürchten im Stadttheater Möd...

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Mödling (APA) - Mit William Shakespeares fürwahr düsterer Tragödie „Troilus und Cressida“ zeigt das Theater zum Fürchten im Stadttheater Mödling die letzte Produktion des Jahres. Bruno Max hat das selten aufgeführte Stück über die Liebe und den Krieg vom Schauplatz Troja in eine grausame Gegenwart transferiert.

In seiner Inhomogenität und seinem eklatanten Mangel an Sympathieträgern ist das Stück schwierig auf die Bühne zu hieven. Doch in Mödling geht es ums Inhaltliche: um die Darstellung der Sinnlosigkeit des Krieges, um dessen nichtige Anlässe - in diesem Fall der Streit um die einstmals schöne Helena - und um den Verlust aller Werte, für die vorgeblich gekämpft wird.

Und das wird in opulente Optik und Akustik übersetzt. Gleich zu Beginn mischt sich ein Evergreen von Tom Jones mit Gefechtslärm und Geschützdonner, das große rote Neonherz (Bühnenbild: Marcus Ganser) weicht Schützengräben und Frontstellungen. Innerhalb des zahlreichen Personals sind die Charaktere anschaulich gezeichnet, woran sowohl Max als auch die Schauspieler ihren Anteil haben.

So ist Troilus (Thomas Marchart) schon in seiner Körpersprache ein dem Schicksal Unterlegener. Samantha Steppan überzeugt in einer Doppelrolle (als schüchterne Cressida wie als hysterische Seherin Cassandra) ebenso wie Johanna Rehm (als dumm-geiles Flittchen Helena und als tragische Witwe Hektors). Manche Darsteller agieren sowohl auf trojanischer als auch auf griechischer Seite: eine unübersehbare Anspielung auf die Austauschbarkeit aller Seiten von Gewalt. Georg Kusztrich ist ein verhärteter alter König Priamos, aber auch der dämliche Agamemnon, Hermann J. Kogler ein penetranter Kuppler, Maximilian Spielmann ein dümmlicher Held Ajax, Alexander Rossi ein intriganter Ulysses.

Auch wenn manche Passagen trotz Kürzung immer noch etwas zu sehr ausgespielt und einige Kampfszenen wie Hollywood-Verschnitt wirken: Die Message kommt an, und das ist die Hauptsache. Liebe in Zeiten des Krieges ist unmöglich, und doch wird selbst da mit zweierlei Maß gemessen: Paris und Helena, die Verantwortung für die Katastrophe tragen, bleiben unbehelligt, Troilus und Cressida dürfen ihre Liebe nicht leben. Die Welt ist oft gemein und ungerecht. Shakespeare wusste es, Bruno Max erinnert daran. Aktualitätsbezüge muss man da leider nicht lange suchen.

(S E R V I C E - William Shakespeare: „Troilus und Cressida“, Regie: Bruno Max, Bühnenbild: Marcus Ganser, Mit Georg Kusztrich, Samantha Steppan, Johanna Rehm, Hermann J. Kogler, Alexander Rossi, Maximilian Spielmann u.a, Stadttheater Mödling. Weitere Vorstellungen bis 22. Dezember, Tickets: Tel. 01/544 20 70, www.stadttheatermoedling.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen unter https://bettinafrenzel.wordpress.com/2018/12/08/troilus-und-cressida -theater-zum-fuerchten zum Download bereit.)


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