Fatale Brände hielten am Wochenende Tiroler Feuerwehren auf Trab

Bei Bränden in Neustift und Telfs mussten am Wochenende zwei Gebäude evakuiert werden. In einem Fall dürfte ein Brandstifter am Werk gewesen sein.

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In Neustift musste bei einem Küchenbrand eine Pension evakuiert werden, in Telfs ein ganzer Wohnblock (siehe Bild unten).
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Von Thomas Hörmann

Zirl, Telfs, Neustift –Kein Ruß an der Fassade, keine verkohlten Balken: Von außen wirkt das Zweifamilienhaus am Zirler Geistbühelweg völlig unversehrt. Nicht einmal das Nachbar-Ehepaar hatte gemerkt, dass sich Samstagnacht in der Wohnung im ersten Stock eine Tragödie abgespielt hatte. Eine Tragödie bei einem Wohnzimmerbrand, der erst am Vormittag entdeckt wurde. Viel zu spät für die Bewohnerin – die 84-Jährige dürfte im dichten Qualm erstickt sein.

Wie die Ermittlungen des Landeskriminalamtes vorerst ergaben, ist der Brand irgendwann in der Nacht zum Samstag im Wohnzimmer ausgebrochen, und zwar im Bereich des Sofas. Die Ursache war zunächst unklar und soll heute von Experten untersucht werden. Nicht ausgeschlossen ist, dass eine Kerze die Couch in Brand gesetzt hat.

Die 84-Jährige erkannte offenbar die Gefahr. Wie die Polizeibeamten rekonstruieren konnten, versuchte die Zirlerin, die Wohnung zu verlassen. Allerdings ist sie im Durchgang zwischen Wohnzimmer und Küche gestürzt. Die Todesursache steht noch nicht endgültig fest. Aber es schaut danach aus, dass die Pensionistin im Rauch erstickt ist.

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Dass der Brand unbemerkt blieb, lag vermutlich an den geschlossenen Fenstern. Die Flammen dürften durch den Sauerstoffmangel von selbst erloschen sein. Schließlich waren es Verwandte des Opfers, die am späten Samstagvormittag Alarm schlugen, weil sie die 84-Jährige nicht erreichen konnten. In der Folge schaute der Nachbar in die Wohnung der 84-Jährigen. Dabei entdeckte er nicht nur die Spuren des nächtlichen Brandes, sondern auch die Leiche der Frau.

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In Telfs sind illegal im Stiegenhaus abgestellte Fahrräder plötzlich in Flammen aufgegangen.
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In der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr war eine Pension in Neustift Schauplatz eines dramatischen Einsatzes. Beim Eintreffen der Polizeistreifen stand die Küche in Flammen. Mehrere Gäste hatten sich auf den Balkon gerettet, weil der dichte Rauch im Haus ihnen den Fluchtweg versperrte. Nachbarn brachten eine Leiter, mit der sich die Urlauber in Sicherheit bringen konnten. Einige Gäste schliefen längst, als das Feuer ausbrach. Sie wurden geweckt und ebenfalls über den Balkon evakuiert. Notärzte und Sanitäter kümmerten sich noch vor Ort um die vier Deutschen, zwei Tschechen und zwei Österreicher. Wie sich herausstellte, hatten die Urlauber den Brand unverletzt überstanden. Die 62-jährige Besitzerin der Pension hatte als Einzige eine Rauchgasvergiftung sowie einen Schock erlitten und musste im Haller Krankenhaus versorgt werden. Für die Neustifter Feuerwehr war der Brand kein Problem – die 35 Mann konnten die Flammen rasch ersticken. Die Höhe des Sachschadens steht noch nicht fest.

Auch ein Wohnblock am Fuchsbühel in Telfs musste am Sonntag gegen zwölf Uhr evakuiert werden. Der Grund: „Im Stiegenhaus sind mehrere Fahrräder in Brand geraten“, schildert Matthias Hagele, Einsatzleiter der Telfer Feuerwehr: „Eine starke Rauchentwicklung war die Folge.“ Und die führte dazu, dass die Feuerwehrmänner mit Drehleitern rund 35 Bewohner aus den Wohnungen holen und in Sicherheit bringen mussten. Der Brand an sich war kein Problem – den konnte bereits ein Hausbewohner mit einem Feuerlöscher ersticken.

Auffällig: Im Kellergang desselben Gebäudes ist bereits am Freitagmorgen ein Brand ausgebrochen. Genau genommen waren es dort gelagerte Autoreifen, die Feuer gefangen haben. „Der Qualm staute sich im Keller und war so dicht, dass unsere Leute ohne Sicht arbeiten mussten“, schildert Hagele den Feuerwehr-Einsatz. Und wie am Sonntag musste auch am Freitag das Gebäude evakuiert werden.

Die beiden Brände im selben Gebäude dürften eher kein Zufall sein: Vielmehr schaut es danach aus, dass ein Brandstifter seine Hände im Spiel hatte. Ohne spekulieren zu wollen, bestätigt auch Hagele, „dass sowohl die Fahrräder als auch die Reifen im Stiegenhaus bzw. im Kellergang nicht gelagert werden dürfen“. Ein Missstand, auf den die Bewohner auch schon aufmerksam gemacht wurden. Außerdem neigen Fahrräder und Reifengummi nicht zur Selbstentzündung.


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