Münchner Amoklauf: Prozess um Darknet-Waffenkauf geht zu Ende

Ein junger Mann begeht in München einen Amoklauf. Jetzt steht ein Informatiker in Karlsruhe vor Gericht, der dem Täter den Kauf der Waffe auf einer von ihm betriebenen anonymen Internetplattform ermöglicht hat. Inwieweit ist der Mann verantwortlich zu machen?

Schauplatz der Bluttat: Das OEZ im Nordwesten Münchens.
© imago stock&people

Karlsruhe – Der Prozess gegen den Betreiber einer Plattform im Darknet im Zusammenhang mit dem Amoklauf im Münchner Olympia-Einkaufszentrum geht vor dem Landgericht Karlsruhe dem Ende entgegen. Am Mittwoch soll die Staatsanwaltschaft mit ihrem Plädoyer beginnen. Die für Cyberkriminalität zuständige Anklagebehörde in Mannheim wirft dem Informatiker vor, dem späteren Amokschützen den Kauf von Pistole und Munition über eine von ihm betriebene Online-Plattform im anonymen Bereich des Internets ermöglicht zu haben. Die Anklage lautet neben anderen Vorwürfen auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Zehntausende auf Plattform registriert

Der Prozess hatte Anfang November begonnen. An mehreren Verhandlungstagen hatten Zeugen ausgesagt, darunter Ermittler der Polizei. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hätte der Angeklagte erkennen müssen, dass sich außerhalb des legalen Waffenmarktes unzuverlässige und labile Personen eine Waffe verschaffen und diese zum Töten oder Verletzen von Menschen nutzen können. Auf der seit 2013 im Darknet betriebenen Plattform seien zuletzt mehr als 23.000 Nutzer registriert gewesen. Sie wurde im Juni 2017 bei einer Durchsuchung der Karlsruher Wohnung des Angeklagten abgeschaltet.

Im Juli 2016 hatte ein 18-Jähriger am und im Olympia-Einkaufszentrum in München neun Menschen und sich selbst erschossen. Es gab mehrere Verletzte. Ein Mann aus dem hessischen Marburg hatte die Pistole an den jugendlichen Täter verkauft. Der 33-Jährige wurde im Januar zu sieben Jahren Haft verurteilt. (dpa)

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