Hoffnungsträger Paschinjan will Armenien reformieren

Eriwan (APA/dpa) - Tarnkleidung, grauer Bart und Schirmmütze - das war einmal. Armeniens Hoffnungsträger Nikol Paschinjan greift mittlerweil...

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Eriwan (APA/dpa) - Tarnkleidung, grauer Bart und Schirmmütze - das war einmal. Armeniens Hoffnungsträger Nikol Paschinjan greift mittlerweile lieber zu Anzügen mit edlen Krawatten, manchmal in den Farben der Nationalflagge (Rot, Blau, Gelb). Den Wechsel an die Regierungsspitze hat der 43-jährige Politiker nach der sogenannten samtenen Revolution im Frühjahr auch rein optisch vollzogen.

Als Protestführer war er weit über die Ex-Sowjetrepublik hinaus bekannt geworden. Er selbst zieht es nun vor, mit dem früheren südafrikanischen Freiheitskämpfer und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela verglichen zu werden.

Seit Jahren kritisiert Paschinjan die Eliten und prangert die Korruption an, er wirbt für demokratische Reformen. Einst hatte er Journalistik in Eriwan studiert, war aber kurz vor dem Abschluss von der Universität geflogen. Das sei eine politische Entscheidung auch wegen seiner kritischen Artikel gewesen, sagte Paschinjan einmal. Dennoch arbeitete er jahrelang als Journalist und gründete 1999 die oppositionelle Zeitung „Armenische Zeit“.

Paschinjan, der mit der Protestbewegung den damaligen Regierungschef Sersch Sargsjan zum Rücktritt gezwungen hat und nun mit vorgezogenen Neuwahlen seine Macht im Parlament ausbauen will, war schon früher mit der Führung aneinandergeraten. Nach Sargsjans erstem Wahlsieg 2008 galt Paschinjan als einer der Protestführer. Damals wurden zehn Menschen getötet, Paschinjan saß einige Zeit im Gefängnis. Erst 2012 wurde er ins Parlament gewählt.

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Beobachter beschreiben Paschinjan als aufbrausend, aber charismatisch. Mit viel Energie hat er während der Proteste seine Anhänger mobilisiert. Er sieht sich als „Kandidat des Volkes“ - und sucht auch im Amt als Regierungschef die Nähe zum Volk. Dafür nutzt Paschinjan besonders gern Facebook. Mehr als eine halbe Million Menschen folgen ihm. Paschinjan ist verheiratet und hat vier Kinder.

Seine Agenda für eine weitere Amtszeit: unabhängige Institutionen schaffen und in der Außenpolitik die Kooperation mit Russland als auch mit der EU suchen. Am harten Kurs gegen das verfeindete Aserbaidschan will er festhalten.


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